Glaube & Leben

Heiliger Sonntag

7. Mai 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Eine kleine Rätselfrage: In wieviel Tagen hat Gott die Welt erschaffen? In sechs oder in sieben? Denn am siebten Tag „ruhte Gott aus von all seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte.“, lesen wir im 1. Buch Mose, Kapitel 2, Vers 2. Mit Konfis hatte ich da immer wieder heiße Diskussionen: Ob denn das Ausruhen zum Arbeiten dazu gehört? Da sind die Jugendliche sehr unterschiedlicher Meinung.

Und wie sieht es aus mit dem Gebot „Du sollst den Feiertag heiligen?“ Wir überlegen dann, wer am Sonntag arbeitet. Was ist nötig, was nicht? Polizei, Krankenhaus, Feuerwehr – die brauchen wir 24/7 – rund um die Uhr. Das ist noch unstrittig. Aber wie sieht es aus mit Tankstellen, die sich zu kleinen Supermärkten entwickelt haben? Oder mit den verkaufsoffenen Sonntagen. Und wir sehnen uns doch danach, dass endlich wieder die Restaurants, Kinos und Theater öffnen, natürlich auch am Sonntag.

Was meint „Sonntagsheiligung“ eigentlich? Was unterscheidet den Werktag vom Feiertag? Dass wir nicht arbeiten müssen, ist die Antwort, die am meisten fällt. Aber was noch? Zeit für die Familie vielleicht? Bei wenigen nur – vornehmlich Älteren – höre ich: Ohne den Kirchgang wäre der Sonntag kein Sonntag. Also: Was unterscheidet den Werktag vom Feiertag? Erst recht in dieser Pandemie-Zeit, von der auch der sonntägliche Gottesdienst massiv betroffen ist.

Meine Gedanken gehen zurück in meine Kindheit. Der Sonntag wurde schon am Samstag eingeläutet. Vormittags Straße kehren und Schuhe putzen, am Nachmittag dann einer nach dem anderen in die Badewanne. Da musste nicht mit dem Wasser gespart werden. Wir hatten schon einen Gas-Durchlauferhitzer. So gab es für jeden und jede in der Familie eine volle Wanne mit heißem Wasser. Nach dem Baden die Sportschau, das gemeinsame Abendessen und anschließend vielleicht Kulenkampff. Er wäre übrigens dieser Tage 100 Jahre alt geworden.

Am Sonntag traf sich die Familie zum Spaziergang zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken mit Verwandten und Freunden. Der Kirchgang stand übrigens nicht auf dem Programm. Wir waren keine sonderlich religiöse Familie, oder noch nicht in dem „Kirchgang-Alter“, wie mein Neffe als Kind einmal beschrieben hat, wie es ist, wenn wir alt werden.

Ich will nicht zurück in die „gute, alte Zeit“. Die festgefügten Wochenend-Rituale hatten auch etwas Zwanghaftes. Aber ein Gespür für diesen Wechsel zwischen Arbeit und Ruhe, ein Gefühl für das Besondere und Schöne eines Feiertags lernen wir wohl nur von klein auf, in der Familie.

„Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe.“ heißt es im 62. Psalm, Vers 2. Diese Geborgenheit, dieses Vertrauen, das sich hier ausspricht, kann wohl wirklich nur zuallererst in der Familie erfahren und weitergegeben werden. Und wenn es dort nicht beginnt, dann hilft kein öffentliches Lamentieren über den Verfall der Sonntagskultur.

Das Gespür für so etwas wie „Sonntagsheiligung“ können wir nur ganz elementar lernen. Ich weiß hier kein Patentrezept, wie wir das wieder neu erfahren können. Aber vielleicht müssen wir uns als Kirchengemeinde auch immer wieder kritisch prüfen, wie wir mit dem Sonntag umgehen. Erreichen unsere Gottesdienste die Menschen, die noch lange nicht im „Kirchgang-Alter“ sind – junge Familien zum Beispiel oder auch Jugendliche auch nach der Konfirmation? Unsere Familienkirche mit Bille und Fridulin ist sicher ein guter Anfang.

Ich will zumindest meine Kinder und Enkel ermutigen, ganz bewusst diesen Rhythmus zwischen Werktag und Sonntag zu erleben. Es muss kein sonntägliches Kaffeetrinken bei Oma und Opa sein, so sehr wir dies genießen würden. Es wird auch kein regelmäßiger Kirchgang werden, da bleibe ich Realist. Aber vielleicht gelingt es uns, unsere Kinder und Enkel neugierig auf den Zauber des Sonntags zu machen, wenn wir ihn selbst leben.

Ach ja, am Ende zurück zur Rätselfrage. Natürlich hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen. Seine Schöpfung ist erst mit dem Tag der Ruhe vollendet. Arbeit allein ist nicht alles. Der Sonntag gehört dazu. Ohne Ausruhen und Gott danken für seine Schöpfung ist die Woche nicht vollständig.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Aus der Unruhe meines Lebens,
der Hektik und den Anforderungen der Arbeit,
komme ich, Gott, zu dir.
Ich danke dir für den Sonntag,
für die Festtage und für die Zeit,
in denen Leib und Seele zur Ruhe kommen.
Ich kann mein Leben nicht in die Grenzen
und das Tempo der Arbeitsstunden zwängen.
Ich brauche Zeit für eine Liebe ohne Hast und Eile,
Lass uns darin aufatmen in deinem Frieden
und neue Kraft schöpfen für den Alltag.

Amen.

Singen

30. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Wo Menschen sich vergessen,
die Wege verlassen,

und neu beginnen, ganz neu
da begegnen sich Himmel und Erde,
dass Friede werde unter uns …

Liebe Leserinnen und Leser,

das Singen fehlt mir. Gerade summe ich mit: „Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken …“ Ich bin kein begnadeter Sänger und kein Chor-Mitglied, aber mir fehlt das Singen, besonders am Sonntagmorgen in der Kirche. Mir gefällt die schöne Orgelmusik oder ein bewegender Sologesang, trotzdem fehlt etwas.

Predigt und miteinander einstimmen in neue und alte Lieder sind für mich die Kernpunkte des evangelischen Gottesdienstes. Drum feiern wir jetzt Andacht, solange wir nur hören können. Wir sind still, mit unseren Gedanken bei uns. Die Gemeinschaft kommt zu kurz, wie so oft in dieser Pandemie.

Am 2. Mai feiern wir den Sonntag „Kantate“, da wird mir die Lücke besonders bewusst. „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ So beginnt der 98. Psalm, der diesem 4. Sonntag nach Ostern den Namen gibt.

Vielleicht denke ich aber zu kurz mit meiner Sehnsucht nach dem gemeinsamen Gesang. Singen ist mehr. Eine Skulptur von Ernst Barlach hat mich ins Grübeln gebracht. „Der singende Mann“, eine Bronze-Figur aus dem Jahr 1928 (Foto: Rufus46, wikimedia.org). Da sitzt ein Mann auf dem Boden, sein linkes Bein untergeschlagen. Er trägt ein weit fallendes Gewand. Mit beiden Händen umfasst er das rechte mit dem aufragenden Knie und hält sich so im Gleichgewicht. Alle Körperlinien streben zum Kopf.

