Glaube & Leben

Der Fischzug des Petrus – zu Lukas 5,1-11

10. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Gedanken zum Sonntag

Zwei Boote liegen am Ufer des großen Sees. Die Fischer haben eigentlich schon den Arbeitstag beendet, sind am Saubermachen, da steigt Jesus in das eine Boot und bittet den Fischer, hinauszufahren und die Netze auszuwerfen. Der protestiert zwar, weil er sich die ganze Nacht abgemüht, aber nichts gefangen hat. Es erscheint ihm sinnlos, es noch einmal zu probieren. Außerdem ist er müde. Trotzdem fährt er noch einmal hinaus, weil Jesus es wünscht, und siehe da – die Netze werden so voll, dass sie fast zerreißen.

Bild: www.pexels.com

Simon heißt dieser Fischer, ein einfacher Mann am See Genezareth, der mit seiner Familie vom Fischfang lebt. Wir kennen ihn mit seinem griechischen Namen Petrus, und ihm eilt der Ruf voraus, der erste Jünger Jesu gewesen zu sein. Später war er dann der wichtigste, eine Art Stellvertreter. Deshalb steht für die katholische Kirche der Papst in seiner Nachfolge.

„Hab keine Angst!“, sagt Jesus. „Von jetzt an wirst du Menschen fischen!“ Dieser Satz ist wie eine Berufung in dieses Amt. Petrus soll den Geist Jesu und seine Botschaft von Gottes Liebe und Güte weitertragen. Er soll derjenige sein, um den herum sich die zu gründende Gemeinde schart. Und das tat sie nach Jesu Tod ja auch.

Wir wissen heute nicht mehr, ob und inwieweit Petrus dies gelang, Menschen zu fischen. In der Bibel erscheint er oft eher blass, manchmal gar als Hasenfuß, der Jesus verleugnet, als es ernst wird. Und doch sind immer wieder Menschen in die Straßen und auf die Plätze gegangen, um Menschen für den neuen Glauben zu gewinnen. Sie haben diesen Satz Jesu, der an Petrus gerichtet war, sich auch selbst zur Aufgabe gemacht.

Menschen zu fischen ist natürlich schwierig. Man muss sie interessieren, überzeugen, für die Sache Gottes gewinnen. Aber dazu müssen sie erst einmal zuhören, müssen das spannend finden, was die Kirche zu sagen hat. Für Jesus selbst war das einfach. Er hat sich auch von einem Fischerboot aus an die Menschenmenge gewandt und ihnen gepredigt, doch da war er schon ziemlich bekannt im Volk und ein Prediger von Gottes Liebe und Güte, von dem man sich erzählte. Die Leute waren wegen ihm zusammengekommen.

Wir müssen andere Wege finden, damit Menschen uns zuhören. Allein von Gott zu erzählen, reicht meistens nicht aus. Da ist Kreativität gefragt, Offenheit und viel Geduld, denn oft sind auch wir frustriert, weil sich die Menschen nicht so einfach fischen lassen. Petrus jedoch hatte Jesus vertraut, ist trotzdem hinausgefahren – und war nachher überglücklich, dass seine Netze voll waren.

Deshalb sollten auch wir immer wieder in unsere Welt hinausgehen, zu den Menschen, dorthin, wo sie leben. Und vielleicht erleben auch wir, dass sich weit mehr Menschen finden lassen, als wir uns geträumt hatten. Das Zutrauen in Jesus kann uns den Mut dazu geben. Und die Geschichte vom Fischzug des Petrus auch.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn

Die Kraft der Liebe

3. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Gedanken zum Sonntag

„Einer trage des andern Last“, das fordert der Apostel Paulus von den Menschen in den Gemeinden, die er selbst gegründet hat. Es geht also um gegenseitige Unterstützung, um Nächstenliebe, darum, dass man sich nicht allein durchs Leben schlägt, sondern mit anderen gemeinsam die Dinge meistert, die einem das Leben schwer machen können. Dies ist, so Paulus, das „Gesetz Christi“, also sein Wille und das, was er uns vorgelebt hat.

