Glaube & Leben

Gedanken zum 1.Advent

27. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

in unserer kirchlichen Tradition ist die Adventszeit – die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest – eine Fastenzeit, eine Bußzeit. Bußzeiten sind Zeiten zum Nachdenken. Sie bieten Gelegenheit, über das eigene Leben, über Verhaltensweisen und Meinungen, die zur Gewohnheit geworden sind, aber der Korrektur bedürfen, nachzudenken.  Advent heißt Ankunft. Die Botschaft von Advent und Weihnachten lautet: Gott ist in Jesus auf die Erde gekommen, um hier bei den Menschen Wohnung zu nehmen.

An diesem ersten Adventssonntag beginnt ein neues Kirchenjahr. Ein neues Stück Zeit und Land liegt vor uns. Wie heimatlich es uns wird, hängt auch davon ab, ob wir selbst bereit sind, aus gar zu bequemen, aber schändlichen Umständen aufzubrechen und Neues zu suchen.

Ob wir uns zu Hause fühlen, hängt auch davon ab, inwiefern wir bewahren können, was uns kostbar ist.  Aber: Die angestammten Rechte sind es nicht, in denen wir einfach verharren müssten.

Die überkommenden Werte nicht verleugnen, aber sie in den Herausforderungen der Gegenwart angemessen interpretieren und leben. Daraus entsteht das Gefühl der inneren Stärke und eines Zuhause-Seins im Fluss der Veränderungen. Ich glaube, mancher wird sich besinnen müssen und zurückkehren, um zu Hause in sich selbst zu sein. Ein anderer wird aufbrechen müssen und abschütteln, was schon lange schmerzt und kränkt, und neue Heimat suchen.

Wer wird Menschen gerecht, die in der Fremde leben? Gute Regierungen schaffen Sozialpläne und sorgen für die Chance zur Integration und zu Verwurzelung auch in einem für sie fremden Land. Die Ursache für die Vertreibung oder Flucht sind unterschiedlich. Manche müssen umsiedeln, andere gehen vermeintlich freiwillig. Damals wie heute. Die einen fliehen vor Krieg, weil sie um Leib und Leben für ihre Kinder bangen. Die anderen müssen die Heimat verlassen, weil andere Herrschaftsverhältnisse geschaffen wurden. Wie wird man entwurzelten Menschen gerecht? Wie kann man ihnen helfen?

Adventszeit ist immer auch eine kritische Zeit Es ist nicht nur dunkel. Es möge auf ein Licht zugehen. Menschen suchen Heimat, denn Weihnachten ist man zu Hause. Aber wo bin ich zu Hause, wenn ich hier eigentlich nicht hingehöre?

Flüchtlinge sind in unserem Land. Andere Bedingungen heute als damals. Wir denken noch großräumiger, in einer globalisierten Welt, aber die Ursachen sind vergleichbar. Und das Gefühl der Fremde bleibt und die Aufgabe der Verständigung.

Die Adventszeit ist immer auch eine Zeit der Veränderungen, eine Zeit der Umkehr oder auch eine Zeit der Flucht nach vorn. Beharren ist keine Tugend, die in der biblischen Botschaft weite Verbreitung gefunden hätte. Die Suche nach einem gerechten Leben für alle und nach Lebensumständen, die mir gerecht werden können, das ist die Lebenshaltung, was die Propheten im Alten Testament verheißen. Siehe, es kommt eine Zeit. Ein gerechter Sproß wird erwachsen. Lichtgeschmückt kündet er von verlorener und neugefundener Heimat. Und er kündet in aller Vorläufigkeit vom ewigen Zuhause bei Gott. Kein Ort dieser Welt gibt es, der uns nicht zur Heimat werden kann.

Warum? Weil Gott selbst diese Welt als Heimat gewählt hat und vom Himmel auf die Erde kommt will.

Bleiben Sie behütet!
Uns allen eine besinnliche Adventszeit!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Du, Gott, Ewiger, der du deine unsere Welt nicht sich selbst überlässt, wir danken dir für diese Zeit des Advents.
Du machst dich auf, und wir werden besucht. Wir möchten wach sein, bereit, dich zu empfangen, dass du in uns und durch uns zur Welt kommst.
Dank sei Dir: Wir brauchen nicht schwarz zu sehen. Aber da ist Dunkel genug.
Wir bitten dich für die Menschen in unserem Dorf Rodenbach und anderswo, denen Armut, Ausgrenzung oder Hoffnungslosigkeit das Licht ausgeknipst haben. Vielleicht sind ihre Pläne und Hoffnungen zerbrochen, vielleicht haben sie schwere Verluste hinnehmen müssen.
Wir beten für uns, die wir durch die Corona-Pandemie auf uns selbst zurückgeworfen sind, dass wir innehalten, zur Besinnung kommen, in uns gehen und dir begegnen.
Amen.