Die Augen geschlossen, den Mund zum Singen geöffnet, ist er in sich versunken, lauscht in sich hinein. Es sind dieses für Barlachs Figuren typischen Gesichtszüge, die den Singenden völlig gelöst und konzentriert erscheinen lassen. Hingegeben an den Gesang, öffnet dieser Mensch sein Innerstes. Die befreiende Wirkung der Musik schafft Gelassenheit und Freude. Hier ist jemand ganz bei sich und zugleich ganz wo anders. Wir haben Teil an einer zutiefst berührenden „menschlichen Situation in ihrer Blöße zwischen Himmel und Erde“, wie es Ernst Barlach selbst formuliert hat.

Es braucht weder den kunstvollen, vielstimmigen Chor, noch die Gänsehautmomente einer gemeinsamen Hymne, um von der Musik ergriffen zu werden. Dieser Mensch singt nach innen. Und wenn ich ihn ansehe, singe ich innerlich mit. Wer so singt, muss sich keine Gedanken um Ansteckung und Aerosole machen. Barlachs Figur lehrt mich, diesen Gesang nach innen wertzuschätzen.

Welches Lied er singt, welche Erinnerungen ihn leiten, welche Melodie ihn trägt, weiß ich nicht. Aber ich spüre: Wie er dasitzt, erlebt er eine Gottesstunde. Es geht jetzt nicht um Soll und Haben, nicht um Mühe und Arbeit, nicht um Haschen nach Wind. Jetzt, jetzt ist er ganz bei sich und so ganz bei Gott. Losgelöst und konzentriert zugleich, hingegeben an sich und den nahen Gott.

Ernst Barlachs Werk ist eine Einladung, die Freude zu entdecken. Für mich verschmelzen hier Lebensfreude und Gottesfreude zu einem inneren Lobgesang. Diese Erfahrung möchte ich mitnehmen in unsere Andachten am Sonntag und mit Ihnen teilen. Lassen sie uns miteinander nach innen singen.

Bis dahin: Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Wo Menschen sich vergessen,
die Wege verlassen,
und neu beginnen, ganz neu …

Wo Menschen sich verschenken,
die Liebe bedenken,
und neu beginnen, ganz neu …

Wo Mensch sich verbünden,
den Hass überwinden,
und neu beginnen, ganz neu …

… da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns,

da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns.

Thomas Laubach

Angebote

24. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser,

Joghurt ohne Ende: Fettarm oder mit Sahne, pur oder in den abgefahrensten Geschmacksrichtungen, laktosefrei oder proteinreich. Groß, bunt und vielfältig ist das Angebot in den Supermarktregalen. Ebenso groß, bunt und vielfältig sind Angebote an Lebenssinn. Da geht es nicht nur um evangelisch oder katholisch, christlich oder muslimisch.

Der Markt der religiösen Möglichkeiten bietet alles, was das Herz begehrt: Von indischen Gurus über buddhistische Meditation bis hin zu militantem Atheismus ist alles dabei. Bachblüten-Therapie, Tai-Chi und Feng-Shui stehen auf dem Programm jeder besseren Volkshochschule. Gerne melden wir uns mal bei einem Yoga-Kurs an, lesen etwas vom Dalai Lama oder stellen uns einen Schutzengel ins Wohnzimmer. Das passt schon alles – irgendwie.

Einige genießen die Freiheit, auch religiös nach Belieben shoppen zu können. Andere finden sich nicht mehr zurecht und klagen über eine religiöse Beliebigkeit. Manchen ist das schlicht egal. Sie haben ihren Gott gefunden: Im runden Ball, auf vier Rädern, mit dem Blick nach Mekka oder am Kreuz. Schwierig wird’s, wenn nur einer rechthaben darf.

Wer meint, das sei ein Phänomen der modernen Welt, liegt falsch. Auch die ersten christlichen Gemeinden waren nur ein kleiner, bunter Haufen in dem großen religiösen Mix der Antike. Der EINE Gott war einer unter vielen. Wer da auffallen wollte, musste sich schon was Besonderes einfallen lassen. In seiner Apostelgeschichte erzählt der Evangelist Lukas, wie der Apostel Paulus dies auf dem Marktplatz von Athen versucht – mitten im Zentrum, der Fußgängerzone sozusagen.

Athen war damals die kulturelle Hauptstadt Europas, Schmelztiegel der Ideen. Namen wie Sokrates, Plato, Aristoteles, Homer sind mit dieser Stadt verbunden. Hier drängten sich die Menschen, hier war etwas los – auch geistig, kulturell und religiös. Alles was der Zeitgeist hergab, war hier vertreten. Und damit auch ja niemand vergessen wird, gab‘s sogar Altäre für die „unbekannten Götter“. Das ist für Paulus der Anknüpfungspunkt, vom Evangelium von Jesus und von der Auferstehung zu reden.

Seht, Gott ist schon hier, sagt Paulus. „In ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ Seine gute Nachricht: Keinem von uns ist dieser unbekannte Gott fern.

Damals die gleichen Reaktionen wie heute: Einige sind begeistert, manche spotten, andere gehen achtlos vorüber. Was ich von Paulus lerne: Ausschau zu halten, nach dem „Altar für den unbekannten Gott“. Anknüpfungspunkte zu suchen im Leben der Menschen um mich herum.

Wie ist Kirche hautnah bei den Menschen, Jesus auf der Straße, in den Büros, Fabriken und Einkaufszentren, Krankenhäusern und Kindergärten? Offen, freundlich, einladend? Was wir dabei anzubieten haben, ist keine Wohlfühl-Religion, bei der nur Jugend, Schönheit, Macht und Geld zählen. Das Evangelium von Jesus ist keine Anleitung zur Selbstoptimierung.

„In Gott leben und weben und sind wir“, sagt Paulus. Gott umgreift uns ganz, mit Leib und Seele, Gefühl und Verstand. „Ganzheitlich“ nennen wir das heute. Das Evangelium von Jesus und seiner Auferstehung blendet auch Scheitern, Schwäche, Krankheit, selbst den Tod nicht aus. Gott ist auch nah, wenn es in mir dunkel wird. Selbst der Tod hat seine letzte Macht verloren. Niemand kann tiefer fallen als in Gottes Hand.

Diese Erfahrung des Glaubens will ich anbieten auf dem Markt der religiösen Möglichkeiten. Ich brauche mich dabei nicht zu verstecken. „Keinem von uns ist Gott fern“, diese Erfahrung will nicht nur sonntags gepredigt, sondern mitten im Alltag gelebt werden. Gott passiert, wenn ich mich öffne, auf andere zugehe, wir miteinander Glück teilen und Kummer gemeinsam tragen.

Dabei kann auch mal Yoga helfen, oder schlicht mal die kranke Nachbarin fragen, ob ich ihr was aus dem Supermarkt mitbringen kann – das was sie zum Leben braucht und ein Joghurt vielleicht.

Bild: Veit Kern, pixelio.de

Und bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Frei und unabhängig möchten wir sein.
frei von Ängsten und Zwängen,
von allem, was uns zu Boden drückt,
was unsere Freude lähmt,
und die guten Einfälle unserer Liebe erstickt.