Für Paulus und seine Gemeinden war das lebenswichtig. Die Christinnen und Christen jener Zeit waren ja keine anerkannte und rechtlich abgesicherte Religionsgemeinschaft mit eigenen Gebäuden und steuerlichen Vorteilen. Sie bildeten kleine versprengte Gemeinden, die von ihrer Umwelt argwöhnisch betrachtet wurden und manchmal sogar Verfolgungen durch den römischen Staat zu erleiden hatten. Da war es wichtig, nach innen eine funktionierende Gemeinschaft zu bilden, sich im eigenen Kreis einig zu sein, sich gegenseitig zu unterstützen und, wenn es sein muss, auch zu tragen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass die kleinen Gemeinden untergehen und die einzelnen Glieder dieser Gemeinden sich allein in der wenig freundlichen Umwelt bewähren müssen. Aber die Gemeinden haben überlebt, sind im Laufe der Zeit sogar gewachsen. Immerhin ist ja eine weltweite Kirche daraus geworden. Die Gläubigen damals waren sich sicher, dass das „Gesetz Christi“ eine tragfähige Richtschnur ist, mit der das Zusammenleben in Frieden, Freude und gegenseitiger Liebe gelingen kann – und auch gelingt. Immerhin hat ihr Herr Jesus Christus ihnen ja vorgelebt, wie das gehen kann: mit Anteilnahme am anderen, mit Barmherzigkeit gegenüber dem Bedürftigen, mit Vergebungsbereitschaft gegenüber Angriffen, aber auch mit Klarheit und wenn nötig Kritik an den herrschenden Verhältnissen. Damit haben sie kleine Gemeinden gegründet, in denen das Leben anders war als in der manchmal bedrohlichen Umwelt: enger, friedlicher, liebevoller und wahrscheinlich auch lebenswerter.

Kirche ist anders, das sagen wir auch heute noch manchmal. Die Kirchengemeinden funktionieren ja auch ein wenig anders als andere Gemeinschaften, auch wenn die Kirche im Laufe der Jahrhunderte viel von ihrer früheren Frische verloren hat, seit sie zu einer anerkannten gesellschaftlichen Organisation geworden ist. Aber die Besinnung auf das „Gesetz Christi“, auf die Ursprünge der ersten Gemeinden und deren Glauben kann helfen, auch heute noch anders zu sein: friedlicher, liebevoller, barmherziger und mit mehr Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn

Gedanken zum Sonntag

23. Juni 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Um Gottes weit geöffnete Vaterarme geht es am dritten Sonntag nach Trinitatis. In den Geschichten des Lukasevangeliums hören wir, wie Gott die empfängt, die verlegen und verlassen, vergessen und verloren zu ihm gelaufen kommen.

So muss der wahre Friede sein

„So ist Versöhnung, so muss der wahre Friede sein, so ist Versöhnung, so ist Vergeben und Verzeihen“, heißt es in einem Lied von Jürgen Werth. Als ich 14 Jahre alt war, haben wir es auf einer Jugendfreizeit fast jeden Abend am Lagerfeuer gesungen. Manchmal hatten wir es nötig, dieses Lied zu singen, weil es tagsüber zwischen uns Krach gegeben hatte. Bei den Wettspielen, draußen im freien Gelände, beim Tischdienst oder bei der Zeltwache. Meistens aber sangen wir es einfach nur, weil wir diese friedvolle Atmosphäre am lodernden Feuer so sehr liebten. Ja, hierher passte dieses Lied wirklich gut.