Ein Licht entzünden

20. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Am kommenden Sonntag ist Totensonntag. Ewigkeitssonntag wird er auch genannt. In unseren Gottesdiensten und Andachten nennen wir an diesem Sonntag nochmal die Namen der Menschen, die wir seit dem letzten Totensonntag begraben mussten. Wir zünden eine Kerze für sie an, als Zeichen der Erinnerung. Auch auf vielen Gräbern leuchten in diesen Tagen wieder Lichter.

Wer vor dem Grab eines geliebten Menschen steht, blickt oft in Gedanken zurück, hält manchmal innere Zwiesprache mit dem Toten. Wer kann ermessen, welche Trauer, welcher Dank, welche Zweifel und welche Hoffnung mitschwingt, wenn dann ein Grablicht entzündet wird? Dieses kleine Licht auf dem Grab des verstorbenen Menschen leuchtet auch hinein in die eigene Seele. Es ist ein äußeres Zeichen der inneren Verbundenheit.

Zugleich sind die Lichter auf den Gräbern ein Zeichen des Glaubens und der Hoffnung. Mit dem Tod gehen wir nicht auf ein finsteres Nichts zu, sondern auf Gott, der dem Dunkel des Todes ein Ende setzt wie der Morgen der Nacht. Der Glaube vertraut auf das Licht der Liebe Gottes, das auch den Toten leuchtet, um die wir trauern. Gottes Liebe reicht weiter als alle Gräber dieser Welt.

Die Lichter auf den Gräbern sind zutiefst menschliche, und darum auch kleine und verletzliche Symbole unserer Hoffnung. So wie die Flamme verlöschen wird, wenn das Öl aufgebraucht ist, das ihr Nahrung gibt, so ist auch unsere Zeit hier endlich. Aber Glaube vertraut darauf, dass unser Leben nicht nur zu einem irdischen Ende kommt, sondern bei Gott ein Ziel hat.

Bei aller Trauer halten wir mit jeder Kerze, die wir zum Leuchten bringen, an diesem Vertrauen fest. Darum feiern wir am Sonntag nicht nur Toten- sondern zugleich Ewigkeitssonntag. Der Tag stellt sich trotzig gegen die Macht des Todes.

Wenn wir an den Gräbern stehen, uns erinnern und beten, wenn wir die Namen der Menschen nennen, die wir geliebt haben und die nicht mehr sind – so setzen wir unsere Hoffnung, unsere Erwartung auf Gott. Dass sein Licht unser Leben erleuchtet. Dass seine Grundmelodie der Liebe unser Leben begleitet. Gott ist die Zukunft, sein Heil, seine Liebe gilt uns auch wenn es manchmal nicht danach aussieht, wenn wir es nicht spüren und wir auch keinen Beweis für diesen Glauben antreten können. Hoffnung kann gewiss nicht alle Fragen beantworten. Und doch ist Hoffnung wie eine brennende Kerze in dunkler Nacht.

Diese Hoffnung ist eine Kraft zum Leben, zum Weitergehen. Diese Kraft gilt es zu stärken, sie braucht Raum in unserem Leben, und sie wird uns tragen, uns neue Lebensaussichten eröffnen. Darum ist es gut, den kleinen Schein der Grablichter auch in unsere Seele hinein zu lassen. In diesem Licht können wir unsere Trauer betrachten, uns auch den Fragen und Zweifeln stellen. Und der Blick zurück hilft dem Blick nach vorne auf die Beine. Das kleine Licht lässt so Wege sichtbar werden für einen getrösteten Weg in das Leben.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Gott, unsere Gedanken gehen zurück zu den Menschen, die gestorben sind. Uns bleibt die Erinnerung und die Hoffnung, dass sie aufgehoben sind in deiner Liebe. Wir sehnen uns nach Leben, gerade, wenn Tod und Trauer uns drücken. Zu dir wenden wir uns, Gott.

Wieviel Traurigkeit ist da, wenn wir an unsere Verstorbenen denken, viele Tränen, viele zerstörte Hoffnungen, Fragen, die keiner beantworten kann, und Leid, das die Kräfte lähmt. Und daneben Dankbarkeit für gemeinsam Erlebtes, für empfangene Liebe und glückliche Tage. Manchmal auch Erleichterung nach überstandenen Qualen.

Komm, Geist des Lebens, guter Gott allen Trostes, in deine Liebe geben wir unsere Verstorbenen. Tröste die Trauernden und stärke alle, die wieder Fuß fassen wollen im Leben.
Amen.

Buß- und Bettag 2020

17. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Corona-Pandemie gibt diesem Buß- und Bettag ein besonderes Gesicht. Gottesdienst zuhause vor dem Bildschirm oder mit Maske in einer nur locker besetzten Kirche, steigende Infektionszahlen, wachsende Nervosität, Sorge um Menschen, die uns nahe stehen, um Arbeitsplätze und wirtschaftliche Existenzen, um das, was unser Zusammenleben prägt. Corona hat schon viel Kraft, auch viel Kreativität von uns gefordert und uns die Grenzen unseres Lebens und unserer Handlungsmacht deutlich vor Augen geführt.