Von Jesus geht eine befreiende Kraft aus.
Wir suchen sie für uns selbst
und im Zusammenleben mit anderen
und freuen uns, wenn wir sie finden.
Dann begreifen wir: Keinem von uns ist Gott fern.

Amen.

Hirtensonntag

16. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

Schafe sind unglaublich hilfsbedürftige, wehrlose Tiere. Wie erstaunlich, dass Gott ausgerechnet das „Schafsprinzip“ wählt, um mit uns als Schaf-Jesu-Leuten sein Reich zu bauen.

„Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe“, so Jesus zu seinen Jüngern in Lukas 10,3. Und dann weiter: „Tragt keinen Geldbeutel bei euch, keine Tasche und keine Schuhe, und grüßt niemanden unterwegs.“

Ganz schön unfreundlich, diese Schafe, die da im Namen von Jesus unterwegs sind, oder? Jesus, meinst du das ernst? – Kein „Hi, Hallo, Tag, Guude, Salut, Grüß Gott“ oder ähnliches?

Nun, in der orientalischen Kultur „jemanden zu grüßen“, besteht aus mehr Worten als nur einer abgehackten Kurzformel wie bei uns: „Guude“ für „Ich wünsche dir einen guten Tag“ oder „Grüß Gott“ für „Gegrüßt seist Du bei dem lebendigen Gott“. In der afrikanischen Kultur etwa jemanden höflich zu grüßen, bedeutet zu fragen: „Wie geht es dir?“ Und dann auch weiter zu fragen: „Und wie geht es deinen Eltern?“ – „Und Deinen Großeltern?“ – „Wie geht es deinen Geschwistern?“ – „Und Deiner Tante?“ – „Und Deinem Onkel?“ Jemanden zu grüßen kann also gut gerne schon einmal 1-2 Stunden Zeit in Anspruch nehmen.

Wenn Jesus seinen Jüngern aufträgt, während ihres Auftrags niemanden zu grüßen, dann meint er damit: Verzettelt euch nicht! Vertut die Zeit nicht mit Plauderei, sondern nutzt die Zeit, um das zu sagen, was wirklich wesentlich ist. Eure Botschaft lautet: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!“

Unter den Schafen sind die Lämmer ein besonders gefundener Leckerbissen für Wölfe. Hilfloser geht es nicht, als wenn Jesus seine Leute wie Lämmer unter die Wölfe schickt. Gibt es irgendeine Strategie?

Die Ausrüstung ist es wohl nicht. Wie geschorene Lämmer ziehen die Schaf-Jesu-Leute los. Ein Wollkleid schützt sie nicht. Mit einem Stock zur Verteidigung können sie nicht umgehen. Taschen für Geld haben sie nicht. Jesus macht seinen Jüngern klar: Euer Auftrag hängt nicht von eurem Finanzstatus ab. Nicht von eurer Vorsorge und nicht von euren Fähigkeiten. Euer Auftrag hängt einzig und allein von eurer Verbindung zum Hirten ab: nach dem Hirten zu schreien wie Lämmer und auf die Stimme des Hirten zu hören und dann loszugehen und sein Wort auszurichten – das ist euer Auftrag.

So nackt und mittellos Schaf-Jesu-Leute auch sind, sie bringen doch das Größte mit sich: Gottes lebendiges Wort zum Segen oder zum Gericht. Die Botschaft bleibt immer dieselbe. Sie lautet: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.“ Diese Botschaft wird nicht verändert oder angepasst. Ihr Inhalt steht nicht in Frage; er wird eintreffen, ob die Botschaft nun Hörerinnen und Hörer findet oder nicht.

„Dein Reich komme, dein Wille geschehe“, beten wir auch im Vaterunser. Die Frage ist nicht, so Martin Luther, ob das Reich Gottes tatsächlich kommt oder nicht. Das Reich Gottes kommt auf jeden Fall – auch ohne unser Gebet. Aber indem wir beten, bitten wir Gott, dass sein Reich auch zu uns kommen möge. Dass sein Wille auch in unserem Leben Raum nehmen möge.

Der Evangelist Lukas berichtet von der großen Euphorie, mit der die Jünger aus ihrem Dienst zurückkommen und schier übersprudeln: „Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen.“ Wie hilflose Schafe waren sie in ihre Aufgabe losgezogen, und nun diese Erfahrung: In der Kraft ihres Hirten konnten sie sogar Dämonen austreiben und sichtbare Zeichen tun. Was für eine Freude!

Jesus bestätigt, was die Jünger ihm erzählen. Und doch, so Jesus, gibt es noch eine größere Freude: Nicht, dass wir erleben, wie Gott durch uns wirkt, sondern, dass wir erleben, wie Gott an uns wirkt! Wie er uns in Jesus zu Schaf-Jesu-Leuten macht. Zu Lämmern seiner Herde, zu seinen geliebten Kindern. Uns einzeichnet in seine Hände, unsere Namen in sein Buch des Lebens schreibt. „Freut euch nicht“, sagt Jesus, „dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“. Was für eine Freude!

Zuallererst sind wir immer selbst Gerettete! Und dann Leute, die auf den Retter hinweisen. Das macht bescheiden – und sehr glücklich!
Amen

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Eines wünsch ich mir vor allem andern,
eine Stärkung früh und spät,
um getrost durchs finstre Tal zu wandern,
dass dies eine mit uns geht:
unbeirrt auf jenen Mann zu schauen,
der mit Zittern und mit Todesgrauen
auf sein Antlitz niedersank
und den Kelch des Vaters trank.
Ja, mein Jesus, lass mich nie vergessen
meine Schuld und deine Huld.
Als ich in der Finsternis gesessen,
trugest du mit mir Geduld.
Wie ein Hirt nach seinem Schaf schon trachtet,
längst bevor es seinen Ruf beachtet,
hast du schon vor meiner Zeit
mir den Weg zu Gott befreit.
Ich bin dein, sprich du darauf ein Amen,
treuer Jesus, du bist mein.
Schreibe deinen lieben Jesusnamen
bleibend in mein Herz hinein.
Mit dir alles tun und alles lassen,
deine Hand im Tod und Leben fassen,
das sei meines Glaubens Grund,
dein Vermächtnis, unser Bund.

(Gebet nach Lied: Eines wünsch ich mir vor allem andern; Text: nach Albert Knapp 1829 Detlev Block 1991)

Gedanken zum Sonntag

10. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Am Karfreitag waren mit Jesus all ihre Hoffnungen ans Kreuz genagelt worden. In der tiefsten Krise ihres Lebens kehren die Jünger Jesu zurück an den See Genezareth. Sie tun das, was Menschen oft Halt in schlimmen Zeiten gibt: Sie arbeiten. Sie tun, was sie gelernt haben, sie werfen die Netze aus und wollen fischen. Aber vergebens, die Netze bleiben leer. Wieder erleben sie das Scheitern.

Plötzlich steht da ein Fremder am Ufer. „Werft eure Netze noch einmal aus; und zwar auf der rechten Seite!“, ruft er ihnen zu. Wie verrückt ist das denn? Jedes Kind weiß doch, dass man am Tag keine Fische fängt. Doch in der tiefsten Not klammert man sich an jeden Strohhalm. Noch fahren sie hinaus auf den See. Und sie haben Erfolg, die Netze sind voll. 153 Fische zählt der Evangelist. (Johannes 21,1-14).