Bild: Pixabay

Mein Großvater war nur wenige Jahre älter als ich damals, als er als jugendlicher Soldat während des Zweiten Weltkriegs nach Russland geschickt wurde. Mein Lieblingslied von Frieden und Versöhnung kannte er nicht. Aber was Frieden und Versöhnung in einem einzigen Augenblick für einen Unterschied machen können, das hatte er als Jugendlicher in Russland hautnah erfahren und mir als Enkelin später erzählt: „Bei einem Manöver sprang ich in einen Schützengraben – und sprang einem russischen Soldaten direkt auf die Füße. Für den Bruchteil einer Sekunde schauten wir uns beide an, starr vor Schreck. Wer wird schneller seine Waffe ziehen? Da legte ich dem russischen Soldaten meine Hand auf die Schulter und sagte: Kamerad! Diese Geste hat uns beiden das Leben gerettet“. Eine Geste des Friedens mitten im Krieg. Gerettet, obwohl eigentlich verloren.

Gottes Geste des Friedens, seine weit geöffneten Arme bedeuten genau das für uns: Gerettet, obwohl eigentlich verloren. Jesus selbst erzählt davon: Wie ein Vater mit weit geöffneten Armen und einem brennenden Herzen voller Liebe empfängt Gott sein Kind, das verlegen und verlassen, vergessen und verloren zu ihm kommt. Ja mehr noch, Jesus erzählt nicht nur davon, Jesus selbst steht mit seinem Leben dafür ein. Er lässt sich darauf festlegen, sogar festnageln: als Mann am Kreuz mit diesen weit ausgestreckten Armen für alle, die vergessen und verloren sind.
Wenn Gott so ist, dann traue auch ich mich zu ihm, so wie ich bin. Dann vertraue ich darauf: Hier begegne ich nicht verschränkten Armen, einer geballten Faust oder einem Gewehr im Anschlag. Hier begegne ich Gottes weit geöffneten Armen und einem Herzen voll brennender Liebe für mich.

„Wie ein Fest nach langer Trauer, wie ein Feuer in der Nacht, ein off‘nes Tor in einer Mauer für die Sonne aufgemacht. […] So ist Versöhnung. So muss der wahre Friede sein. So ist Versöhnung. So ist Vergeben und Verzeihen.“ (Jürgen Werth)

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Gedanken zum Sonntag

19. Juni 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser,

fast 4.000 Quadratmeter hatte der Pfarrgarten, der zu dem ersten Pfarrhaus gehörte, in das ich vor über 30 Jahre einzog, riesig war er. Wir haben immer wieder versucht, Ordnung hineinzubringen. Doch es war vergeblich. Wir kamen dem Unkraut, den wilden Brombeeren und den Brennnesseln nicht hinterher. Manch einer kennt das vielleicht. Mit Brombeerranken muss man fast kämpfen. Längst vertrocknet stechen sie immer noch. Und es ist nicht damit getan, die Ranken abzuschneiden. Wer nicht mit Hacke und Spaten die Wurzeln tief aus dem Boden holt, erlebt, dass sie im nächsten Jahr wieder austreiben und die ganze Plackerei von vorne los geht. Der Garten zeigte mir, wie viele Mühe im Leben vergeblich sein kann.

Bild: Peter Freitag / pixelio.de

Sinnlose Plackerei, der Garten, das Leben? Nein, trotzdem ist er der Mühe wert. Der Garten. Ich erlebe das Unkraut, die Früchte, das Wachsen und Vergehen, den Frühling und alle anderen Jahreszeiten. Endlose Gleichnisse von Sterben und Wiederauferstehen; Insekten und Vögel wohnen darin, Kleingetier, Eidechsen und Frösche.

Die Fülle des Lebens spiegelt sich im Garten wider. Die Bibel erzählt vom Garten Eden. Adam und Eva hatten ihn zu hegen und zu pflegen. Ernährten sich von den Früchten, blieben am Leben, weil es diesen Garten gab. Aber sie wurden daraus vertrieben, durch ihre Schuld, wie die Bibel berichtet. Symbolisch zeigt uns diese Geschichte, wie wir in diese Welt mit Ordnung und Chaos hineingekommen sind.

