Glaube & Leben

Gedanken zum Sonntag Reminiszere

26. Februar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

es ist ein klassisches Dilemma, in dem wir uns heute befinden. Wir sollen glauben, obwohl wir nicht sehen. Wir versuchen von einem Gott zu reden, der nicht eindeutig zu beschreiben ist. Glaubenserfahrungen sind anfechtbar, verschieden interpretierbar.

„Wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen!“ Dieser Wunsch der Pharisäer und Schriftgelehrten spricht mir aus der Seele. Wie häufig wünsche ich mir ein nachvollziehbares Zeichen für die Gegenwart Gottes. Und gleichzeitig weiß ich, dass ich es in dieser Form zumindest in dieser Welt niemals bekommen werde. Bei dem Evangelisten Johannes sagt Jesus dem zweifelnden Thomas: “Selig, sind die Menschen, die nicht sehen und dennoch glauben!“ Spätestens seit dem Tanz um das goldene Kalb wussten bereits die Israeliten: Gott ist nicht von dieser Welt, der Mensch soll und kann sich kein Bild von ihm machen. Schon gar nicht ein dreidimensionales Bild, das in Stein gemeißelt wäre. Glauben und vertrauen ist etwas anders als beweisen und sehen.

Der Wunsch nach einem eindeutigen Zeichen ist sehr verständlich. Doch Jesus weist ihn mit der gleichen Selbstverständlichkeit zurück. Wie aber sollen wir glauben, auch wenn wir nicht sehen und ein unzweideutiger Beweis der Gegenwart Gottes ausbleibt.

„Du kannst die Punkte nicht im Vorausschauen verbinden. Du kannst sie nur irgendwann in deiner Zukunft verbinden, wenn du zurückschaust. Also musst du darauf vertrauen, dass die Punkte irgendwann in deiner Zukunft verbunden sein werden.“

Dieses Zitat stammt von Steve Jobs, einem der Begründer von Apple. Er kommt zu seiner Erkenntnis am Ende eines sehr persönlichen Einblicks in seine Biographie. Jobs erzählt davon, wie er adoptiert wird. Wir er mit 17 nach sechs Monaten auf einem College alles hinschmeißt und mit extrem wenig Geld überleben muss. Steve Jobs erzählt, wie dieser Abbruch sein Leben entscheidend prägen wird. Denn er beginnt Dinge zu tun, die ihn interessieren. Er belegt einen Kurs in Kalligraphie und Typographie. Und die Fertigkeiten, die er dort erlangt, werden ihm zehn Jahre später helfen, das Schriftbild des ersten Macintosh-Computers zu kreieren. Die Basis für die Erfolgsgeschichte von Apple.

Im Erzählen, im Zurückschauen fügt Steve Jobs die entscheidenden Punkte in seinem Leben zu einem Ganzen zusammen. Und er sagt dann, dass sich irgendwann alles zu einer sinnvollen Lebenslinie zusammenfügen wird. Steve Jobs kommt zu seiner sehr existentiellen und wie ich finde, sehr weisen Einsicht ohne einen christlichen Hintergrund.

Ich verstehe die Gegenwart Gottes in der Nachschau, im Rückblick, im Nachdenken über meinen Weg, den ich gegangen bin. Vieles verstehe ich im Augenblick nicht. Und gerade in krisenhaften Momenten, sehe ich den Sinn zunächst nicht.

Aber dann ist da auf einmal der Gedanke: Neben der leidvollen Erfahrung, neben der Enttäuschung, dem Zerbrechen der Beziehung, der Krankheit, dem schmerzvollen Abschied ist mir auch so viel Gutes begegnet. Gerade am tiefsten Punkt habe ich die Kraft bekommen, die ich gebraucht habe. Haben Menschen mein Leben so sehr bereichert. Habe ich einen anderen Blick auf das Leben gewonnen.

So sehr ich mir auch manchmal ein Zeichen der Gegenwart Gottes wünsche. So sehr Menschen seit Jahrtausenden nach einem schlüssigen Beweis für Gott Ausschau halten. Häufig verstehe ich erst in der Rückschau – und vielleicht auch dann nur in Ansätzen -, warum etwas so und nicht anders passiert ist. Und selbst, wenn ich es nicht verstehe – ich sehe doch: Mein Weg ist weitergegangen. Anders als gehofft und erwünscht. Ich konnte aber dennoch weitergehen.

Als glaubender Mensch entdecke ich im Rückblick Gott, inmitten der Wegmarken und Eckpunkte meines Lebens. Und am Ende trägt mich die Gewissheit: Gott ist an meiner Seite, auch wenn ich es im Moment selbst vielleicht nicht spüre. Und die Punkte fügen sich zusammen zu einer Lebenslinie. Wahrscheinlich hat Steve Jobs sich bei seiner Erkenntnis auch von Sören Kierkegaard inspirieren lassen. Kierkegaard sagte: Wir müssen das Leben vorwärts leben. Verstehen tun wir es rückwärts.

Bleiben Sie wohl behütet in Glauben und Zuversicht!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Gott,
ich erwarte dich im Sturm,
du kommst im Säuseln.
Ich erwarte ich im Licht.
Du kommst in der Dunkelheit.
Ich erwarte dich am Altar,
du kommst am Tresen.
Ich erwarte dich im Gebet,
du kommst in der Diskussion.
Ich erwarte dich, wenn ich Hilfe brauche,
du kommst, wenn ich helfe.
Ich erwarte dich als Herrscher,
du kommst als Kind.
Ich glaube,
du bist meistens anders als ich es erwarte.

Amen.

Der Versuchung widerstehen

19. Februar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Stellen Sie sich das einmal vor: Jesus von Nazareth, aus einer orientalischen Kleinstadt, gerade getauft vom Bußprediger Johannes, der dann vierzig Tage in der Wüste fastet und danach als Wanderprediger auf der Straße von Ort zu Ort zieht – und nun, Hand aufs Herz: „Würden Sie diesem Mann einen Bankkredit einräumen?“

Das ist ja wohl die entscheidende Frage heutzutage. Was zählt, ist, dass du etwas aus dir machst. Möglichst schon in jungen Jahren. Du kannst sogar verrückt sein, völlig abgedrehte Sachen machen, aber es muss gut sein, dann machst du Karriere damit. Cool musst du sein, mit einem Schuss Killerinstinkt. Und es spielt kaum eine Rolle, womit du deine Ziele erreichst und ob du dabei noch du selbst bleibst. Allein der Erfolg zählt.