Genau diesen Moment hat Hilde Ferber in ihrem letzten Bild des Osterzyklus in den Glasfenstern unserer Kirche festgehalten. Das Boot legt ans Ufer an. Während zwei der Fischer den Fang sichern, steht der rechte einfach nur da. Er scheint die Hände gefaltet zu haben. Betet er, oder ist er einfach nur starr vor Schreck? Der linke der Vier, es ist Petrus, springt aus dem Boot, auf den Fremden zu. Er ist der einzige, bei dem ich Gefühle spüren kann. Typisch für Hilde Ferber, die Personen auf ihren Bildern wirken oft ernst, die Mundwinkel nach unten, in sich verschlossen – wie hier, den Blick oft nach unten oder die Augen verschlossen.

Drei verschiedene Reaktionen auf diese Begegnung, die noch einmal, schon wieder, ihr Leben verändert. Der eine steht wie angewurzelt da, weiß nicht, wie es vor und zurück geht. Bloß nicht bewegen, weil die Angst da ist, ins Bodenlose zu fallen, zu ertrinken im Meer der Angst. Die beiden anderen konzentrieren sich auf das, was den Alltag ausmacht. Aus Angst zu kentern, halten sie geschäftig an dem fest, was sie gelernt haben. Gut, dass es etwas zu tun gibt, womit sie ihr Lebensboot in der Balance halten können.

Doch einer springt auf, als er das Neue erkennt. Petrus blickt nach oben, mit weit offenen Augen. Staunend? Flehend? Die Hände sind schon offen, wollen begreifen, was er sieht. Doch er wagt es nicht, den Fremden zu berühren. Trotz der offenen Hände bleiben die Arme angewinkelt, an den Körper gepresst. Der Schritt heraus aus der relativen Sicherheit eines schwankenden Lebensboots geschieht nicht mit ausgelassener Begeisterung, nicht mit fröhlicher Zuversicht, sondern immer noch mit Unsicherheit und Angst.

Trotzdem ist es genau diese Erfahrung, die der Glaube immer neu machen kann: Am Ufer meines Sees, am Ufer meiner tiefen Enttäuschung, Verletzung und Trauer, trifft mich ein Fremder. In größter Seelennot begegnet mir ein Mensch und reißt mich heraus. Ich wage etwas völlig verrücktes und spüre eine neue Lebensenergie in mir. Mir gelingt ein „schöpferischer Sprung“, wie es die Schweizer Psychologin Verena Kast es einmal genannt hat, ein Vorschein von Auferstehung.

Ja, der Auferstandene begegnet den Jüngern am See Tiberias. Den vier Jüngern gegenüber steht Jesus, zu seinen Füßen Brot und Fische. Jesus sorgt für ein volles Netz, aber er ist nicht auf ihren Fang angewiesen. Das Frühstück nach durchwachter Nacht ist schon vorbereitet. Jesus braucht unsere Erfolge nicht, um uns zu sättigen. Er lädt die Jünger ein zu Fisch und Brot: „Kommt her und esst!“. Wir können seinen Weg mitgehen. Er gibt uns Würde dabei zu sein, in seinen Auftrag hineinzuwachsen.

Am Ende sind es vielleicht gerade diese Begegnungen, die uns Kraft und Hoffnung geben: Keine Ahnung, wer vor uns steht, aber wir spüren, dass Gott nah ist. Die wesentlichen Augenblicke unseres Lebens sind oft ein Geschenk, ein Geschenk vom Himmel her, weil es Augenblicke sind, die in uns etwas aufbrechen. Wir dürfen etwas von dem spüren, was Himmel und Erde verbindet.

Am Ende sind die Jünger mit ihrem Leben versöhnt. Ja, das Leben geht weiter. „Es muss gearbeitet und gegessen werden. Enttäuschungen, Zweifel und auch Verzweiflung werden nicht aufhören, aber durch die Auferstehung werden sie überwunden und in das Licht der Liebe Gottes gerückt.“ (Christoph C. Noack).

153 Fische zählen die Jünger bei ihrem Fang. Eine merkwürdige Zahl. Vielleicht ein Hinweis auf die damals bekannte Zahl von Fischarten. Ein Zeichen dafür, dass die ganze Schöpfung umfasst ist. Niemand kann aus ihr herausfallen. Damit bekommt auch das Tun der beiden Jünger in der Mitte noch einmal eine neue Perspektive. Das himmlische Blau ihrer Gewänder bekommt einen neuen Sinn: Sie stehen dafür, dass niemand aus Gottes Hand fallen kann. Arbeiten und Beten, beides ist nicht vergeblich.

Gut, wenn wir uns immer wieder bewusst machen, wie wendungsreich und zwiespältig dieser Weg verlaufen kann. Glaube ist keine Wundermedizin, die uns unverwundbar macht. Glaube ist das immer neue Ringen um Orientierung und Vertrauen in das Leben. Selbst wenn mein Lebensboot zu kentern droht, ist einer da, der trotzdem Halt gibt.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Frei von Angst und Zweifel
möchten wir glauben und leben können.
Doch stoßen wir schnell an die Grenzen unseres Vertrauens.
Manchmal bleiben uns nur unsere Tränen.
Doch auch die können wir zu dir bringen, Gott.
Und mitten in dem Leid geschieht das Unmögliche.
Gott, du gibst uns neue Hoffnung, wo wir Trauer tragen,
unverhofftes Vertrauen, wo wir noch ängstlich sind.
Mit Jesus lässt du uns auferstehen.
Wir danken dir durch ihn, der unser Leben ist.
Amen.

Warum feiern wir Ostern?

3. April 2021 by ekro Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienst, Gottesdienste, Veranstaltungen

Andacht zu Ostern 2021 von Pfarrer Dr. Michael Ebersohn mit Rike Alpermann-Wolf an der Orgel und den Kirchensänger*innen Angelika Bez, Steffi Landau, Stefan Ohnsorge und Jörg Rohde

»Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden, Halleluja!«

Das ist der Jubelruf des Osterfestes, der Jubelruf, der die Auferstehung Jesu Christi, den Sieg des Lebens über den Tod feiert.

Damit begrüße ich Sie herzlich, liebe Hörerinnen und Hörer, liebe Leserinnen und Leser. Wir wollen uns gemeinsam ein wenig besinnen und nachdenken über das Geschehen vom Ostermorgen, damals in Jerusalem, drei Tage, nachdem Jesus Christus gekreuzigt worden war.

Wir wollen alle fröhlich sein
Evangelisches Gesangbuch Nr. 100

  1. Wir wollen alle fröhlich sein / in dieser österlichen Zeit; / denn unser Heil hat Gott bereit’. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus,Marien Sohn.
  2. Es ist erstanden Jesus Christ, / der an dem Kreuz gestorben ist, / dem sei Lob, Ehr zu aller Frist. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.
  3. Er hat zerstört der Höllen Pfort, / die Seinen all herausgeführt / und uns erlöst vom ewgen Tod. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.
  4. Es singt der ganze Erdenkreis / dem Gottessohne Lob und Preis, / der uns erkauft das Paradeis. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.
  5. Des freu sich alle Christenheit / und lobe die Dreifaltigkeit / von nun an bis in Ewigkeit. / Halleluja, Halleluja, Halleluja, Halleluja, / gelobt sei Christus, Marien Sohn.