Der Garten Gethsemane erzählt diese Geschichte weiter: Dort rang Jesus nach Fassung, kämpfte er mit sich selber, wurde er verraten und gefangengenommen. Wieder wurde ein Mensch aus einem Garten herausgeholt und verschleppt. Durch die Schuld anderer Menschen.

Doch am Ende stehen nicht der Verrat, das Böse, auch nicht der Tod. Mit der Auferstehung Jesu sagt Gott ein für alle Mal „Ja“ zum Leben, zu diesem schönen, schweren, bunten und vielfältigen Leben mit den süßen Früchten und den Dornenranken. Wenn ich das nächste Mal über die Mühe fluche, die der Garten macht, will ich daran denken.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Sonntagsgedanken

12. Juni 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

Wir leben in einem freiheitlichen Land. Die Grundrechte garantieren uns unsere Freiheit. Klar gibt es Grenzen dort, wo andere zu Schaden kommen, verletzt oder beleidigt werden. Aber dennoch: „Jeder mag nach seiner Façon selig werden.“ wie es der Preußenkönig Friedrich II., formuliert hat. Wir können unser Leben nach unseren Vorstellungen gestalten. Wir können Meinen und Glauben, was wir wollen.

Doch dieser Pluralismus ist anstrengend. Schließlich birgt diese große Freiheit nicht nur Chancen, sondern auch Verantwortung. Mit konträren Meinungen geraten wir leicht aneinander. Es gibt Streit, jeder möchte Recht behalten. Mit Getöse und Lärm bringen wir uns in Stellung. Das erleben wir nicht nur in den Medien und der Politik. Auch hier bei uns im Kleinen – im Beruf, in der Familie, in unserer Kommune – ist das nicht selten. Absichtlich oder unbedacht verletzen wir einander. Statt eine wirkliche Lösung zu finden, setzt sich der vermeintlich Stärkere durch. Aber es sind nicht immer die Lauten stark, nur weil sie lautstark sind.

In der Christengemeinde in Korinth war der Apostel Paulus in solch einen Streit um den richtigen Weg verwickelt. Er gibt den streitenden Parteien dabei den Rat: „Alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Niemand suche das Seine, sondern was dem anderen dient.“ (1. Korinther 10,23-24) Paulus geht es nicht in erster Linie um die Frage, wer Recht hat. Er will aus den unterschiedlichen Ansichten der Christen keine Einheitsmeinung machen. Wir können trotz unserer verschiedenen Meinungen respektvoll miteinander umgehen. Entscheidend ist, im Anderen den Menschen zu sehen, nicht den Gegner oder gar den Feind. Gegenseitiges Zuhören ist dabei der erste Schritt. Mich in ihn hineinversetzen. Was treibt ihn an? Was hat er nötig? Verstehen ist der erste Schritt aus dem Streit heraus. Nicht immer steht am Ende ein Kompromiss. Manchmal sind die Positionen nicht vereinbar. Weil mir aber der Mensch am Herzen liegt, muss ich nicht darauf pochen, dass alles so sein muss, wie ich es für richtig halte. Ich kann damit leben, dass der andere „nach seiner Façon selig wird.“ Gegensätze aushalten ist keine Einschränkung der Freiheit, sondern einer ihrer Höhepunkte.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Unfug und der liebe Gott

5. Juni 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Gedanken zum Sonntag

Liebe Leserin, lieber Leser,

da schleppen wir uns durch das Leben mit all unserem Wollen und Hoffen. Und bei allem, was wir hinbekommen, entsteht immer auch das, was knapp danebengeht. Da hast du die beste Absicht, und dann geht es gewaltig schief. Was eigentlich gut und schön werden sollte, wird letztlich ärgerlich und schädlich.