Genau daran aber hapert es Jesus. Nicht, dass er sich eine Zeitlang aus der Welt zurückzieht, ist das Problem. Wüste ist geradezu „in“. Viele Manager gehen ins Kloster, viele stehen auf Diät und Fastenkuren, manche tun etwas für den Geist, einige nehmen sogar Abschied vom gewohnten Lebensstil. Aber in allen diesen Fällen geht es nicht darum, sein Leben vollkommen zu ändern, sondern um aufzutanken und neue Kraft zu schöpfen – damit man nachher mit neuen Kräften das tun kann, was man auch vorher getan hat.

Bei Jesus aber geht es um etwas Tieferes, Größeres. Es geht um viel mehr. Es geht um seine Vollmacht, um seinen Auftrag. Es geht um nichts weniger als um die Grundvoraussetzungen für Gottes Wirken auf unserer Erde. Wenn er in seinem Sohn Jesus Christus zu uns gekommen ist, um uns seine Liebe zu bringen, dann muss dafür der Boden bereitet sein. Und dann haben die Mächte, die dieser Liebe entgegenstehen, keinen Platz. Für sie steht der Teufel, und der muss in Zaum gehalten werden. Davon erzählt die Geschichte von der Versuchung Jesu (Matthäus 4,1-11).

Dabei ist die Szene ganz plastisch geschildert: Jesus und der Versucher, der Teufel, sind im Streitgespräch. Es muss zum Verzweifeln sein, und zwar für den Teufel. Normalerweise ist er gut im Streiten. Aber hier zeigt sich Jesus als in allen Belangen überlegen. Er ist brillanter Kenner der Schrift, fest im jüdischen Glauben verwurzelt und keinem anderen bereit zu dienen als dem einen Gott Israels. Und Jesus zeigt außerdem, dass der Glaube nicht nur Gefühlssache und Herzensangelegenheit ist, sondern in hohem Maß auch geistige Auseinandersetzung. Denn nur allein vom bloßen Zitieren der Worte kann man nicht leben. Sie müssen Fleisch bekommen, Leben, und das geht nur, wenn ich mir den Geist der Worte aneigne und sie nicht einfach nachplappere. Aber dann erhalten sie Tiefgang.

Der Versucher, der Teufel, jedoch setzt auf die Buchstaben, und versucht, Jesus mit spitzfindigen Argumenten hinters Licht zu führen. Drei Versuche startet er, aber Jesus entlarvt sie alle als teuflische Versuchungen. Wäre er auf sie eingegangen, hätten sie ihm womöglich Misserfolg, Leid und Tod erspart. Aber sie hätten aus ihm einen Scharlatan gemacht, nicht besser als die vielen anderen, die zu allen Zeiten den Leuten Honig um den Bart schmieren. Jesus ist den Weg gegangen, der auf den ersten Blick schwieriger und steiniger ist, der am Ende aber viel weiter bringt, weil es der Weg Gottes ist.

Und das Beste daran ist: Es gehören weder geheimnisvolle Rituale noch geheime Offenbarungen dazu, diesen Weg zu gehen und dem Bösen zu widerstehen. Jesus besiegt den Teufel mit Mitteln, die uns allen zur Verfügung stehen. „Es steht geschrieben“, beginnt er jede Antwort. Mehr hat er nicht, mehr haben auch wir nicht. Mehr braucht es aber auch gar nicht. Gottes Gebote sind für ihn wie für uns Evangelium. „Du sollst Gott allein dienen“, das ist die gute Nachricht, dass wir uns von nichts und niemandem auf dieser Welt abhängig machen müssen. Und dann können wir uns wappnen gegen das Teuflische, das uns in unserer Welt begegnet – überall da, wo Menschen sich aufschwingen und gegen Gottes Wort Front machen. Sich wappnen gegen alles Teuflische, dazu gebe uns Gott seine Kraft.

Bleiben Sie behütet und gesund
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn

Mittagsgebet

Herr Gott, himmlischer Vater,
du hast deinen Sohn in die Welt gesandt,
dass er die Macht des Bösen besiege
und uns den Weg zeige,
selbstbewusste und freie Menschen zu sein.

Wir bitten dich:
Stärke uns in aller Anfechtung,
dass wir in seiner Kraft den Anfechtungen widerstehen,
denen wir begegnen und die uns Angst machen.
Lass uns in seinen Worten und Taten deinen Willen erkennen
und die tiefe Liebe, die du zu uns hast.

Das bitten wir dich durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus,
der mit dir und dem Heiligen Geist
lebt und Leben schenkt in alle Ewigkeit.

Amen.

Andachten ab 7. März und Offene Kirche in der Passionszeit

16. Februar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Gottesdienste, Informationen

Liebe Rodenbacher Mitbürgerinnen und Mitbürger,

In einem Stufenplan wollen wir unsere Kirche nun in zwei Schritten wieder öffnen.

  • Wir öffnen die Kirche zur persönlichen Andacht von Aschermittwoch bis in die Karwoche immer mittwochs von 17-19 Uhr sowie an den beiden Sonntagen 21. und 28. Februar.
  • Ab Sonntag, 7. März, feiern wir wieder um 10 Uhr Andacht in unserer Kirche sowie am 2. und 4. Sonntag im Monat um 11:30 Uhr in der katholischen Kirche in Oberrodenbach. Dort sind die ersten beiden Andachten wieder am Sonntag, 14. März und an Palmsonntag, 28. März.

Sowohl für die offene Kirche wie auch für die Andachten gelten weiterhin die strikten Abstands- und Hygieneregeln und das Tragen einer medizinischen Maske ist vorgeschrieben. Den Besucherinnen und Besuchern der Andachten stellen wir bei Bedarf eine solche Maske zur Verfügung.

Wir wissen auch, dass nach wie vor viele Menschen mit Recht sehr zurückhaltend in ihren Kontakten sind. Doch auch sie müssen in der Pandemie nicht auf Andachten und Gottesdienste verzichten. Neben den Gottesdiensten im Fernsehen und im Radio bietet unsere Landeskirche auf www.ekkw.de regelmäßig Gottesdienste im Internet an.