Worte aus dem 118. Psalm:

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich;
                und seine Güte wäret ewiglich.
Der Herr ist meine Macht und mein Psalm
                und ist mein Heil.
Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:
                Die Rechte des Herrn behält den Sieg!
Die Rechte des Herrn ist erhöht;
                die Rechte des Herrn behält den Sieg!
Ich werde nicht sterben, sondern leben
                und des Herrn Werke verkündigen.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
                ist zum Eckstein geworden.
Das ist vom Herrn geschehen
                und ist ein Wunder vor unseren Augen.
Dies ist der Tag, den der Herr macht;
                lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Halleluja!

Die Ostergeschichte

Die Ostergeschichte, so wie der Evangelist Johannes sie uns überliefert hat, berichtet Folgendes (Johannes 20,1-18):

1Am Tag nach dem Sabbat kam Maria aus Magdala in aller Frühe zum Grab, als es noch dunkel war. Sie sah, dass der Stein vom Eingang des Grabes entfernt war. 2Da lief sie zu Simon Petrus und zu dem Jünger, den Jesus besonders lieb hatte, und berichtete ihnen: »Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben!«

3Petrus und der andere Jünger machten sich auf den Weg zum Grab. 4Sie liefen miteinander los, aber der andere Jünger lief schneller als Petrus und war als Erster am Grab. 5Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, aber er ging nicht hinein. 6Als Simon Petrus nachkam, ging er sofort in die Grabkammer. Er sah die Leinenbinden  7und das Tuch, mit dem sie Jesus das Gesicht bedeckt hatten. Dieses Tuch lag nicht bei den Binden, sondern war getrennt davon zusammengelegt. 8Nun ging auch der andere Jünger hinein, der zuerst am Grab angekommen war. Er sah alles und kam zum Glauben. 9Denn sie hatten die Heiligen Schriften noch nicht verstanden, in denen doch steht, dass Jesus vom Tod auferstehen muss. 10Danach gingen die beiden Jünger nach Hause zurück.

11Maria stand noch draußen vor dem Grab und weinte. Dabei beugte sie sich vor und schaute hinein. 12Da sah sie zwei weiß gekleidete Engel. Sie saßen an der Stelle, wo Jesus gelegen hatte, einer am Kopfende und einer am Fußende.

13»Frau, warum weinst du?«, fragten die Engel.

Maria antwortete: »Sie haben meinen Herrn fortgetragen und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben!«

14Als sie sich umdrehte, sah sie Jesus dastehen. Aber sie wusste nicht, dass es Jesus war. 15Er fragte sie: »Frau, warum weinst du? Wen suchst du?«

Sie dachte, er sei der Gärtner, und sagte zu ihm: »Herr, wenn du ihn fort­genom­men hast, dann sag mir, wo du ihn hingelegt hast. Ich will hingehen und ihn holen.«

16»Maria!«, sagte Jesus zu ihr.

Sie wandte sich ihm zu und sagte: »Rabbuni!« Das ist Hebräisch und heißt: Mein Lehrer!

17Jesus sagte zu ihr: »Halte mich nicht fest! Ich bin noch nicht zum Vater zurückgekehrt. Aber geh zu meinen Brüdern und sag ihnen von mir: ›Ich kehre zurück zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.‹«

18Maria aus Magdala ging zu den Jüngern und verkündete: »Ich habe den Herrn gesehen!« Und sie richtete ihnen aus, was er ihr aufgetragen hatte.

Gelobt sei Gott im höchsten Thron
Evangelisches Gesangbuch Nr. 103

  1. Gelobt sei Gott im höchsten Thron / samt seinem eingebornen Sohn, / der für uns hat genug getan. / Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  2. Des Morgens früh am dritten Tag, / da noch der Stein am Grabe lag, erstand er frei ohn alle Klag. / Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  3. Der Engel sprach: »Nun fürcht’ euch nicht; / denn ich weiß wohl, was euch gebricht. / Ihr sucht Jesus, den find’t ihr nicht.« / Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  4. »Er ist erstanden von dem Tod, / hat überwunden alle Not; / kommt, seht, wo er gelegen hat.« / Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  5. Nun bitten wir dich, Jesu Christ, / weil du vom Tod erstanden bist, / verleihe, was uns selig ist. / Halleluja, Halleluja, Halleluja.
  6. O mache unser Herz bereit, / damit von Sünden wir befreit / dir mögen singen allezeit: / Halleluja, Halleluja, Halleluja.

Predigt

Liebe Gemeinde!

das ist die Ostergeschichte, die eigentliche. Eier kommen darin nicht vor, und Hasen schon gar nicht. Aber neues Leben kommt darin vor, neues Leben, das Gott seinem Sohn Jesus gegeben hat, und das er damit auch uns versprochen hat. Das ist sicher nicht ganz einfach zu verstehen. Das braucht Erklärungen.

Diese Erzählung ist eine geradezu verrückte Geschichte. Grabräuber scheinen unterwegs gewesen zu sein, ein regelrechter Wettlauf zum Friedhof findet statt, und es gibt eine Art Entdeckungsreise in fünf Stationen. Maria aus Magdala, die Frau, die Jesus lange Zeit folgte, wird Stück für Stück zu der Erkenntnis geführt, dass ihr Herr, den sie suchte, doch nicht verschwunden ist, sondern lebt.

Maria geht also frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab. Wegen des Sabbats war Jesu Leichnam schnell vom Kreuz abgenommen worden, damit der Feiertag nicht entwürdigt wird. Freunde hatten ihn vom römischen Statthalter Pilatus zur Bestattung ausgehändigt bekommen. Sie hatten ihn nicht verscharrt, wie das bei Hingerichteten normalerweise üblich war, sondern ehrenvoll in einem neuen Grab beigesetzt. Dort hätte man ihn verehren können. Vielleicht hätte auch ein reicher Gönner ein Mausoleum bauen lassen. Doch es kam anders.

Als Maria nun zum Grab kommt, macht sie die erste Entdeckung: Der Stein ist weg! Wie war das möglich, bei dem Gewicht? Hals über Kopf rennt sie weg und meldet es den Jüngern, von denen sie eine Erklärung erhofft. Der von ihnen so würdig beigesetzte Leichnam scheint geraubt worden zu sein. Nicht einmal die Ruhe des Toten wird respektiert!

Daraufhin laufen Petrus und der andere Jünger, den Jesus liebte, wie es heißt, um die Wette zum Grab. Wie die kleinen Jungen will jeder als erster sehen, was passiert ist und ob Maria Recht hat. Der andere aber ist schneller als Petrus, beugt sich in das Grab hinunter und sieht die Leinenbinden liegen. Als dann Petrus eingetroffen war, gehen beide hinein und sehen noch mehr: Leinenbinden ja, aber auch ein säuberlich zusammengefaltetes Schweißtuch, mit dem der Kopf des Toten eingehüllt worden war. Eine Leiche finden sie aber nirgends! Was war geschehen? Offenbar lag Maria mit ihrer Befürchtung richtig. Jesu Leichnam ist gestohlen. Wer tut so etwas? Außerdem: Welcher Grabräuber faltet ein Schweißtuch fein säuberlich zusammen? Höchst seltsam. Die Jünger verstehen das nicht und ziehen in Gedanken versunken von dannen. Diese zweite Entdeckung, dass das Grab leer ist, war zu viel für ihr schwaches Gemüt.