Wo du Lob hättest hören können, hörst du dich selbst eine Entschuldigung aufsagen. Da hattest du versprochen jemandem zu helfen, und weil du dann doch nicht konntest, blieb die Hilfe aus. Den Brief mit der du den Freund trösten wolltest, schreibst du nicht, und es bleibt Trostlosigkeit. Du erzählst begeistert von deiner Arbeit und merkst gar nicht, wie du die Unzufriedenheit deines Kollegen immer schlimmer machst. Kurzum: Uns unterläuft viel Unfug in unserem Leben. Die Mausefalle fängt nicht die Maus, sondern – o weh – den großen Zeh des Vaters. Und als du ihn aufmuntern willst mit der Aussicht auf Köttbullar mit Kartoffelpüree und Preiselbeerkompott am Abend, fällt dir die Porzellanschüssel aus der Hand und dem Vater ins Gesicht. Ach, dir unterläuft ziemlich viel Unfug in deinem Kinderleben, lieber Michel!

Bei dem Jungen in Lönneberga ist es so wie in unserem Leben: „Unfug denkt man sich nicht aus. Unfug wird es ganz von allein“, schreibt Astrid Lindgren.

Michel weiß das selbst, das mit dem Unfug. Er weiß es auch ohne den Tischlerschuppen, ohne die als Besinnungsgelegenheit getarnte Bestrafung – ach, wie Eltern das manchmal so machen! Der Vater weiß das, das mit dem Unfug, es treibt ihn in den Wahnsinn! Und der Vater im Himmel weiß das auch, ja, er weiß es besonders. Michel weiß, dass der es weiß und betet darum am Sommerabend jenes Unfugtages:

„Lieber Gott, mach doch, dass ich mit meinem Unfug aufhöre! Bittet freundlich Michel Svensson – Katthult – Lönneberga.

Ich mag dieses Michel-Gebet: Kurz ist es und beginnt mit einem Bekenntnis: Es geht um meinen Unfug, um mich. Und Michel weiß sehr genau zu unterscheiden und zusammenzudenken, was himmelweit auseinanderliegt: Gott muss es machen – Michel muss aufhören.

Michels Bitte ist unsere Bitte: dass wir mit dem Unfug aufhören. Wir selbst und auch die anderen. Und dieses Corinavirus, das durch seinen weltumspannenden Unfug unser Leben belästigt und großen Schaden anrichtet.

Dieses Gebet ist wie unsere Gebete Unfugsbekämpfung und selbst Unfug.

Dieser kleine Michel und seine große Erzählerin wissen: Gott verändert uns, er will, dass sich Unfug fügt. Er antwortet auf dem Weg, den wir gehen – unser Weg, aber sein Wille und seine Liebe. Ein schwieriger Gedanke leichthin erzählt.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Prädikant Bernd Schminke

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Begeisterung verboten?

29. Mai 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Kein Spargelfest …

… kein gemeinsamer Gottesdienst der beiden christlichen Kirchen am Pfingstmontag, Essengehen mit der Familie – möglich, aber kompliziert. Ein anderes Pfingstfest steht vor der Tür. Begeisterung ruft das nicht hervor. Dabei geht es doch an Pfingsten um Begeisterung. Die Jünger Jesu waren komplett aus dem Häuschen. Ihre Begeisterung war ansteckend, so ansteckend, dass sogar Sprachbarrieren fielen. Der Glaube war auf einmal ganz einfach zu verstehen und hat begeistert. So erzählt es die Apostelgeschichte.

Doch Kritik gab es auch. Manche dachten, bei so viel Überschwang müssen die alle besoffen sein. Der Apostel Petrus stellt sich der Kritik und erklärt, was es mit dieser Begeisterung auf sich hat. Der Tod hat nicht mehr das letzte Wort, mit der Auferstehung von Jesus Christus sagt Gott ein für alle Mal JA zum Leben. Wer dies begriffen hat, der will es weitererzählen. Wo dies geschieht, wirkt der Heilige Geist, so nennt es die Tradition.