Inmitten all der Sorgen und der Hektik dieser Wochen, inmitten aber auch von wachsender Einsamkeit und Traurigkeit ist der Buß- und Bettag eine Einladung, innezuhalten und sich auf das zu besinnen, was uns trägt in dieser schwierigen Zeit. Die Pandemie verschärft viele soziale Probleme. Auch darum ist Corona ein Ruf zur Buße. Buße meint ja: innehalten, nachdenken, das bisherige Leben überprüfen und über neue Wege im Lichte des Wortes Gottes nachdenken. Das hilft, die Ungewissheit und Unsicherheit auszuhalten, die die Pandemie mit sich bringt.

Ein christlicher Umgang mit der Pandemie ist nicht von Angst und Resignation geprägt, sondern von ehrlichem Hinschauen auf das, was Mühe und Angst macht und anstrengt, und von verantwortlichem Handeln und geduldigem Durchhalten. Gott geht mit uns durch diese Zeit. Unser Vertrauen auf Gott kann darum wie ein Geländer bei einer Wanderung durch unsicheres Gebiet sein. Die große Herausforderung ist, diesen Weg mit Mut und Phantasie, mit Entschlossenheit und der gebotenen Vorsicht zu gehen. Es gibt viele Gründe, traurig zu sein, müde zu werden und den Mut zu verlieren. Aber es gibt keinen Grund, zu verzagen. Gott ist da und begleitet uns. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Dieser Geist Gottes hält unsere Zukunft offen.

Ihre Beate Hofmann
Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck

Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder

12. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

„Perlen der Trauer“ spielen eine zentrale Rolle im diesjährigen Gedenkgottesdienst für verstorbene Kinder und Jugendliche am Sonntag, den 22.November in der katholischen Kirche Heilig Kreuz, Barbarossastr. 63 in Frankfurt (Bergen-Enkheim).

Herzlich eingeladen sind alle Menschen – unabhängig von ihrer religiösen Zugehörigkeit -, die um ihren Sohn, ihre Tochter, ihr Enkelkind, ihren Bruder, ihre Schwester, ihren Freund, ihre Freundin, ihren Mitschüler, ihre Mitschülerin trauern…

In der Kirche in Bergen-Enkheim steht genügend Platz zur Verfügung, um die gebotenen Sicherheitsabstände einzuhalten. Es wird aber eine Anmeldung bis Donnerstag, 19. November empfohlen: per Telefon (06181) 95 26 960 oder per Mail an hanau@deutscher-kinderhospizverein.de. Nicht angemeldete Personen werden bis zum Erreichen der zulässigen Höchstzahl eingelassen.

Der ökumenische Gottesdienst beginnt um 17 Uhr. Ab 16:30 Uhr ist Einlass, und es können Gläser für Gedenkkerzen gestaltet werden. Er wird getragen von der Evangelischen und Katholischen Kirche in der Region Hanau und dem Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Hanau.

Im Internet wird der Gottesdienst abrufbar sein unter youtube.com/channel/UCTYYz25AhokrAzsMxwhBDgQ

Sankt Martin und das letzte Gericht

10. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

In unseren Straßen und auf unseren Plätzen, beim Laternenumzug, ertönt das Lied dieses Jahr zwar nicht. Aber in unseren Häusern und Familien werden es die Kleinsten unter uns wohl trotzdem mit ihren Eltern und Geschwistern fröhlich trällern:

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind.
Sein Ross, das trug ihn fort geschwind.
St. Martin ritt mit leichtem Mut.
Sein Mantel deckt ihn warm und gut.

Im Schnee saß, im Schnee saß,
im Schnee, da saß ein armer Mann.
Hat Kleider nicht, hat Lumpen an.
„O, helft mir doch in meiner Not,
sonst ist der bittere Frost mein Tod.“

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin zog die Zügel an.
Sein Ross stand still beim armen Mann.
Sankt Martin mit dem Schwerte
teilt den warmen Mantel unverweilt.

Sankt Martin, Sankt Martin,
Sankt Martin gab den halben still.
Der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil‘
hinweg mit seinem Mantelteil.

Es sind solch einprägsame Legenden wie die rund um den späteren Bischof Martin von Tours im 4. Jahrhundert, die uns schon in sehr jungen Jahren ein Verständnis von so großen theologischen Begriffen wie Barmherzigkeit, Solidarität und Gnade vermitteln, ja sie uns in Bildern, Basteleien und Liedern förmlich ins Herz malen.

Im Erwachsenenalter begegnen uns dann hier und dort die Deutungen dieser Geschichte: Der hilfsbedürftige Mann, mit dem Sankt Martin seinen Mantel teilt, das ist Jesus selbst, der uns in jedem Mitmenschen begegnet, der unsere Hilfe, unsere Barmherzigkeit und Solidarität braucht.