Valentinstag

12. Februar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Der 14. Februar – dieses Jahr fällt er auf einen Sonntag – wird von vielen Paaren als Valentinstag gefeiert, mit Herzen und roten Rosen. Der Name geht wohl zurück auf Valentin, den Bischof von Terni in Umbrien aus dem 3. Jahrhundert. Am 14. Februar 269 soll er sein Martyrium in Rom erlitten haben. Sehr viel ist über diesen Bischof nicht bekannt. Allerdings werden ihm durch die Legende Krankenheilungen und auch heimliche Trauungen zugeschrieben.  Zugleich ist in der antiken Welt der 14. Februar Gedenktag der Göttin Juno, der Patronin von Ehe und Familie. Beide Traditionen flossen in den heutigen Valentinstag ein.

Während hierzulande der Valentinstag eine relativ junge Erscheinung ist und zuweilen als „Erfindung der Blumenindustrie“ kritisch beäugt wird, hat dieser Tag im englischsprachigen Raum eine sehr viel längere Tradition. Wussten Sie, dass schon in Shakespeares Hamlet der Sankt-Valentins-Tag als Tag der Erwählung von Liebenden vorkommt?

Auch in den Texten der kirchlichen Tradition für den heutigen Sonntag Estomihi geht es um die Liebe. Das hohe Lied der Liebe aus dem ersten Korintherbrief, Kapitel 13, ist einer der wohl bekanntesten Texte aus der Bibel überhaupt: „Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu […] Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ (1 Korinther, Kapitel 13, Vers 4 und 13).

Das 13. Kapitel des Korintherbriefes ist reich gefüllt mit Aussagen, was die Liebe ist und was sie nicht ist. Lesen Sie es doch wieder einmal, vielleicht sogar zusammen mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner.

Einen besonders spannenden Aspekt der Liebe betont der heutige Sonntag:

Die Liebe weicht nicht aus!

Kennen Sie dieses EIGENTLICH in sich?

EIGENTLICH… Er lebt ein rechtschaffenes Leben. Nach allen Spielregeln der Gesellschaft. Treuer Ehemann. Ehrlicher Geschäftsmann. Geschätzter Schwiegersohn. Auch sein Konto ist gut gefüllt. Eigentlich könnte er damit viel Gutes tun. Eigentlich.

EIGENTLICH… Sie hat ein offenes und fröhliches Wesen. In der Nachbarschaft mag man sie gern leiden, denn sie ist ein umgänglicher Mensch. Eigentlich könnte sie den jahrelangen Konflikt mit ihrem Vater in Angriff nehmen und endlich klären. Eigentlich.

Eigentlich wissen wir ich oft im Herzen, was in unserem Leben dran ist. Was es für uns anzupacken, in Ordnung zu bringen und zu klären gilt. Gott hat uns ein gutes Gespür gegeben für Recht und Gerechtigkeit. Für den Unterschied zwischen „gut“ und „nicht böse gemeint“, zwischen der Wahrheit und dem Schein von Wahrheit. Deswegen ist es nicht nur lustig und amüsant, sondern auch heilsam, wenn in diesen Tagen der sogenannten fünften Jahreszeit Menschen in die Bütt steigen. Und uns, unserem Land, unseren Politikern und unserer Gesellschaft einen Spiegel vorhalten. Unrecht beim Namen nennen. Selbstverständlichkeiten in Frage und Konventionen an den Pranger stellen.

In den Schriften der Bibel taten die Propheten etwas sehr Ähnliches. Mit ganzer Leidenschaft brachten sie Gottes Zorn über Unrecht; Lüge und Lieblosigkeit zum Ausdruck. Über lebensfeindliche Strukturen. Über den menschenverachtenden Umgang miteinander. Mit ihren Worten wenden sich die Propheten gegen das große „EIGENTLICH“ im Leben: Das „Eigentlich“ in unseren Beziehungen, in unserem Denken, in unserem Handeln. Und sie machen klar: Gott lässt sich von uns nicht mit „Ersatzopfern“ vertrösten und hinwegtäuschen über das, was es eigentlich für uns zu tun gilt.

Die Liebe weicht nicht aus!

Sie wählt den Weg der Gerechtigkeit und Wahrheit. Jesus selbst ging diesen Weg konsequent, auch dann noch, als er ihn ins Leiden und in persönliche Nachteile führte.

Und so gibt es auch diese anderen EIGENTLICH-Geschichten von Menschen auf ihrem Weg der Liebe.

EIGENTLICH… Sie hat nur noch ein paar Münzen in der Tasche. Ein Bankkonto besitzt sie nicht. Nicht einmal mehr einen Mann. Einen Versorger. Eigentlich hat sie wirklich kein Geld, als sie vor dem Opferkasten im Tempel ihres Gottes steht. Eigentlich.

EIGENTLICH… Ihr Schreibtisch ist am Überquellen. Die Arbeiten, die sie unbedingt noch korrigieren muss, bilden bedrohliche Stapel. Eigentlich hat sie wirklich keine Zeit, als das Telefon klingelt und ihre Schwester sie dringend um Rat fragt. Eigentlich.

Ich wünsche Ihnen Segen und Liebe bei all Ihrem Tun!
Ihre Pfarrerin
Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Wir bitten Dich, Herr, für die Beziehungen, in denen wir stehen:

Lass unsre Liebe ohne Wanken,
die Treue lass beständig sein.
Halt uns in Worten und Gedanken
von Zorn, Betrug und Lüge rein.
Lass uns doch füreinander stehn,
gib Augen, andrer Last zu sehn.

Lehr uns, einander zu vergeben,
wie du in Christus uns getan.
Herr, gib uns teil an deinem Leben,
dass nichts von dir uns scheiden kann.
Mach uns zu deinem Lob bereit,
heut, morgen und in Ewigkeit.