Wobei, ich geb’s zu: Mit der Begeisterung tue ich mich auch schwer. So richtig in Ekstase geraten, wie es von den Jüngern in der Pfingstgeschichte erzählt wird, bin ich noch nie. Den frischen Wirbelwind kenn ich nur aus der Werbung. Da geht es aber nicht um Mut für die Zukunft, sondern ums Geldmachen und höchstens noch um Glanz in der Küche.

Pfingsten konkurriert nicht mit Baumärkten und Eisdielen

Wahrscheinlich muss ich meine Pfingsterlebnisse tiefer hängen, in meinen Alltag hineinholen. Es wird den Jüngerinnen und Jüngern ja anschließend auch so gegangen sein. Der Jubel hört auf und das Leben muss angepackt werden. Aber sie haben ihr Leben mit einem neuen Blick, mit einer veränderten Perspektive angepackt.

Für mich beginnt Pfingsten dort, wo mir diesen Perspektivenwechsel gelingt. In dieser Zeit der Corona-Kontaktbeschränkung sind auf einmal ganz viele kreative Ideen wach geworden, wie wir trotzdem in Kontakt bleiben können. Über Videos im Internet genauso, wie übers Telefon und mit der alten Briefpost. Menschen sind nicht nur zum Klatschen auf den Balkon gegangen, sondern haben sich um andere gekümmert, eingekauft, Masken füreinander genäht. Einen vernünftigen, körperlichen Abstand zu halten, bedeutet nicht, dass ich mich innerlich einmauern muss. Im Gegenteil … in der Offenheit für andere Menschen liegt die Zukunft, auch in dieser Krise.

Natürlich wird auch Kritik laut. Wo wir uns einschränken müssen, gibt es Widerstand. Offene Fragen und berechtigte Kritik mischen sich mit kruden Verschwörungsfantasien, Hetze und Hass. Manch einer sieht die Meinungsfreiheit oder die Religionsfreiheit bedroht. Doch niemand musste auf Gottesdienste und Zuspruch verzichten, sie haben uns nur anders und ungewohnt erreicht. Glaube konkurriert nicht mit Baumärkten oder Eisdielen. Freiheit lässt sich nicht gegen den Schutz von Leben ausspielen. Hier ist wieder einer, wie Petrus gefragt, der uns das sachlich und unaufgeregt erklärt. Zugleich brauchen wir die Begeisterung für neue Wege, die uns trotz Mindestabstand und Maskenpflicht zusammenbringen. In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen ein frohes und gesegnetes Pfingstfest mit vielen begeisternden Ideen füreinander.

Bleiben Sie behütet!
Herzlich Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

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Gedanken zum Sonntag – Hoffnung nach der Krise

22. Mai 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Hoffnung nach der Krise – zu Jeremia 31,31-34

Der Prophet Jeremia, einer der großen Theologen des Alten Testaments, entwirft in seinen Worten aus dem 31. Kapitel ein Bild der Hoffnung. Gott werde mit dem Volk Israel einen neuen Bund schließen, nachdem die Menschen in der Zeit vor Jeremia sich dem alten Bund Gottes mit den Menschen nicht würdig erwiesen hatten. Der neue Bund aber werde völlig anders sein. Er soll nicht auf Steintafeln geschrieben werden wie die Zehn Gebote, die Mose am Berg Sinai erhalten hatte. Der neue Bund soll in die Herzen und Gewissen geschrieben sein. Die Menschen sollen sich im Inneren wandeln.

Jeremia selbst hatte eine schwere Krise erlebt. Seine Heimat war bedroht von einer starken fremden Macht, den Babyloniern. Sie drohten das Land und dessen Hauptstadt Jerusalem einzunehmen und dem Erdboden gleichzumachen. Und viel schlimmer noch: Das geschah dann auch, und Jeremia wurde nach Ägypten verschleppt, in die Fremde.