Als ich zum Sankt-Martinstag mit meiner damaligen Klasse 2b den Umhang des Heiligen Martin aus Tonkarton ausgeschnitten habe, meinte ein kleiner Junge: „Sankt Martins Umhang sieht aus wie das Blut von Jesus.“ Ich war baff – und redigierte schnell noch einmal meine Deutung der Sankt Martinsgeschichte. Mein Schüler hatte recht. Auch in der Figur des Heiligen Sankt Martin begegnet uns Jesus, der das Kostbarste, was er hat, mit uns teilt: Sein Leben. Seine Gerechtigkeit. Seine ungebrochene Beziehung zu Gott, seinem Vater. Im Philipperbrief wird Jesus deswegen als der gepriesen, der alle seine Privilegien aufgibt, Mensch wird und uns nichts vorenthält, sondern mit uns teilt, was doch eigentlich allein Seines ist. Was für eine wunderbare Tat der Barmherzigkeit: die Tat von Jesus und – Jesus nacheifernd – dann auch die Taten des Heiligen Martin.

Wie aber passt zu diesem Jesus voll Gnade und Barmherzigkeit nun der Spruch dieses Sonntags: „Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi.“ Jesus, der Retter – und zugleich unser Richter?

Die Geschichte von Sankt Martin und der Vers dieses Sonntags passen sogar außerordentlich gut zueinander, anders, als wir auf den ersten Blick vielleicht meinen. Denn sie werden verbunden durch das, was Jesus seinen Jüngern von diesem letzten Gericht erklärt: Es ist kein unvorhersehbarer Gerichtsprozess. Kein überraschender Ausgang. Es gibt keine geheimen Paragrafen oder unbekannte Zeugen, die herangezogen werden. Der Maßstab ist öffentlich und bekannt: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“, sagt Jesus.Und: „Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen.“

Unser Glaube an Jesus Christus, unseren Retter, kann schon heute im Jahr 2020 Spuren hinterlassen und einen entscheidenden Unterschied machen, wenn wir einander in Liebe begegnen, einander unterstützten, schützen und immer wieder neu zu versuchen, einander zu verstehen und anzunehmen.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Herr, mach uns stark im Mut, der dich bekennt,
dass unser Licht vor allen Menschen brennt!
Lass uns dich schaun im ewigen Advent!
Halleluja, Halleluja!

Tief liegt des Todes Schatten auf der Welt.
Aber dein Glanz die Finsternis erhellt.
Dein Lebenshauch bewegt das Totenfeld.
Halleluja, Halleluja!

Welch ein Geheimnis wird an uns geschehn!
Leid und Geschrei und Schmerz muss dann vergehn,
wenn wir von Angesicht dich werden sehn.
Halleluja, Halleluja!

Mit allen Heilgen beten wir dich an.
Sie gingen auf dem Glaubensweg voran
und ruhn in dir, der unsern Sieg gewann!
Halleluja, Halleluja!

Evangelisches Gesangbuch Nr. 154

Wo sind die Friedensstifter?

6. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Jesu Christi Haltung zum Thema Frieden ist eindeutig: Selig sind die, die nicht nur Frieden halten, sondern ihn auch aktiv fördern. Selig sind, die Frieden stiften. Das hat er all den Menschen zugesagt, die ihm zuhörten, als er auf einen Berg gestiegen war, um den Menschen sozusagen programmatisch das zu sagen, was die Liebe Gottes zu den Menschen bewirkt und wie Gott sich wahres Menschsein vorstellt. Und da steht Frieden an ganz vorderer Front. Selig sein bedeutet dann, dem zu entsprechen und eben wahrer Mensch zu sein. Und Jesus geht davon aus, dass seinen Zuhörerinnen und Zuhörern das gelingt.

Die Realität sieht freilich anders aus. Nicht nur deshalb, weil es uns Menschen immer wieder gerade nicht gelingt, unseren und Gottes Ansprüchen zu genügen. Das erleben wir im Kleinen, in unserem eigenen Leben beinahe täglich. Und das ist auch ganz normal, es geht ja jedem so. Nein, in der heutigen Zeit ist der Frieden auf noch ganz andere Weise bedroht, weltweit. Gut 50 Jahre nach einer Generation junger Leute, die mit Blumen in den Haaren den Frieden einfach leben und damit in die Welt bringen wollten, ist nun das genaue Gegenteil am Werk. Egoismus und Eigennutz, Ablehnung und Spaltung, Rassismus und Nationalismus haben den Frieden weit hinter sich gelassen. Und das auch nicht nur im Kleinen, sondern weltweit im Handeln von autoritären und rassistischen Präsidenten und nationalistischen Regierungen, die seit einer Reihe von Jahren wie Pilze aus dem Boden schießen und immer mehr um sich greifen.

Weshalb ich ein Bild von Donald Trump eingefügt habe? Sie ahnen es! Es ist die Zeit der Spalter und nicht der Friedensstifter. Aber Donald Trump ist da nur einer von vielen, die fast überall auf der Welt gerade Oberwasser haben. Allerdings bekleidet er das mächtigste Amt, das es auf dieser Erde überhaupt gibt. Besonders perfide daran ist außerdem, dass er sich dabei als gläubiger Freund der Kirche darstellt und dass Millionen von Menschen, die sich als fromme Christen verstehen, gerade ihn als nahezu göttliche Heilsgestalt verehren. Das ist doch eine Verkehrung der christlichen Botschaft!