Amen

(Gebet nach Nr. 240 im Evangelischen Gesangbuch „Du hast uns, Herr, in dir verbunden“)

Zuhören

5. Februar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Zuhören ist nicht immer leicht. Wenn einem der Partner, die Kinder, eine Freundin etwas erzählt, sind wir doch manchmal gar nicht bei der Sache. Es interessiert uns nicht, wir haben gerade etwas ganz anderes im Kopf, vielleicht kennen wir ja auch schon alles und das Gegenüber geht uns eher auf die Nerven. Oder aber: Man würde viel lieber selbst erzählen als dem anderen zuzuhören. Das alles erleben wir im Alltag immer wieder. Und das ist meistens auch nicht tragisch, weil es oft ja wirklich keine wichtigen Dinge sind, die uns zu Ohren kommen.

Manchmal aber ist zuhören wichtig. Manchmal haben die, die mit uns reden, ernsthafte Sorgen. Ob ein lieber Mensch gestorben ist, ob die Kinder auf den falschen Weg zu kommen drohen, ob die Gesundheit erhalten bleibt oder das Geld nicht reicht bis zum Ende des Monats. Auch so etwas hören wir immer wieder, und da ist es schon wichtig, auf den anderen zu hören. Denn die Sorgen drängen und können quälen. Sie jemandem anzuvertrauen bringt Erleichterung. Wenn der aber gar nicht zuhört, sind wir enttäuscht, vielleicht sogar verärgert.

Denn jeder hat seine Sorgen, mal mehr, mal weniger. Und jeder erlebt, dass es guttut, sie von der Seele zu reden. Normalerweise weiß man auch, wem man sich anvertrauen kann, einem Menschen jedenfalls, zu dem man Vertrauen hat, mit dem man sich versteht, der Verständnis hat und der – zuhört. Der jedenfalls nicht gleich von sich erzählt oder einen schnellen Rat bereit hat, sondern sich erst einmal einlässt auf das, was er hört.

Für viele Menschen kann auch Gott dieses Gegenüber sein, dem sie sich anvertrauen. Das mag in einem persönlichen Gebet geschehen. Oder in einem Gespräch, um dann gemeinsam vor Gott zu bringen, was einen belastet. Das ist der Sinn der Beichte – die es ja auch in der evangelischen Kirche gibt, nur eben nicht als Pflicht, sondern als Angebot und Chance.

Und Gott hört zu. Darauf dürfen wir vertrauen. Er hört uns und unsere Sorgen, wir dürfen ihm unser Leid klagen und, wenn es sein muss, sogar zornig auf ihn sein. Das ist der erste Schritt, dass wir loswerden, was uns belastet. Ob wir allerdings seine Antwort hören, das ist noch nicht ausgemacht. Manchmal kommt es uns so vor, als gäbe es keine. Aber manchmal spüren wir tief in unserem Inneren, dass er mit uns spricht, uns erleichtert und uns auf eine gute Bahn bringt. Das werden keine konkreten Tipps und Ratschläge sein, aber die erhalten wir von der Telefonseelsorge, in der Psychologie-Praxis oder beim Gespräch mit der Pfarrerin so auch nicht. Was wir konkret tun sollten, das müssen wir selbst entwickeln, das kann uns niemand abnehmen.

Gott spricht aber noch auf eine andere Weise zu uns. Jedenfalls hat er das getan, und das haben Menschen in dem großen Buch aufgeschrieben, das wir die Bibel nennen. Und das, was sie in ihrem Glauben erfahren haben an Antworten Gottes auf ihre Fragen, kann auch für uns Antwort sein auf unsere Fragen. Sozusagen vorab, bevor wir uns selbst an Gott wenden. Deshalb ist es gut und richtig, in der Bibel zu lesen oder sich auf andere Weise mit ihren Gedanken, Geschichten und Geboten zu befassen. Oder mit anderen Worten: Auf Gottes Wort zu hören.

Denn Ohren haben wir, und zuhören können wir auch – wobei das ja nicht nur bei gehörlosen Menschen auch schriftlich geschehen kann. „Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ sagt Jesus immer wieder zu seinen Zuhörerinnen und Zuhörern. Oder mit den Worten des frühchristlichen Theologen, der den Hebräerbrief verfasst hat: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht.“

Bleiben Sie behütet, gesund und guten Mutes
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn

Im Bild: „Der Lauscher“, Holzrelief des Münchner Bildhauers Karl Hemmeter (1904-1986) an der Kanzel der Evangelischen Kreuzkirche, Hanau-Lamboy (Aufnahme: M. Ebersohn)

Mittagsgebet

Wir danken dir, Herr, dass du kein stummer Gott bist,
sondern mit uns redest.
Wir danken dir, dass du kein verborgener Gott bist,
sondern als Mensch unter uns Menschen warst
und bei uns bleiben willst.
Wir danken dir, dass du kein tauber Gott bist,
sondern von uns hören willst,
was uns Freude und was uns Kummer macht,
was uns begeistert und was uns empört,
was wir uns wünschen und wovor wir uns fürchten.

Wir bitten dich: Gib uns den Geist, der alles neu macht,
damit wir lernen,
neu zu hören, was dein Wort uns zu sagen hat,
und neu zu sehen, was wir zu tun haben,
und aufs Neue vor dich zu bringen, was uns bewegt.

Amen.

Eine Frage des Stils

26. Januar 2021 by ekro Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienst

Liebe Leserin, lieber Leser,

Stil ist wichtig. Ohne Stil kommt man heute nicht aus. In vielen Zeitungen gibt es eine eigene Rubrik des Stils. Da geht es um Mode, Parfüms, Accessoires; selbst für stilvoll gestaltete und deswegen auch nicht ganz billige Gartenmöbel gibt es einen Markt.

Stil ist auch in der Politik wichtig. Ein schnittiges Aussehen, verbunden mit einem Adelstitel, der Lektüre des Philosophen Platon im griechischen Urtext im Urlaub, aber auf der anderen Seite Begeisterung für Ramstein – das macht Eindruck! Wenn man dann noch rhetorisch begabt ist und den richtigen Blickwinkel fürs Foto bietet, kann nichts mehr passieren. Wie langweilig kommen da manche Politiker daher, die einfach ihr Tagesgeschäft betreiben, ab und zu im Parlament das Wort ergreifen und ansonsten vielleicht noch Spezialisten für politische Themen sind, die scheinbar weniger interessant sind.

Auch unter Jugendlichen ist Stil keine Nebensache. Früher musste es auf jeden Fall Markenkleidung sein, heute das richtige Smartphone. Wer nun sagt, das sei doch früher ganz anders gewesen, in der guten alten Zeit habe man mehr auf Substanz gebaut und sich weniger nach dem Auftreten eines Menschen gerichtet, der irrt!