Erstaunlich, dass er vor diesem Hintergrund solch ein buntes Hoffnungsbild zeichnen kann. Eigentlich hätte er sich zurückziehen müssen aus Enttäuschung über sein Volk und in Anbetracht der eigenen Verbannung. So würde es vermutlich uns ergehen, wenn wir Ähnliches erleben müssten. Da können einem Hoffnung und Zuversicht in die Binsen gehen.

Jeremia zieht seinen Optimismus aus dem Glauben an Gott

Nicht so Jeremia. Er hat seinen Optimismus behalten, hat trotz des totalen Umbruchs im Äußeren wie der völligen Verunsicherung im Inneren mit einem Neubeginn gerechnet. Diesen Optimismus zieht er aus dem Glauben an Gott. Er rechnet damit, dass Gott gütig und gnädig sein wird, weil er weiß, dass er das auch schon früher gewesen war. Gott fängt mit uns zusammen neu an. Er stellt sich uns an die Seite, um mit uns gemeinsam unsere Zukunft anzugehen. Das ist die entscheidende Botschaft, die Jeremia seinem Volk bringt. Gott schließt einen neuen Bund. Er gibt den Menschen eine neue Chance.

Es ist schon erstaunlich, wie gut Worte, die tausende von Jahren alt sind, manchmal in die heutige Zeit passen. Viele Menschen sind ausgesprochen angstvoll angesichts des Corona-Virus, weil sie nicht wissen, wie es weitergehen kann und wird. Sie machen sich große Sorgen um die eigene Gesundheit und um unser gesellschaftliches Zusammenleben. Andere sind hoffnungsvoller, sind erfreut über gutes Krisenmanagement und kreative Ideen angesichts der schwierigen Lage. Sie haben Vertrauen darauf, dass auch diese Krise überwunden werden wird, und

sind gespannt, was von den guten Ideen übrigbleibt und wie die Welt nach Corona aussehen wird. Denn dass es ein Leben nach Corona geben wird, dessen sind sie sich sicher. Nur wird dieses Leben anders sein als das Leben vor der Pandemie.

Gott hält einen neuen Weg für uns bereit

Aber das wusste auch schon Jeremia. „Der neue Bund wird völlig anders sein“, gibt er Gottes Wort an ihn wider, und das predigt er dem Volk. Das Vertrauen in Gottes Güte und Gnade lässt ihn diese Zuversicht haben, dass Gott einen neuen Weg für die Menschen bereithält. Auch für uns. Dieses Vertrauen dürfen auch wir haben in unserer derzeitigen Krise. Und wir dürfen uns auf das Leben nach Corona freuen.

Bleiben Sie behütet!
Herzlich Ihr Pfarrer Michael Ebersohn

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Andacht am 21. und 24.05.2020

18. Mai 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste, Informationen

Wir laden herzlich ein zur Andacht an
Christi Himmelfahrt,
am Donnerstag, den 21. Mai 2020 um 10 Uhr

mit Pfarrer Heinrich Schwarz

und am Sonntag, den 24. Mai 2020 um 10 Uhr
mit Pfarrer Dr. Michael Ebersohn

Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.
Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass wir die Hygieneregeln strikt einhalten müssen und auch nicht mehr Menschen in die Kirche lassen können, wie Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Mund-Nase-Masken unserer Nähgruppe für 5 Euro

In der Kirche tragen wir alle eine Mund-Nase-Maske. Nur wer am Altar zu uns spricht, trägt keine, muss aber mindestens vier Meter vom nächsten Sitzplatz entfernt sein. Auch im Kirchgarten müssen keine Masken getragen werden.