Jetzt, da ich dies schreibe, weiß ich aber nicht, wie lange Donald Trump noch Präsident sein wird. Wenn Sie dies lesen, ist die Wahl in den USA voraussichtlich entschieden. Ob es dann ab Ende Januar einen neuen Präsidenten geben wird und wie sich ein möglicher Übergang konkret gestaltet, das werden wir abwarten müssen. Im Vorfeld hat man ja im Falle eines Wahlverlusts mit Uneinsichtigkeit Trumps, juristischen Tricks und massenhaften Protesten gerechnet. Und es steht zu befürchten, dass sich das auch bewahrheiten könnte.

Da bleibt nur zu hoffen, dass nicht nur die Vernunft siegt, sondern auch der christliche Glaube, der im Geiste Jesu denkt, fühlt und handelt und sich um den Frieden zwischen den Menschen und auf der ganzen Welt sorgt. So gesehen ist gerade jetzt die Zeit der Friedensstifter. Denn die hat die Welt bitter nötig!

Foto/Quelle: commons.wikipedia.org.

Mit den besten Wünschen,
und bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn 

Mittagsgebet

Gottes Boten des Friedens sollen wir sein,
aber oft sind wir misstrauisch und suchen Streit.

Gottes Boten der Liebe sollen wir sein,
aber oft sind wir rechthaberisch und denken nur an uns selbst.

Gottes Botinnen der Wahrheit sollen wir sein,
aber oft versuchen wir, uns mit Lügen durchzumogeln.

Gottes Boten der Gerechtigkeit sollen wir sein,
aber oft nehmen wir Ungerechtigkeiten in Kauf,
weil wir meinen, doch nichts ändern zu können.

Gottes Botinnen der Vergebung sollen wir sein,
aber oft sind wir nachtragend und wollen nicht verzeihen. – – –

Barmherziger Gott, vergib uns unsere Schuld,
sende deine Engel, dass sie uns den Weg weisen
zu heilvollem Leben.

Amen.

Gedanken zum Reformationstag

30. Oktober 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

zur Zeit der Reformation war eine Erweckung durch Deutschland gegangen. Man hatte in dem von Luther und anderen besonderen Gestalten neu gefundenen Evangelium Gottes Gnade begeistert wiederentdeckt. Man hatte mit freudiger Überraschung neu herausgefunden, dass Gott uns liebt – unabhängig davon, wie viel ein Mensch religiös geleistet hat. Man hatte erleichtert wahrgenommen, dass nicht die vielen Bußübungen, Wallfahrten und guten Werke uns vor Gott genehm machen. Und nun konnte man als ein so innerlich befreiter, evangelischer Christ dazu beitragen, dass auch andere Christen in ihrem Inneren befreit würden. So konnten ganze evangelische Gemeinden andere verängstigte Christen heilen, die unter der Knute einer Gesetzesfrömmigkeit verkrampft waren.

Aber aus diesen von Gott selbst berührten Christen wurde im Laufe der Zeit eine Schar, in der man kaum noch Feuer mehr lodern sah und sieht. Von Ausnahmen abgesehen war und ist da an vielen Orten bestenfalls noch etwas Glut, bedeckt von viel Asche. Für die Mehrheit unserer evangelischen Christen spielt das in der Reformation neu entdeckte Wort keine nennenswerte Rolle mehr. Sicher, man lässt in der Regel bei uns die eigenen Kinder taufen und konfirmieren. Eine kirchliche Beerdigung wird auch noch gewünscht. Anlässlich einer Eheschließung den Segen für den gemeinsamen Weg zu erbitten, wird jedoch immer seltener. Dass bei der Mehrheit der evangelischen Christen in einem Sonntagsgottesdienst eine freudige und neugierige Erregung entstünde mit dem Ziel herauszufinden, was Gott uns für die neue Woche an Ideen und Weisungen mit auf den Weg geben könnte: Fehlanzeige!

Ist die Mehrheit der evangelischen Christen so bewandert in eigener Lektüre der Heiligen Schrift, dass sie ihren christlichen Geschwistern und sonstigen Mitmenschen in Stunden der Not und Unsicherheit Trost und Wegweisung geben könnte? Fehlanzeige!

Zum evangelischen Missverständnis des Evangeliums gehört aber inzwischen leider, dass Gott immerfort zum Gnädigen verpflichtet ist, völlig unabhängig davon, wie wir leben.

Auch globale Erinnerungen an die dramatischen Entwicklungen in der Reformationszeit und Jubelfeiern beleben unsere Kirchenkonfession nicht von selbst.

Wer von der evangelischen Mehrheit, deren Namen in der Kirchenkartei vorhanden sind, fragt bei wichtigen Entscheidungen Tag für Tag: Wie kann ich dies oder das heute im Geist, im Sinn Jesu, tun und lassen?

Für wen von uns steht Gottes Wort höher als das Wort des eigenen Chefs? Für wen unter uns sind die unmissverständlichen Gebote Gottes, seine Wegweisungen für ein glückliches, freies, erfülltes Leben wichtiger als der Ratschlag eines guten Freundes?