Wir wissen aus der Physik und aus dem alltäglichen Leben: Sehen können wir dank des Lichts. Die hübschesten Menschen, die stilvollsten Kleider und Möbel, selbst die Schöpfung um uns herum können wir nur wirklich genießen, wenn wir sie auch sehen können. Selbst wenn man einwenden mag, daß vieles Wunderbare auch gehört, gerochen und ertastet werden kann – zum Sehen gehört auf jeden Fall das Licht; ohne das Licht wären unsere Augen nutzlos.

Wie wir uns in der Dunkelheit nach Lichtquellen umsehen, eine Kerze entzünden oder den Lichtschalter betätigen, so brauchen wir auch in den Sorgen, Ängsten und anderen Finsternissen unseres Lebens ein Licht, das uns scheint und die Sorgen und Ängste vertreibt. Ich denke da an den Schöpfer, der schon bei der Schöpfung der Welt die Finsternis vertrieben und das Licht in die Welt gebracht hat; ohne Licht wäre das Universum kalt und leer. Dieses Licht erreicht aber nun auch die Herzen der Menschen. Verborgen in einem scheinbar unscheinbaren Menschen wie Jesus von Nazareth erscheint dieses Licht in der Welt, wird von den Mächtigen der damaligen Zeit fast zum Erlöschen gebracht und kommt durch Kreuz und Auferstehung doch gerade erst richtig zum Aufleuchten.

Der christliche Glauben nimmt das Leiden ernst. Leiden ist schlimm. Das sehen wir gerade während dieser Corona-Pandemie. Und wo das Lindern von Leiden in den Kräften der Menschen liegt, da sollte das Leiden auch vermieden werden. Leiden soll nicht gesucht werden. Aber wo es über einen fällt, darf und kann man Trost suchen in diesem einen Herrn Christus. Er ist nicht nur damals gestorben und auferstanden. Sondern er stirbt und lebt in uns. Wir gehen durch den Tod hindurch ins Leben. Und das jetzt schon.

Zuletzt: Es geht nicht um das Äußere, um Stil, um das Auftreten. Christus kann man gar nicht hervorlocken mit Stil oder Stillosigkeit, sicherem oder unsicherem Auftreten, dem Hantieren mit dem neuesten Smartphone oder dem Festhalten am Drehscheibentelefon. Uns sind so viele Dinge im Leben aufgegeben. Wir können so viel Dank sagen; und die Probleme, die Bedrängnisse und Anfechtungen kommen von allein! In diesen Bedrängnissen und Anfechtungen ist aber nicht ein Weniger an Herrlichkeit Gottes zu finden. Nein, diese Herrlichkeit scheint immer in unseren Herzen. Selbst in den Situationen, in denen wir keinen Anlass zum Dank haben, bleibt dieses Geschenk Christi uns immer erhalten.

Bleiben Sie wohlbehütet in Glauben und Zuversicht!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Die Gedanken zum Sonntag zum Nachhören finden Sie hier oder auch per Telefon unter 06184-55128

Mittagsgebet

Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit,
durchbricht die Nacht und erhellt die Zeit.
Licht der Liebe Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.
Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.

Ein Licht weist den Weg, der zur Hoffnung führt,
erfüllt den Tag, dass es jeder spürt.
Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.
Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.

Ein Licht macht uns froh, wir sind nicht allein.
An jedem Ort wird es bei uns sein.
Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.
Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.

Evangelisches Gesangbuch (EG 557)

Schnee

22. Januar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Ich liebe es, wenn es schneit. Mein Heimatort im nordhessischen Bergland wird ein- bis zweimal im Jahr von einer dichten Schneedecke überzogen. Durch Millionen und Milliarden kleiner Schneeflocken, die vom Himmel herabtanzen, wird die Welt vor meinen Augen verwandelt. Alles sieht so rein und sauber, so ordentlich und aufgeräumt aus.

„Rings herum, wie ich mich dreh‘,
nichts als Schnee und lauter Schnee.
Wald und Wiesen, Hof und Hecken,
alles steckt in weißen Decken.
Und im Garten jeder Baum,
jedes Bäumchen voller Flaum!
Auf dem Sims, dem Blumenbrett
liegt er wie ein Federbett.
Auf den Dächern um und um
nichts als Baumwoll‘ rings herum.“

So beschreibt der Dichter Friedrich Güll im 19. Jahrhundert den Zauber des Schnees.

Und noch etwas geschieht, wenn es schneit: Der Schnee verschluckt alle Geräusche. Die Welt wird still.

Am Ende eines Skitages in den Berner Alpen genieße ich es manchmal, zusammen mit einem Freund auf der Bergspitze im Schnee zu sitzen und abzuwarten, bis alle Lifte stillstehen. Diese letzte halbe Stunde, bevor die Sonne hinter der Bergkette verschwindet, ist eine besonders intensive Zeit. Die Lifte haben angehalten. Die Motoren der Pistenraupen und Skibobs sind verstummt. Die Welt um mich herum scheint still zu stehen. Keiner von uns spricht ein Wort. Ich wage kaum zu atmen, so still ist es auf einmal. Und allmählich fange ich an zu lauschen… Zu lauschen, ob ich nicht doch irgendein Geräusch hören kann. Den Schrei eines Vogels in der Ferne. Die Geräusche eines Helikopters aus dem Nachbartal. Irgendein Geräusch. Aber nichts. Kein einziger Mucks ist zu hören. Nach einigen Minuten lasse ich den Schnee unter meinen Skischuhen knirschen, nur um sicher zu gehen, dass es nicht an mir liegt, dass ich nichts höre. Dass ich noch die Fähigkeit habe, hören zu können, wenn es etwas zu hören gibt.

„Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ (Lukas 8,8), fordert Jesus seine Jünger auf. Leichter gesagt als getan, möchten wir heute mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaft und der modernen Lernpsychologie sagen. Denn inzwischen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass wir nur etwa 20% aller Informationen über unser Gehör aufnehmen. Der auditive Lernkanal ist bei den meisten von uns also gar nicht besonders stark ausgeprägt. Weit mehr Informationen nehmen wir durch Sehen oder durch Sehen, Hören und Tun auf. Mein Bibelkunde-Lehrer sprach gerne von der biblischen HUT-Methode: Es geht um‘s Hören und Tun.