Wenn Sie keine Maske mitbringen, können Sie gerne vor der Andacht eine selbstgenähte und waschbare Mund-Nasen-Maske aus Stoff für fünf Euro erwerben. Der Erlös kommt der Sanierung unseres Gemeindehauses in der Gartenstraße zugute. Die ehrenamtliche Rodenbacher Masken-Nähgruppe, die schon unsere Diakoniestation, das Altenzentrum sowie die Feuerwehr mit Masken ausgestattet hat, spendet uns diese Masken. Vielen Dank dafür!

Schreien wie ein Kind nach dem Vater

15. Mai 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienst

Gedanken zum Sonntag

Wenn sich der Leiter des Augsburger Gebetshauses, der einstige Reformator aus Wittenberg und der frühere Landesbischof der Württembergischen Kirche miteinander über das Thema Beten unterhalten könnten, dann würde das wohl so klingen: „Gebet ist nicht alles, aber ohne Gebet ist alles nichts“ sagte Johannes Hartl. Darum: „Bete, als ob alles Arbeiten nichts nützt und arbeite, als ob alles Beten nichts nützt“, bestätigte Martin Luther. Und Bischof Hans von Keler fuhr fort: „Das Gebet ersetzt keine Tat, aber das Gebet ist eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann“.

Ich selbst betete meist erst ganz zum Schluss, in der großen Gebetsversammlung bei uns im Ort. Denn oft brauchte ich die gesamte Gebetszeit, um mein Gebet vortragsreif zu formulieren. Irgendwie konnten alle besser beten als ich. Onkel Georg hatte immer so gute Gedanken. Und Onkel Heinrich formulierte seine sehr geistreich. Tante Hannchen betete meist kurz vor mir genau das, was ich mir selbst gerade zurechtgelegt hatte. Ein neuer Gedanke musste her. Oder wenigstens neue Worte für den alten. Wieder und wieder redigierte ich mein Gebet. Bis ich es endlich „hielt“.

Irgendwann später beherrschte ich dann die gängigen Formulierungen und konnte zu den Früh- oder wenigstens Halbzeitbetern überlaufen. Und irgendwann noch später erkannte ich: Darum geht es gar nicht. Ich muss beim Beten nicht verkündigen. Ich muss beim Beten nicht meinen rechten Glauben bekennen. Ich muss beim Beten keine immer neuen Worte finden. Menschen spitzen die Ohren – aber Gott horcht auf mein Herz. Beten heißt: Mein Herz verlangt nach dem Vater im Himmel. Luther formuliert das sogar noch drastischer: Beten heißt, zu Gott zu schreien wie ein Kind nach seinem Vater.

„Mama!“ „Papa!“ – Wer von Ihnen sich jetzt gerade angesprochen fühlt, hat dabei wahrscheinlich die Stimme seines Kindes im Ohr. Als Vater und Mutter wissen Sie genau: Mein Kind meint mich! An niemand anderen richtet sich mein Kind gerade. Und von niemand anderem als von mir erhofft es Hilfe.

Als Martin Luther mit 42 Jahren zum ersten Mal Vater wird, ist er erstaunt, wie tief ihn, den großen Doktor der Theologie, die Stimme seines kleinen Sohnes rührt. Und er erkennt: So ist das für Gott, wenn wir beten. Luther formuliert das so: „Nun ist kein Name unter allen Namen, der mehr geschickt mache, uns gegen Gott als ‚Vater‘; das ist eine gar freundliche, süße, tiefe und herzliche Rede. Es wäre nicht so lieblich oder tröstlich, wenn wir sprächen ‚Herr‘ oder ‚Gott‘ oder ‚Richter‘. Denn der Name ‚Vater‘ ist von Natur aus eingeboren und natürlich süß. Deshalb er auch Gott am allerbesten gefällt und uns zu hören ihn am allermeisten bewegt.“

Zu Gott zu schreien wie ein Kind nach seinem Vater, empfiehlt Martin Luther deswegen. „Vater unser!“ ist so ein kindlicher Schrei. Wer so betet, berührt Gottes Vaterherz.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Bild: S. Hofschlaeger / www.pixelio.de