Wer aber weiß, dass alles Gute in ihm an Gedanken, Worten und Taten seinen Ursprung bei Gott hat, und nur durch ihn aufrechtzuhalten und zum Ziel geführt werden kann, der kann nicht mehr arrogant, mitleidig oder richtend auf andere Christen herabblicken. Er wird auch nicht in den Fehler verfallen, in seinen Gedanken ein heimliches Punktekonto zu führen, um am Tage der endgültigen Rechenschaft Gott all seine religiösen Leistungen vorzuhalten.

Ein solcher Christ wird auch nicht in konfessionellem Hochmut auf die Christen anderer Konfessionen oder auf andere Kirchen herabblicken und sich dabei über deren Fehler, Schwächen oder Irrtümer freuen.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Jesus Christus, am Reformationstag denken wir an deine Kirche, die krank darniederliegt, vielfach gespalten und innerlich weithin schwerhörig und gelähmt. So bitten wir dich: Erneuere deine Kirche durch dein Wort und deinen Geist, damit Christen dich neu hören, im Glauben wieder leuchten, in der Liebe brennen und sich in lebendiger Hoffnung auf dein Kommen verzehren.
So heile und belebe deine Kirche in all ihren Gliedern und Konfessionen, und fang damit bei jedem einzelnen von uns gleich heute an.
Durch dich ehren wir unseren himmlischen Vater in der Kraft des Geistes, denn seine Güte ist der Ursprung, die Inspiration und das Ziel unseres Glaubensweges.

Amen.

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist

23. Oktober 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ Das ist das Bibelwort zum 20. Sonntag nach Trinitatis aus dem Buch des Propheten Micha, Kapitel 6, Vers 8. An diesem Sonntag geht es um die Suche nach Wegen zu einem guten Miteinander zwischen uns und zwischen uns und Gott (Bild von Gert Altmann auf pixabay.com).

Was gut ist

Seit Februar beschäftigt uns die Corona-Pandemie. Täglich verfolgen wir, wie Infektionszahlen sinken oder steigen, Regeln gelockert oder verschärft werden und: wie wir selbst und andere darauf reagieren – mit Sorge, mit Schrecken, mit Wut, mit Protest. Im Buch des Propheten Micha lesen wir zum 20. Sonntag nach Trinitatis: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert.“ Naja, wenn das so einfach ist, wo liegt dann das Problem?

Da sagen die einen: Ich soll Masken tragen und vorsichtig sein. Das tue ich. Da sagen die anderen: Uns wird unsere Freiheit genommen. Wir müssen uns wehren.

Hat denn ein Text aus dem Buch Micha mit Offenbarungen aus dem 8. Jh. v. Chr. uns in dieser Situation etwas zu sagen? Auf den ersten Blick: Nein. Uns trennt ein garstiger historischer Graben. Die Frage einer Pandemie ist bei Texten aus dem Buch Micha nicht im Blick. Auf den zweiten Blick: Ja, wohl doch. Denn im Buch Micha geht es Kapitel um Kapitel um soziale Fragen und die generelle Frage eines guten und gerechten menschlichen Miteinanders und einer angemessenen Haltung gegenüber Gott.

Darum endet der Vers auch nicht mit dem Satz: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der Herr von dir fordert“, so, als wüssten wir schon alles und müssten uns nur auf unseren Standpunkt zurückziehen. Sondern der Satz führt zu einem Doppelpunkt und gibt uns entscheidende Kriterien für unsere Suche nach einem guten Weg an die Hand:

– nichts als Gottes Wort halten
– und Liebe üben
– und demütig sein vor deinem Gott

Der zweite Halbsatz aus Micha 6,8 enthält so etwas wie die „Kurzformel des Glaubens“ und lässt sich in der Übersetzung für den Deutschen Evangelischen Kirchentag 1995 in Hamburg auch so lesen:

„Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was Gott bei dir sucht:

– nichts anderes als Gerechtigkeit üben
– Freundlichkeit lieben
– und aufmerksam mitgehen mit deinem Gott

Was bedeutet „Gerechtigkeit üben“?

Artikel 1 des Grundgesetzes lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar, sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“ Dieser Artikel entfaltet seine Wirkung aber nicht nur zwischen Staat und Bürgern, sondern – über die sogenannte Drittwirkung – auch zwischen Bürgern untereinander. Dies bedeutet: Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. So viel mir meine Gesundheit wert ist, so viel soll mir auch die Gesundheit des anderen wert sein. So viel mir meine Freiheit wert ist, so viel soll mir auch die Freiheit des anderen wert sein. Menschenwürde ist kein abstrakter Wert. Um Würde leben zu können, brauchen wir soziale Verhaltensweisen.

Was bedeutet „Freundlichkeit lieben“?

„Liebe“ üben ist nicht die einzige mögliche Übersetzung aus dem Hebräischen. Es kann auch Güte, Barmherzigkeit oder Solidarität heißen. In jedem Fall bezeichnet es ein zwischenmenschliches, solidarisches Verhalten und hierbei, im Buch Micha immer mitgedacht, unter der Perspektive der Stärkeren gegenüber den Schwächeren.

In der Philosophie und Psychologie bedeutet eine Regel- und Gebotserfüllung unter Zwang für den Menschen in der Regel ein Übel. Anders verhält es sich mit einer Leistung aus eigenem Antrieb. Dies wiederum bedeutet sogar einen Lustgewinn. Und hier kommt nun das ins Spiel, was wir mit Solidarität bezeichnen. Solidarität sollen wir leben und üben – aber sogar noch mehr als das: Wir sollen sie sogar lieben! Und durch sie in unserem Handeln einen Lustgewinn erfahren. Denn Solidarität ist kein notwendiges Übel, sondern ein Zuwachs an Menschlichkeit, eine Bereicherung unseres Lebens, eine Dimension von Gottes Handeln uns zum Wohle.

Was bedeutet „aufmerksam mitgehen mit deinem Gott“? Da, wo ich gehe, bewege ich mich – halte Augen und Ohren offen, bleibe nicht stehen, beharre nicht auf meinem vorgefertigten Standpunkt. Bleibe dynamisch und rege – körperlich und geistig. Da, wo ich mitgehe, lasse ich mich auf eine Weggefährtenschaft ein. Mitgehen bedeutet deshalb, sehr genau zu schauen und zu entscheiden, mit wem ich mitgehe. Mit wem ich diese Weggefährtenschaft eingehe.

Martin Luther empfiehlt an dieser Stelle eine engstmögliche Weggefährtenschaft mit Gott. Denn Luthers Erfahrung war: Je enger ich mit Gott mitgehe, mit dem Vater Jesu Christi, desto größer wird meine Freiheit. Je mehr ich auf sein Wort höre, desto besser kann ich zwischen den vielen Worten unterscheiden, die ich sonst noch höre. Je mehr ich aufmerksam mitgehe mit meinem Gott, desto besser kann ich entscheiden, welche Meinungen und Standpunkte zu Gottes Solidarität passen, die er in Jesus Christus zu uns gelebt hat.

„Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan.
Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“
(Martin Luther, Von der Freiheit eines Christenmenschen).

Ihre Pfarrerin
Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Herr, unser Gott, wir bitten dich um deinen Heiligen Geist für alle, mit denen wir zusammen deine Gegenwart und Menschenfreundlichkeit bezeugen.

Sprich zu uns, erinnere uns an deine Gebote und an das, was gut ist für uns und andere, damit wir leben.

Geh mit uns mit. Im Vertrauen auf Jesus Christus, deinen Sohn, rufen wir zu dir: Erbarme dich.

(nach einem Gebet aus der VELKD)

„Lasst euch erneuern“

16. Oktober 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

„Legt eure frühere Lebensweise ab! Ja, legt den ganzen alten Menschen ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen ihn ins Verderben. Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist, der euch geschenkt ist.“ (Epheser 4,22-23)

So schreibt ein Schüler des Apostels Paulus in seinem Brief an die jungen christlichen Gemeinden in Ephesus und anderswo. Offenbar hatte er allen Grund dazu, denn auch die frühen Christinnen und Christen, die den Schwung des neuen Glaubens noch hautnah spürten, wurden vom Alltag eingeholt. Und in dem gab es neben dem Anspruch des liebevollen Miteinanders auch Misstöne, Neid und Streit. Auch sie waren eben Menschen wie du und ich.

Es war also an der Zeit, sich mit einem Rundbrief einzumischen. Christ sein und so tun, als habe die Lehre Jesu auf die eigene Lebensgestaltung keinerlei Einfluss, das passt nicht zusammen. Wer getauft ist, wer mit dem Geist Jesus Christi beschenkt wurde, der ist berufen, anderen Normen und Werten zu folgen als denen, die nur einem selber Spaß, Vorteil, Ansehen und Macht verheißen. Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe lauten die neuen Maßgaben, und die verlangen beharrliches Einüben – und manchmal eine radikale Änderung des Denkens und des Verhaltens. Es geht um Veränderung im Verhalten untereinander. Weg von Hauen und Stechen gegeneinander und hin zu einem menschlichen, liebevollen, christlichen Umgang miteinander. Und das ist auch eine ganz aktuelle Frage.

Vier Dinge braucht es, wenn die Erneuerung, das Anders-Machen klappen soll: Erstens den Verstand und das Nachdenken. Denn sich darüber klar zu werden, was ist, ist der erste Schritt. „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.“ So formuliert es das Sprichwort.

Veränderung ist aber auch Willenssache. Nachdenken und Selbsterkenntnis sind nicht genug. Man muss sich auch anders verhalten wollen. Und dazu muss man manchmal auch schweren Herzens aus seinen alten Bahnen aussteigen.

Zum Dritten gehört aber auch das Herz dazu, das Gefühl. Denn die Gefühle bestimmen uns, ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir etwas gegen unser Gefühl, gegen unsere innere Eingebung tun, dann wird es schief und gelingt nicht.

Und schließlich sind wir zur Erneuerung ermutigt durch Gott und seinen Heiligen Geist. Und das ist dem Schreiber des Epheserbriefes ganz wichtig. Denn die Art und Weise, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist, aufgeschlossen, liebevoll, heilend, sollte auch für unser Zusammenleben Maßstab und Ziel sein. Das Vertrauen darauf, dass das Gottes Willen entspricht, kann uns die Kraft und die Ausdauer dazu geben.
Bildquelle: www.pxhere.com 

Mit den besten Wünschen, und bleiben Sie behütet!
Pfarrer Michael Ebersohn

Mittagsgebet

Herr, unser Gott, wir wenden uns an dich mit unseren Bitten für die Welt,
für die Menschen und die Geschöpfe in ihr.
Lass alle Menschen hören, dass du es gut mit uns meinst.

Wende dich den Kranken und den Sterbenden zu:
Schenke ihnen Hoffnung.

Wende dich den Armen, Verlassenen und Verbitterten zu:
Schenke ihnen ein Wort, das sie bereichert.

Wende dich den Regierenden zu,
denen, die Verantwortung tragen und Lasten für die Gemeinschaft:
Schenke ihnen ein Wort der Weisheit.

Wende dich denen zu, die im Dienst an anderen Menschen und Geschöpfen stehen,
die sich einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung:
Schenke ihnen ein Wort der Ermutigung.

Wende dich denen zu, die dich verloren haben, die keinen Weg mehr sehen für ihr Leben
oder die sogar schon völlig in die Irre gegangen sind:
Schenke ihnen ein Wort, das sie leitet.

Wende dich uns zu, die wir dich suchen
und die wir mit deinem Wort unser Leben miteinander gestalten müssen:
Lass uns Worte finden, die Gräben überwinden
und Liebe und Versöhnung möglich machen.

Amen

30 Jahre deutsche Wiedervereinigung

9. Oktober 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser,

zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung erinnern wir uns an die mutigen Schritte der Menschen in der ehemaligen DDR. Sie sind für ihre Freiheit und für eine demokratische Gesellschaftsordnung friedlich und mit Erfolg auf die Straße gegangen und haben in den Kirchen gebetet. Ich bin dankbar für diese friedliche Revolution.

Auch heute gehen wieder Menschen zu tausenden friedlich für Demokratie und gegen ein diktatorisches Regime auf die Straße, wie gegenwärtig in Belarus oder in Hongkong. Die Sorge um die Menschen in beiden Ländern beschäftigt mich und viele andere seit Tagen und Wochen. Die Zeiten haben sich gewandelt. Dem Protest stehen Staaten entgegen, die bereit scheinen, ihre Macht und ihre Interessen bis aufs Letzte zu verteidigen. Und wir schauen hilflos zu.

Ja, die Zeiten haben sich gewandelt. Ich muss hier nicht über Trump und Putin, die chinesische Führung und ein zerstrittenes Europa schreiben. Wer die Nachrichten verfolgt, weiß um den Zustand der Welt. Es ist so gar nichts mehr von Aufbruch zu spüren, ganz im Gegenteil. Der Tag der Deutschen Einheit macht mir aber Mut, trotzdem an meinem Platz zu schauen, wo kann ich mehr Demokratie leben. Doch mir scheint nicht nur in der Weltpolitik, sondern auch in unserem Alltag kommt dies zu kurz. Dabei gibt es in unserer Gemeinde und meiner Kirche genug zu tun. Aber wie schnell werden Meinungen einfach rausgehauen, Argumente als „Fake News“ und Widerspruch als „Unterdrückung der Meinungsfreiheit“ verleugnet. Dabei lebt Demokratie vom Widerspruch. Nur müssen auch alle den Widerspruch aushalten – auch die, die gerne laut „dagegen“ sind.

All die Schwierigkeiten und Herausforderungen, vor denen wir stehen, lösen wir nur im Miteinander. Dazu gehört der Streit der Argumente, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und am Ende einen guten Ausgleich der Interessen zu finden. Nur so kommen wir voran. Ich will deshalb diesen 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung als Motivation dafür nehmen, mehr Demokratie zu wagen.
(Foto: Gert Altmann, Pixabay).

Bleiben Sie behütet!
Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Gott, wir danken dir für die Einheit, die in unserem Land gewachsen ist in den letzten 30 Jahren. Was war das für ein Aufbruch damals: Menschen gingen auf die Straße, sie traten ein für Freiheit und Recht, mit Gebeten und Liedern gegen Panzer und Gewehre – und die Mauern fielen.

Jetzt sehen wir solche Bilder aus Belarus. Woche für Woche stehen Tausende auf für ein anderes Leben. Wir bitten dich um ein Ende der Gewalt, um Freiheit für die politischen Gefangenen. Lass die friedliche Veränderung der Gesellschaft gelingen. Erhalte den Mut der Frauen, die das Ende von Unrecht und Diktatur fordern. Stärke die vielen, die für ein freies, gemeinsam und selbst bestimmtes Leben eintreten – in diesem europäischen Land zwischen den Blöcken.

Propst Helmut Wöllenstein