Als ich mich auf meine Ordination als Pfarrerin vorbereitet habe, wurde mir ein Satz aus unserem Ordinationsversprechen besonders wichtig. Er steht gleich zu Beginn, im ersten Absatz und beschreibt den Dienst einer Pfarrerin und eines Pfarrers so: „Unser Dienst besteht darin, zu hören und zu beten“ – und dann folgen all die Tätigkeiten, die sich in Statistiken erfassen und messen lassen: Predigt und Sakramentsverwaltung, Gottesdienste, Seelsorge und Unterricht, Diakonie, Mission und Ökumene. Aber, zu Beginn allen Dienstes steht das Hören und Beten.

„Wer Ohren hat zu hören, der höre“, Jesus meint hier also mehr als nur, ein akustisches Signal zu empfangen. Hören in Jesu Sinne beginnt da, wo wir damit rechnen, dass Gott mit uns reden möchte. Uns etwas zu sagen hat – und zwar etwas, das uns helfen und verändern wird, uns heilen und in eine Aufgabe rufen wird. Das freilich geht nur, wenn wir auch hören wollen, was Gott uns sagen möchte.

„Samuel, Samuel“, ruft Gottes Stimme den zukünftigen Propheten Israels. Samuels Antwort wurde seither zur Antwort vieler Menschen, die Gottes Stimme in ihrem Leben hören wollten. Samuel antwortet: „Rede, denn dein Knecht hört!“ (1 Samuel 3,10). Um Gottes Wort zu hören, braucht es ein „aufrichtiges und bereitwilliges Herz“ (Lukas 8,15, Neue Genfer Bibel). Es braucht das offene Herz einer Maria, von der es bei Lukas heißt: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Es braucht das tatkräftige Herz eines Josef, von dem Matthäus erzählt: „Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Matthäus 1,24) Es braucht das veränderungsfähige Herz eines Paulus, der sich durch Jesu Stimme von seinem Weg und seinen Plänen abbringen lässt und es zulässt, in der Tiefe seines Herzens erneuert zu werden – aus Saulus wird Paulus, aus dem Christenverfolger einer, der Jesus bezeugen und einmal als Zeuge sein Leben für Jesus lassen wird. Um Gottes Wort zu hören, braucht es ein „aufrichtiges und bereitwilliges Herz“ (Lukas 8,15, Neue Genfer Bibel).

Ich wünsche uns zu Beginn dieses Jahres
wieder neu ein hörendes Herz!
Ihre Pfarrerin
Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Du weckst mich alle Morgen,
du weckst mir selbst das Ohr.
Du hältst dich nicht verborgen,
führst mir den Tag empor,
dass ich mit deinem Worte
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
bist du mir nah und sprichst.

Du sprichst wie an dem Tage,
da du die Welt erschufst.
Da schweigen Angst und Klage;
nichts gilt mehr als dein Ruf.
Das Wort der ewgen Treue,
die du uns Menschen schwörst,
erfahre ich aufs neue
so, wie ein Jünger hört.

Du willst mich früh umhüllen
mit deinem Wort und Licht,
verheißen und erfüllen,
damit mir nichts gebricht;
willst vollen Lohn mir zahlen,
fragst nicht, ob ich versag.
Dein Wort will helle strahlen,
wie dunkel auch der Tag.

(Gebet nach Nr. 452 im Evangelischen Gesangbuch „Er weckt mich alle Morgen“)

Wasser zu Wein

15. Januar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Eltern können voll peinlich sein. Besonders wenn sie cool sein wollen. Oder mit ihren Kindern angeben. Da waren Jesus und seine Freunde auf eine Hochzeit eingeladen. Seine Mutter auch. Dem Hochzeitspaar geht der Wein aus. Die Gäste sitzen auf dem Trockenen. Wirklich blöd. Aber eigentlich nicht Jesus Problem. Doch seine Mutter stupst ihn an: „Sie haben keinen Wein mehr!“ – sprich: Mach was dagegen! Nur gut, dass Jesus da keine 14 mehr ist. Aber gefallen hat es ihm nicht, dass seine Mutter so mit ihm angibt. „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Auf gut Deutsch: Lass mich in Ruhe, Mutter! Aber wie brave Söhne so sind. Er tut ihr den Gefallen. Und außerdem wär’s ja wirklich schade um die Stimmung, wenn es nichts mehr zu trinken gäbe.

Ein kleiner Familienkonflikt auf einer Party. Der Sohn gibt nach und zeigt widerwillig, was in ihm steckt. Eine Alltagsgeschichte, doch mit einem starken Ende: Wasser wird zu Wein. Ja, die Geschichte beeindruckt. Wenn Sie irgendwelche Leute auf der Straße nach den Wundern Jesu fragen, dann kann ich Ihnen fast garantieren, dass dieses Wunder auf der Hochzeit zu Kana zuerst genannt wird. Jesus hat Wasser in Wein verwandelt. Und er ist über’s Wasser gelaufen. Das sind die Wunder, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben, wenn es um Jesus geht.

Ich weiß nicht, warum gerade diese Wunder so bekannt sind – vielleicht, weil man sie vom Gottessohn am Wenigsten erwarten würde. Nicht mit der Heilung von Kranken oder der Auferweckung von Toten beginnt im 2. Kapitel des Johannesevangeliums das öffentliche Wirken Jesu, sondern mit diesem Wein-Wunder. Vielleicht steckt hinter der Geschichte doch mehr als ein kleiner Familienkonflikt mit feucht-fröhlichem Ausgang.

Wein ist etwas für Friedens- und Freudenzeiten. Weinstöcke brauchen intensive Pflege. In Kriegs- und Notzeiten ist Weinbau schwer möglich. Brot ist das Grundnahrungsmittel und Wein das Festgetränk. Bei Wasser und Brot sitzt man sprichwörtlich im Gefängnis ein. Um fröhlich zu feiern, braucht es den Wein. Ein starker Auftakt: Mit Jesus wird das Leben zum Fest.