Maria steht vorerst noch draußen und weint. Doch dann wagt auch sie einen vorsichtigen Blick – und sieht etwas, was die Jünger noch nicht sahen. Zwei Engel in weißen Gewändern beleuchten den leeren Platz, wo einmal der Tote gelegen hatte. Die dritte Entdeckung an diesem noch jungen Morgen. Die Engel fragen sie, warum sie weint. Sie erkennen, dass es schlimm um sie steht. Maria hat nicht nur ihren Herrn Jesus verloren, der am Kreuz gestorben ist, jetzt ist auch noch sein Leichnam fort.

Danach dreht sie sich um und sieht plötzlich einen Mann vor sich stehen – Entdeckung Nummer vier –, den sie für den Friedhofsgärtner hält. Vielleicht weiß er ja, wo die Leiche geblieben ist. Aber wo kommt er so plötzlich her, das Grab war eben doch noch leer gewesen? Dieser Mann fragt sie ebenso wie die Engel vorher, warum sie weint. Und er fragt, wen sie sucht. Ja, wen sucht Maria überhaupt? Sie sucht den verehrten Toten, dem sie ein bleibendes Andenken schenken möchte. Sie braucht einen Anhalt, eine Reliquie, um ihre Klage und ihre Erinnerung pflegen zu können. Die Erinnerung allein scheint ihr nicht zu genügen. Sie will den Leichnam zurück.

Sie merkt zuerst gar nicht, dass er schon längst vor ihr steht. Dieser vermeintliche Friedhofsgärtner ist kein anderer als Jesus selbst! Jesus hat sie schon längst gefunden, nicht umgekehrt. So war es ja auch schon zu seinen Lebzeiten. Nicht die Leute haben Jesus gesucht, er hat sie gefunden. Er ist zu ihnen gegangen und hat ihnen das Reich Gottes gepredigt, sein Reich, seine Art zu leben. Als Jesus nun Maria mit Namen anredet, fällt es ihr wie Schuppen von den Augen: Es ist Jesus. Wer sonst hätte ihren Namen kennen können? Wahrscheinlich war sie so perplex über diese fünfte und größte Entdeckung, dass sie nur »Rabbuni« stammeln konnte, ›Mein Lehrer!‹. So hatte sie Jesus Zeit seines Lebens angeredet, weil sie in ihm ihren Herrn und Meister gesehen hatte. Aber was da jetzt geschehen ist … Und dann noch dieser Satz, den sie den Jüngern weitersagen soll: »Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott.« Der Tote lebt, aber er geht weiter, hinauf in den Himmel. Ein bisschen viel auf nüchternen Magen! Was war nur geschehen, dass es so rasch zu so radikalen Veränderungen gekommen ist?

Was ist geschehen in diesem Grab vor den Mauern Jerusalems? Das fragen auch wir uns immer wieder, wenn wir über Ostern nachdenken. Was ist damals geschehen? Was ist überhaupt Ostern? Wie kann ein Mensch, der doch vor aller Augen und auf die schrecklichste Weise gemartert wurde und zu Tode gekommen ist, wieder leben? Die Leute damals, von Maria angefangen, haben das genauso wenig verstanden wie wir. Auch sie haben an den Berichten gezweifelt, die vom leeren Grab erzählten und davon, dass Jesus den Jüngern erschien.

Es wird wohl eine ganze Weile gedauert haben, bis sie merkten, dass diese Berichte keine Wahrheit im landläufigen Sinne sind. Es ist kein Tatsachenbericht, den man mit Vernunft und mit wissenschaftlichen Methoden beweisen könnte. Die Auferstehung Jesus Christi, die in dieser Nacht geschah, ist eine Wahrheit, die immer wieder neu entdeckt werden will. Sie ist eine Wahrheit des Glaubens. Sie erweist sich dann als wahr, wenn Menschen die Überraschung der Maria nacherleben, wenn sie nachfühlen können, warum Maria so sehr ergriffen wurde. Sie hat auch nicht haarklein erklären können, was da geschah, warum und vor allem wie Jesus von den Toten zurückgekommen ist. Aber sie hat erzählen können, dass es geschah. Und das hat sie verändert, hat ihr eine so tiefe Hoffnung gegeben, weil sie gespürt hat, dass der Tod nicht das letzte Wort ist, das gesprochen wird. Das letzte Wort hat Jesus, der Auferstandene. Das letzte Wort hat das Leben.

So geht es auch uns. Wer beweisen will, dass die Auferstehung wirklich so geschehen ist – oder wer das genaue Gegenteil beweisen will –, der hat nicht verstanden, worum es geht. Es geht um eine Wahrheit, die all unser menschliches Denken übersteigt. Wenn wir Menschen an den Tod denken und in ihm die Zerstörung schlechthin sehen, dann können wir aus dieser Trauer und Hoffnungslosigkeit keinen Ausweg sehen. Wenn wir aber annehmen, dass es eine höhere, eine göttliche Wahrheit gibt, in der so etwas möglich ist, dann haben wir etwas, worauf wir hoffen können und was uns die Leichtigkeit des Lebens zurückbringen kann. Wir können das, wenn wir uns von Maria mitreißen lassen.

Denn dass Jesus lebt und wir mit ihm, dass der Tod den Schrecken verliert und Zuversicht unser Leben begleiten kann – das verdanken wir weniger einem einmaligen Ereignis am Ostermorgen in Jerusalem. Den Glauben an die Auferstehung verdanken wir vielmehr den Menschen, die dem Ereignis schon längst vertraut haben und die wie Maria fähig geworden sind, ihre Entdeckung und ihre große Freude weiterzusagen. Und darum geht es an Ostern: Von der Auferstehung zu erzählen, davon, dass es auch in auswegloser Situation eine Hoffnung gibt, davon, dass das Leben gewinnt.

Amen.

Einer ist unser Leben
Evangelisches Gesangbuch Nr. 552 – Link zum Liedtext

Gebet

Jesus Christus,
Du bist unser Licht.
Du bist unsere Hoffnung, die Auferstehung der Menschen.

Du bist gekommen in unser Leben.
Daran wollen wir denken, wenn wir uns freuen und wenn uns zum Weinen ist.
Im Vertrauen auf dich können wir leben, werden gelöst und frei – und beten:

für unsere Freunde und unsere Familien;
für die, mit denen wir gerne zusammen sind,
und die, die uns das Leben schwer machen.

Wir beten für alle, die darunter leiden,
dass sie gehemmt oder unbeholfen sind.

Wir beten für die Kranken, für die Traurigen und die Trauernden. 
Wir möchten ihnen begegnen wie Jesus:
sie verstehen, in Schutz nehmen, ihnen Mut machen.

Gott, dein Geist ist in uns: das Licht der Welt.
Es erleuchtet unser Leben und unser Hoffen.
Dafür danken wir dir.

All das, was uns ganz persönlich am Herzen liegt, nehmen wir hinein in dein Gebet:

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name. 
Dein Reich komme. 
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.

Amen.

Es segne und behüte uns der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Amen.