Und noch etwas: Für sein Wein-Wunder lässt Jesus die Reinigungskrüge mit Wasser füllen – sicher nicht nur, weil sie als große Gefäße so praktisch waren. Das Wasser in diesen Tonkrügen wurde nicht einfach zur Körperpflege verwendet, sondern zur rituellen Reinigung, zur Abwaschung von Sünden. Jesus befreit. Von Krankheit, von Sünde und Tod. Das ist von Anfang an die Botschaft des Evangeliums.

Jesus kommt genau zu denen, die nichts zu lachen haben. Aber das ist kein Argument gegen das Lachen. Und dass er den Armen hilft, ist kein Plädoyer für die Armut. Mit Jesus feiern wir das Fest des Lebens. Gerade weil wir um die Grenze dieses Lebens wissen. Um Leid und Tod. Um Ungerechtigkeit und Gewalt. Um Krieg und Terror. Mit Jesus bricht sich eine neue Qualität des Lebens Bahn. Das gilt es zu feiern.

Wenn wir jetzt in unseren Corona-Einschränkungen zuhause sitzen und uns so gar nicht zum Feiern zumute ist, macht mir diese Geschichte Mut. Es gibt auch in der Krise überraschende Wendungen zum Leben und zur Zuversicht. Klar, wir sind nicht Jesus. Wir vollbringen keine großen Wunder. Aber mit etwas Fantasie und Kreativität schaffen wir auch im Lockdown kleine Wunder der Lebensfreude und lassen die nicht allein, die besonders von dieser Krise getroffen sind. Manchmal brauchen wir nur jemand, der uns anstupst – es muss auch gar nicht die Mutter sein!

Bleiben Sie behütet und zuversichtlich!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Diese Andacht können Sie auch hier anhören.

Mittagsgebet

Unser Leben sei ein Fest, / Jesu Geist in unserer Mitte, / Jesu Werk in unseren Händen. / Jesu Geist in unseren Werken. / Unser Leben sei ein Fest / an diesem Morgen (Abend) und jeden Tag.

Unser Leben sei ein Fest, / Brot und Wein für unsere Freiheit. / Jesu Wort für unsere Wege, / Jesu Weg für unser Leben. / Unser Leben sei ein Fest / an diesem Morgen (Abend) und jeden Tag.

(Evangelisches Gesangbuch Nr. 555)

Gedanken zum neuen Jahr

9. Januar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Traditionell endet die Zeit des Wartens, die sogenannte Adventszeit, am Heiligen Abend vor der Christvesper und der anschließenden Bescherung. Oft haben wir sonst nach Vergleichen gesucht, was denn „Warten“ eigentlich bedeutet:

Warten… Wie Kinder gespannt auf die Bescherung warten.

Warten… Wie die Landwirtin nach der Aussaat auf das Wachsen und Gedeihen der Saat wartet – und doch den Wachstumsprozess nicht beschleunigen kann.

In diesem Jahr müssen wir gar nicht nach Vergleichen suchen, was „warten“ denn bedeutet. Dieses Jahr befinden wir uns auch nach der Bescherung an Heiligabend noch im Warte-Modus. Wir sind Wartende – und das schon seit fast 9 Monaten und nicht erst seit Beginn der Adventszeit.

Auf was warten wir?

Wir warten

…auf die Herstellung und gerechte Verteilung eines Impfstoffes

…auf das wiedergewonnene Gefühl von Sicherheit.

…auf eine Rückkehr unserer Bewegungs-, Besuchs- und Reisefreiheit.

…auf ein Ende der Hiobsbotschaften aus den europäischen Nachbarländern und aus unserem eigenen Gesundheitssystem

Wie wird dieses Jahr 2020 also in die Geschichtsbücher eingehen?

Als ein Jahr hoher Infektions- und Todeszahlen im Zusammenhang mit Covid-19? Ein Jahr der Beschränkungen und Entbehrungen. Der Verordnungen und Allgemeinverfügungen.

Als ein Jahr fremdenfeindlicher Übergriffe? – „Black lives matter“.

Als ein Jahr der Querdenker und Straßenprotestler? Der wirtschaftlichen Zusammenbrüche. Der abgeriegelten Seniorenheime und überfüllten Gemeinschaftsunterkünfte. Als ein Jahr häuslicher Gewalt und zunehmender Chancenungleichheit für Unterprivilegierte im Bildungsbereich.

Ja, es stimmt, auf die Verteilung eines Impfstoffes an alle, die auf eine schützende Impfung hoffen, warten wir noch. Aber für vieles andere, was nicht zuletzt auch durch die Covid-19-Pandemie neu ans Licht der Öffentlichkeit und in unser Bewusstsein gerückt ist, haben wir bereits ein Mittel. Stoff für Querdenker. Ein uraltes Haus– und Heilmittel. Unerschöpflich in seiner Verfügbarkeit. Gut bekömmlich, wenn auch nicht ohne Folgen. Das Mittel ist erhältlich unter dem uralten Namen Barmherzigkeit. Und unsere Jahreslosung für 2021 formuliert das so: Jesus Christus spricht:

„Seid barmherzig,
wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6,36)

Um seinen Jüngern zu veranschaulichen, was er damit meint, erzählt Jesus Geschichten: Die Geschichte des barmherzigen Samariters (Lukas 10), die Geschichte des barmherzigen Vaters(Lukas 15).

Und konkret erklärt Jesus: „Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben.“ (Lukas 6,37)

Barmherzigkeit ist nach dem Neuen Testament nicht eine natürliche Eigenschaft von uns, sondern eine Eigenschaft von Gott (misericordia Dei). Aus freien Stücken öffnet Gott sein Herz für unsere Not und nimmt sich unserer Sorgen an – nicht abwartend, sondern überaus aktiv.

Solche Barmherzigkeit ist eine Haltung, die uns geschenkt wird. Die uns Gott zur Verfügung stellt, um damit unser menschliches Miteinander zu gestalten — individuell und strukturell, familiär und gesellschaftlich.

Denn die Haltung der Barmherzigkeit ist kein Einzelkind — sie tritt immer zusammen mit ihrer Schwester auf, der Gerechtigkeit. Wo Barmherzigkeit als Haltung unter uns einkehrt, da wird auch Gerechtigkeit folgen. Wo wir uns übereinander erbarmen, ein herzliches Erbarmen empfinden angesichts der Nöte von Menschen in unserem Land und weltweit, da werden wir auch leidenschaftlich dafür eintreten, dass sich ihre Situation durch gerechtere Strukturen, gerechtere Arbeitsbedingungen und gerechtere Bildungschancen zum Besseren wendet.