Warum?

2. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

In wohl kaum einem Jahr zuvor waren in den Tagesnachrichten so viele Kreuze zu sehen wie in den vergangenen Monaten. Kreuze als Zeichen des massenhaften Sterbens in Manaus. Kreuze auf den Friedhöfen von Italien. Auch auf unseren Friedhöfen hier im Kirchenkreis haben wir einen neuen Blick für die Holzkreuze bekommen, die in den vergangenen 12 Monaten hinzugekommen sind. Sie alle erzählen Geschichten.

Geschichten von Abschied, Trauer und Endgültigkeit. Und immer wieder auch Geschichten eines einsamen Sterbewegs. Eines Abschieds, der nicht stattfinden konnte. Eines Todes, den wir uns so gegenseitig nicht wünschen würden. Und wortlos erklingt bei so manchem Trauergespräch die Klage: „Mein Gott, mein Gott, WARUM?“

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15,34) und „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30) und „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“? (Lukas 23,46). Drei unterschiedliche Worte von Jesus am Kreuz werden uns von den Evangelisten überliefert. Auch diese Worte erzählen Geschichten.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Markus 15,34). Am Kreuz hängt der Mensch Jesus, dieser inzwischen ungefähr 30jährige junge Mann. Blut und Wasser schwitzt er vor Angst zwischen den Ölbäumen im Garten Gethsemane, als ihm klar wird, was für ein leidvolles Ende sein irdisches Leben nehmen wird.

„Mich dürstet“, klagt Jesus am Kreuz. „Mich dürstet“, nicht nur nach Wasser, sondern auch nach Liebe und menschlicher Nähe. „Mich dürstet“ nach Geborgenheit in Gott und nach seiner Hilfe. In der Stunde seines Todes fühlte Jesus sich von Menschen und von Gott verlassen, verraten und verkauft.

Es sind die Gefühle unserer finstersten Stunden im Leben, die Jesus hier am eigenen Leib erleidet. In tiefere Verlassenheit können auch wir nicht fallen – in keiner Stunde unseres Lebens.

„Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30), überliefert der Evangelist Johannes als Kreuzeswort. Diese Worte unterscheiden die finsterste Stunde im Leben von Jesus von den finstersten Stunden unseres Lebens. „Es ist vollbracht!“ – das konnte nur Jesus sagen, der Erlöser, der selbst Gott ist. Nur SEIN Tod entmachtet unseren Tod. Nur SEIN Leiden nimmt unserem Leiden die Ewigkeit. Nur SEIN Sterben besiegt unsere Schuld. „Es ist vollbracht!“, das bedeutet: In JESU Tod stirbt unser Tod, stirbt unser Leiden – und alles, was uns voneinander und von Gott trennt. Das Beziehungsende hat ein Ende.

„Es ist vollbracht“, das bedeutet: Neue Gemeinschaft keimt auf. Über Generationen, Nationen und Konfessionen hinweg. Es entsteht die Gemeinschaft derer, die auch als Zagende und Zweifelnde, als Durstende und Leidende, als vom Tod Erschreckte und von Schuld Gedrückte immer wieder neu mit ihrem Erlöser zusammen in die Worte einstimmen: „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“ (Lukas 23,46). Wo das geschieht, da ist Ostern ganz nahe…

Ein gesegnetes Auferstehungsfest wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

In einer fernen Zeit
gehst Du nach Golgatha,
erduldest Einsamkeit,
sagst selbst zum Sterben ja.

Du weißt, was Leiden ist.
Du weißt, was Schmerzen sind,
der Du mein Bruder bist,
ein Mensch und Gottes Kind.

Verlassen ganz und gar
von Menschen und von Gott.
Bringst Du Dein Leben dar
und stirbst den Kreuzestod.

Stirbst draußen vor dem Tor,
stirbst mitten in der Welt.
Im Leiden lebst Du vor,
was wirklich trägt und hält.

Erstehe neu in mir.
Erstehe jeden Tag.
Erhalte mich bei Dir,
was immer kommen mag.

Amen.

(Gebet nach EGplus Nr. 11 „In einer fernen Zeit)

#backstage – digitaler Gottesdienst an Karfreitag

1. April 2021 by ekro Posted in: Aktuelles, Gottesdienst, Gottesdienste, Jugend, Konfis, Veranstaltungen

#backstage: Unter diesem Titel laden wir Sie herzlich ein, gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen des Passionsgeschehens zu werfen. Was ging wohl in den Köpfen derer vor, die alles miterlebt haben? Und welche Gedanken gehen uns durch den Kopf, wenn wir hören, was damals geschah? Der Gottesdienst wird von unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden mitgestaltet.

Damit alle, die möchten, an diesem Gottesdienst teilnehmen können, feiern wir ihn über ZoomAb 9:40 Uhr ist es möglich, sich einzuloggen. Der Gottesdienst selbst beginnt um 10 Uhr. Sie können via SmartphoneNotebookTablet oder Computer teilnehmen. Bei den erstgenannten Geräten sind ein Mikrophon und eine Kamera serienmäßig integriert. Bei einer Teilnahme per Computer kann es notwendig sein, ein zusätzliches Mikrophon und eine Kamera anzuschließen. Möglicherweise werden Sie während des Login-Vorgangs aufgefordert, sich vorab die Zoom-App herunterzuladen, das sollten Sie dann tun. Der Gottesdienst selbst läuft über eine für uns kostenpflichtige Lizenz und ist damit datengeschützt.Wir freuen uns auf den gemeinsamen Gottesdienst!

Hier erhalten Sie die Zugangsdaten:

Zoom-Meeting beitreten

https://zoom.us/j/93210550402?pwd=dlFsMmMrY0ExSHdnMEpwTXAyOWY1QT09

Meeting-ID: 932 1055 0402

Kenncode: WKCwz3

Schnelleinwahl mobil

+496950502596,,93210550402#,,,,*516653#Deutschland

+496971049922,,93210550402#,,,,*516653#Deutschland

Einwahl nach aktuellem Standor

+49 695 050 2596 Deutschland

        +49 69 7104 9922 Deutschland

        +49 30 5679 5800 Deutschland

        +49 69 3807 9883 Deutschland

Meeting-ID: 932 1055 0402

Kenncode: 516653

Ostern 2021: Keine Andachten in der Kirche – trotzdem miteinander feiern

31. März 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Es war in der vergangenen Woche ein Hin- und Her der Politik, das viele von uns frustriert und verärgert hat. Doch wir müssen uns darauf einstellen, dass wir uns nun am Beginn der dritten Pandemie-Welle befinden. Unsere Landeskirche hat daher dringend empfohlen, bei einer 7-Tage-Inzidienz vom mehr als 200 Infektionen pro 100.000 Einwohner auf Gottesdienste und Andachten in den Kirchen zu verzichten. Es ist damit zu rechnen, dass wir diesen Wert an Ostern überschreiten werden. Deshalb feiern wir von Gründonnerstag an bis wahrscheinlich mindestens 18. April keine Andachten in der Kirche. Stattdessen laden wir zu folgenden Angeboten ein:

Gründonnerstag, 1. April –
„Die Fußwaschung“ – Eine „Bildpredigt to go“

Am letzten Abend seines Lebens wäscht Jesus seinen Jüngern die Füße. Er wäscht niemanden „den Kopf“, sondern macht sich krumm und spült ihnen den Schmutz und den Staub der Welt ab. In einer „Bildpredigt to go“ überlegt Pfarrer Heinrich Schwarz was dies für uns bedeutet. Die Predigt kann am Gründonnerstag ab 12 Uhr an der Kirche abgeholt werden.

Karfreitag, 2. April –
#backstage – Digitale Andacht mit Konfis

Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden laden Sie zusammen mit Pfarrerin Katharina Bärenfänger ein, gemeinsam einen Blick hinter die Kulissen des Passionsgeschehens zu werfen. Was ging wohl in den Köpfen derer vor, die alles miterlebt haben? Und welche Gedanken gehen uns durch den Kopf, wenn wir hören, was damals geschah? Der Gottesdienst wird per Zoom im Internet übertragen. Die Zugangsdaten und weitere Infos finden Sie auf unserer Homepage www.ekro.de.

Ostersonntag, 4. April –
Christus, das Licht des neuen Morgen – Entzünden der Osterkerze

Pfarrer Schwarz entzündet zum Sonnenaufgang um 6:34 Uhr die Osterkerze an der Kirche. Sie können sich anschließend das Osterlicht nach Hause holen. Wir haben Kerzen für Sie da, oder Sie bringen einfach eine Kerze oder ein Windlicht mit. Die Kirche ist dafür bis 11 Uhr geöffnet. Auch eine „Osterpredigt to go“ von Pfarrer Dr. Ebersohn können Sie mitnehmen.

Dem heutigen Rodenbach Kurier liegt eine Anregung für eine Osternachtfeier zuhause bei. Auch wenn Sie nicht zur Kirche kommen, können Sie so die Freude über das Licht der Auferstehung feiern.

Osterläuten

Zu Ostern feiern wir mit der Auferweckung Jesu den Sieg des Lebens über den Tod. Die von Ostern ausgehende Botschaft brauchen wir gerade angesichts der zunehmenden Sorge über die Entwicklung des Infektionsgeschehens. Als Zeichen der Hoffnung und Stärkung läuten wir an Ostersonntag um 12 Uhr unsere Glocken. So ermöglichen wir es den Menschen in unseren Orten, Fenster und Türen zu öffnen und sich berühren lassen.

Gedanken zum Sonntag Palmarum

26. März 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser,

zur menschlichen Existenz gehören neben dem Glück die Unsicherheit, Unruhe und das Leiden; gehören das Gefühl der Vergeblichkeit und die Erfahrung der Vergänglichkeit. Die übliche Frömmigkeit, ob im Islam, Christentum oder in einer anderen Religion, will Gott möglichst weit oben ansiedeln. Weit weg von unserem alltäglichen Leben und Mühen. Fernab von Erfahrungstiefen und Dunkelheiten. Die übliche Frömmigkeit will an einem starken Gott hängen. einem Gewinner, nicht an einem Verlierer oder Leidenden.

Gott, der Gewinner, das höhere Wesen über uns in der Höhe, ist aber nicht der Gott, der sich in Jesus uns Menschen nahegebracht und offenbart hat. Denn als er uns Menschen mit Jesus seine Weisheit über die Zusammenhänge von Zeit und Ewigkeit und Leben und Tod schenkte, da brachte er die einzig rettende Formel in diese verworrene Welt: Die Liebe! Gerade die Liebe aber scheut die Tiefen nicht und die Dunkelheit, sondern nimmt Schwachheit und Leiden in sich auf.

So kannte der irdische Jesus das unbeherrschbare Gefühl des Ausgeliefertseins an eine bedrohliche Zukunft. Er kannte den Anblick schreiender klagender Menschen, wenn sie Schlimmes erleiden und nicht mehr ein noch aus wissen. Er spürte all die Emotionen, die damit verbunden sind, am eigenen Leib und in der Seele. Jesus hat Ablehnung, Schwäche, Tücke, Verlogenheit und Verrat und Gewalt selbst erleben müssen, sozusagen durchbuchstabiert bis zum bitteren Ende. All das war ihm nicht fremd.

An diesem Jesus, an seinem Lebensweg, an seinem Reden und seinem Handeln und seinem Geschick wurde wahr und deutlich, was die Bestimmung von uns Menschen nach dem Willen Gottes ist. Es wurde daran klar, wie er betete, wie er erzählte, wie er stritt, wie er heilte, wie er schwieg und litt und wie er starb. Jesus vertraute gegen allen Augenschein, ja auch gegen die Erfahrung. Gott vertraute er sein Leben an, alle Höhen und Tiefen. Aus diesem Vertrauen bezog er die Kraft, auch die Enttäuschungen zu verkraften, sich vom Verrat nicht verbittern zu lassen, den Mut seiner Klage vor Gott auszusprechen. Von hier bekam er die heilende Kraft der Vergebung. Jesus setzte sich mit seinem ganzen Leben dafür ein, dass sich trotz allem lohnte, den Menschen und der Zukunft Vertrauen zu schenken.

Ich glaube, wenn wir uns wirklich zu ihm bekennen, würden wir mit uns und anderen viel menschlicher, freundlicher und verständnisvoller umgehen. Wir würden nicht bleiben, wie wir sind, sondern so werden, wie Gott uns gemeint hat. Und wie es allein gut für uns und unseren Mitmenschen ist: Nicht immer auf unser gutes Recht beharrend, nachgebend und vergebungsbereit, hoffnungsvoll und offen.

Ich bin davon überzeugt, wer mit Jesus verbunden ist, der gewinnt ein neues Verhältnis sich selbst gegenüber, zu seinen Gefühlen, zu seinen Trieben, zu seinen Wünschen und Ängsten.

Natürlich wird es auch weiterhin viel Schmerzen und Leiden und Tränen geben, aber hoffentlich auch viel Glück und Freude und überschäumende Begeisterung. Denn: Wer einmal von der Lebenskraft erfasst ist, die Jesus als Willen offenbart hat, der kann eigentlich nicht mehr in das eigene Trübsal versinken oder andauernd sein Selbstmitleid pflegen und sich vor anderen verschließen.

Bleiben Sie wohlbehütet in Zeit und Ewigkeit!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Mein Gott, ich rufe zu dir und bitte dich:
Für die Menschen, die Leiden erfahren und keine Freude mehr kennen.
Dass sie nicht versinken in ihrem Schmerz!
Für die Menschen in Krankheit und Gebrechen bitten ich dich,
dass sie immer wieder auch einmal aufgeheitert werden.
Dass ich auch in schweren Tagen die Hoffnung und den Humor nicht verliere,
das sei mir geschenkt!
Deine Freude verändert das Leiden.
Dein Ostern die Passion.
Lass mich alles, was ich erlebe, von Ostern her betrachten und angehen!
So bitte ich dich in deinen Frieden hinein in lieblose Zustände.
So bitte ich dich in deine Liebe hinein in lieblose Umgangsweisen.
Erbarme du dich meiner, wenn ich unter den Lasten des Lebens schwer trage.
Übersieh mich nicht, wenn ich einsam bin.
Übersieh mich nicht, wenn ich zweifle und nicht mehr weiter weiß
Sieh mich gnädig an.