Wenn wir mit einer neuen Haltung der Barmherzigkeit, mit einer neuen Sehnsucht nach Gerechtigkeit aus diesem Jahr in ein neues Jahr starten, dann hat sich unser Warten doch gelohnt. Dann ist Entscheidendes doch schon bei uns angekommen — eine Haltung der Barmherzigkeit, wirksam in den vielfältigen Nöten unserer Zeit.

Ein frohes und gesegnetes neues Jahr
unter Gottes Schutz und Segen wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin
Katharina Bärenfänger

Diese Gedanken zum neuen Jahr können Sie auch hier anhören:

Mittagsgebet

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Der Herr ist groß und sehr zu loben,
und seine Größe ist unausforschlich.
Kindeskinder werden deine Werke preisen
und deine gewaltigen Taten verkündigen.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

Dein Reich ist ein ewiges Reich,
und deine Herrschaft währet für und für.
Der Herr ist getreu in all seinen Worten
und gnädig in allen seinen Werken.
Der Herr hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf
und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn ernstlich anrufen.
Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

(Psalm 145, Evangelisches Gesangbuch Nr. 756)

„Da sie den Stern sahen …“

6. Januar 2021 by ekro Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben

„Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut.“ heißt es bei Matthäus im 2. Kapitel. Die Weisen aus dem Morgenland sind einem Stern gefolgt. Für Matthäus sind sie Vertreter der geistigen Elite der heidnischen Welt.

Bald schon im Laufe der Überlieferung werden sie zu Königen, Vertreter der Machtelite also. Verständlich, denn mit Gold, Weihrauch, Myrrhe haben sie königliche Geschenke im Gepäck. Und sie treffen auf die politische und religiöse Aristokratie Israels. Da begegnet man sich am Besten auf Augenhöhe.

Aber bei Matthäus lesen wir im griechischen Original von Magiern und können das zurecht mit Weisen oder Sterndeutern übersetzen. Wieviel, wird nicht gesagt. Im Volksglauben stand noch lange nicht fest, wie viele sie eigentlich sind. In Syrien erzählte man, es seien 12 gewesen. In Europa werden es im Mittelalter drei – schließlich eben die „Heiligen Drei Könige“.

Die Zahl 3 verweist auf die Vollkommenheit und die Menschheit als Ganze. So werden die drei Könige als Jüngling, als Mann in den besten Jahren und als Greis dargestellt; oder sie sind weiß, braun und schwarz und vertreten so die drei Erdteile der alten Welt – Europa, Asien und Afrika. Ich bin gespannt, ob die symbolische Ausgestaltung der Geschichte noch weitergeht. Es wär Zeit für Königinnen.

Sie brechen auf, ziehen los und legen einen weiten Weg zurück. Doch als sie meinen, sie seien am Ziel, geht die Suche von Neuem los. Sie fragen und hören und lassen sich nicht beirren, schlagen eine neue Richtung ein und ziehen wieder los, bis sie an völlig unerwarteter Stelle am Ziel sind. Es ist eine Lebensreise, die sich in dieser Geschichte widerspiegelt.

Das macht diese Weisen so anziehen für uns. In Ihnen können wir uns selbst erkennen. Auch wir sind in unserem Leben immer wieder auf der Suche. Wir suchen Glück und Anerkennung, Geborgenheit und Liebe. Oder in den Worten der Bibel: Wir suchen unser Heil – das, was uns heilt. Wir merken aber auch, wie schwer das ist. Dazu müssen wir uns auf den Weg machen, das Vertraute hinter uns lassen und etwas Neues wagen. Das erfordert Mut.

Die Suche ist nicht ziellos. Dafür steht der Stern. Ob dabei ein tatsächliches Phänomen am Sternenhimmel um die Zeitenwende zugrunde lag, ist unter Astronomen umstritten. Im Grunde ist es unwichtig. Entscheidend ist die symbolische Bedeutung des Sterns. Er macht deutlich, dass hinter der langen Suche die Führung Gottes steht, der dafür sorgt, dass die Suchenden nicht umsonst auf dem Weg sind. Allerdings endet sie an einer Stelle, an der die Leute aus dem Osten es zuletzt vermutet hätten.

Sie meinten am Ziel zu sein, als sie in Jerusalem waren. Ganz selbstverständlich erwarteten sie einen machtvollen König, so wie wir uns heute ganz natürlich eine starke Führungspersönlichkeit wünschen, die mit Macht eingreift und für Gerechtigkeit sorgt, die Verhältnisse der Erde verändert und die Menschen innerlich umdreht, auch wenn sie nicht wollen. Aber das ist eine Sackgasse.

Wir finden das Ziel nur, wenn wir – mit den Worten des Theologen Klaus Wolff – »wie die Weisen den König suchen und das Kind finden, den Herrn suchen und den Knecht finden, nach den Sternen greifen und den Menschen finden«.

Das aber erfordert Mut: Mut, den gewohnten Weg zu verlassen – Mut, Neuland zu betreten. Die Weisen aus dem Morgenland hatten diesen Mut. Diese Menschen aus einem fernen Land, die Gott gar nicht kannten – Heiden hat man damals gesagt – diese Fremden haben im Kind in der Krippe den Ausgangspunkt für ein neues Leben gefunden.

Diesen Mut wünsche ich uns. Der Weg zu einem gelungenen, einem heilen Leben führt uns dabei durch Hell und Dunkel, über Höhen und Tiefen. Es ist eine Reise, die auch Zweifel und Enttäuschungen mit sich bringen kann. Dennoch ist es eine Reise unter einem guten Stern, dem Stern Gottes. Denn es ist die Lebensreise von uns Menschen zu Gott.

Ich wünsche uns allen, dass wir nicht stecken bleiben, uns nicht festfahren in den Sackgassen des Lebens, sondern dass wir uns immer wieder auf den Weg machen zu einem neuen Leben. Denn das Kind in der Krippe will sich von uns finden lassen und der Stern Gottes wird uns dabei leuchten.

Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Diese Gedanken zu den Heiligen Drei Königen können Sie auch hier anhören: