Glaube & Leben

Unser Traumschiff legt ab

13. Juli 2021 by ekro Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben

Herzlich willkommen. Machen Sie es sich bequem im Liegestuhl auf Deck unseres Traumschiffs (Bild: eiflero / www.pixelio.de). Wir legen gleich ab. Ja, mit einem „Traumschiff“ die Weltmeere durchkreuzen, sich leckere Buffets schmecken lassen, fremde Länder kennenlernen, exotische Sonnenuntergänge bestaunen – das Leben in vollen Zügen genießen … Wie schön, dass die großen Kreuzfahrtschiffe jetzt wieder ablegen.

Doch nicht alle auf einem solchen Dampfer können die Fahr genießen. Da sind viele nötig, die dafür sorgen, dass dieses Schiff überhaupt fährt und die Gäste zufrieden sind. Kapitän und Steuermann, die Mannschaft mit den verschiedensten Aufgaben. Und nicht alle können ein gutaussehender Stewart sein, umschwärmt und beliebt. Da gibt es auch Köche, Reinigungspersonal, Seeleute, Maschinisten. Sie alle zusammen machen es erst möglich, dass das Schiff nicht untergeht, nicht stehen bleibt und sich nicht verirrt, sondern nach einer kürzeren oder längeren Reise den Zielhafen ansteuern kann.

Und wir müssen uns noch eins klarmachen: Traumschiffe und Luxusliner sind die Minderheit auf Hoher See. Die Containerschiffe, Öltanker und Fischfang-Fabrikschiffe bilden die Mehrheit. Sie können sich keine ungefährliche Route oder ruhige See aussuchen, sie müssen bei Wind und Wetter raus und ihre Aufgaben erfüllen. Kommt irgendwo etwas ins Stocken, kann das die gesamte Weltwirtschaft aus dem Tritt bringen, wie wir erst kürzlich erleben mussten. Aber auch da, wo nur der alltägliche Seeweg zu bewältigen ist, kommt es darauf an, dass der Kurs stimmt, dass die Mannschaft aufeinander eingespielt ist und jeder sich auf den an-deren verlassen kann.

Das Bild vom Schiff ist lebendig, vielseitig und kann viel-schichtig gedeutet werden. schöne, glatte See, raues Meer, Flauten und Wirbelstürme … Deshalb eignet es sich so gut als Bild unserer Gemeinschaft. Denn das Leben miteinander ist lebendig, bunt und vielschichtig – und Stürme und Wogen breiten sich auch hier schnell aus.

Die Bibel kennt auch einige Schifffahrtsgeschichten: Die Arche Noah, die der Sintflut trotzt. Jona, der über Bord geht und vom großen Fisch verschluckt wird. Und auch Jesus und seine Mannschaft steigen immer wieder ins Boot. Sogar in Seenot geraten sie, wie die Bibel es im Matthäus-Evangelium, Kapitel 8, die Verse 23-27 erzählt. Auf dem See Genezareth – kein Tümpel, sondern immerhin ein kleines Binnenmeer – gerät ihr Schiff in einen Sturm.

Die Jünger Jesu haben Angst unterzugehen. Aber er schläft seelenruhig weiter. Als die Wellen ins Schiff schlagen, weckt die Mannschaft ihren Kapitän. Doch der reagiert unwirsch: „Warum seid ihr so ängstlich? Warum könnt ihr nicht glauben?“ Trotzdem lässt er seine Crew nicht im Stich. „Er stand auf und stellte sich den Winden und dem Meer mit Macht entgegen. Eine tiefe Stille breitete sich über dem Wasser aus, und die Menschen waren voll Staunen und fragten einander: Was für einer ist das? Sogar die Winde und das Meer gehorchen ihm!“, so übersetzt Jörg Zink diese wundersame Rettung.

Mir ist diese Geschichte ein Gleichnis auf unser Leben. Unsere Gemeinschaft kann manchmal heftigen Stürmen ausgesetzt sein. Konflikte und Herausforderungen machen vor unserem Leben nicht Halt, weder im Privaten noch in der Gesellschaft, schon gar nicht in der Politik. Und auch wir in der Kirche bleiben davon nicht verschont. So manches Mal geraten wir vom Kurs ab.

Doch im Schiff unseres Lebens sitzen wir nicht allein. Die Jünger sind nicht allein. Es fährt keiner für sich, sondern sie machen sich gemeinsam an die Überfahrt. Keiner von uns ist allein auf seiner Fahrt. Wir haben immer wieder Menschen, mit denen wir unterwegs sind.

Sie werden jetzt vielleicht denken: Den Jüngern hat das erst mal nicht viel genützt. Aber ich denke doch: Es war schon ganz wichtig, dass sie in ihrer Aufgeregtheit und Angst nicht auf sich allein gestellt waren. Sie konnten zusammenhalten. Das hat sie nicht blind und konfus werden lassen, sondern sie konnten sehen, was zu tun war, wohin sie sich wenden konnten. Sie haben Jesus vertraut. Sie trauen ihm zu, dem stürmischen Meer entgegenzutreten.

Kann sein, dass uns noch so manche Herausforderung bevorsteht. Aber wir sind gut gerüstet. Denn wir sind nicht allein auf unserem Lebensschiff. Wir haben Menschen, Familie, Freunde, Nachbarn, mit uns auf unserer Fahrt. Und wir habt Gott an Bord.

Manchmal ist die See vielleicht rau, aber wir werden den Stürmen trotzen können. Nicht nur weil die Mannschaft zusammenhält, sondern weil Gott selbst mit an Bord ist und dem Schiff sein Ziel gibt.

Gute Fahrt und bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Weinstock im Kirchgarten

7. Juli 2021 by ekro Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Ökumene

„Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.“ (Joh 15,5). Nun haben wir ihn eingepflanzt, den Weinstock. Von ihm haben wir gehört im ökumenischen Gottesdienst in der St. Michaelskirche an Pfingstmontag. Da stand der knorrige Weinstock vor dem Altar. Gibt es ein schöneres Symbol für die Gemeinschaft der Christen als einen Weinstock?

Jesus bezeichnet sich selbst als Weinstock; und die unterschiedlichen Reben, das sind wir: evangelische und katholische Christen. Alle, die sich das Bildwort von Jesus vor Augen führen möchten, können diesen Weinstock im evangelischen Kirchgarten liebevoll betrachten, der von Gerhard Baake und Dirk Scharlau Weinstock gepflanzt wurde.

Wir sind auf seine Früchte gespannt. Voraussetzung ist, dass ein Gärtner diesen Weinstock hegt und pflegt.

Bernd Schminke  

Krummes Holz

6. Juli 2021 by ekro Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben

Nun müssen wir nicht mehr über die bayrische Grenze nach Michelbach rüber, um mal einen Weinstock aus der nähe anzusehen. Er wächst jetzt auch in unserem Kirchgarten. Hier können Sie lesen, warum er bei uns gepflanzt wurde. Bis er Früchte bringt, wird es aber wohl noch eine ganze Weile dauern.

Die Früchte des Weinstocks sind immerhin in unserer Kirche zu sehen. Die Kanzel schließt ab mit einer symbolischen Weintraube, und in den Brüstungsmalereien finden wir Reben und Trauben wieder. Starke Symbole des Glaubens an Jesus, der sich selbst mit einem Weinstock vergleicht. Im Johannes-Evangelium, Kapitel 15, Vers 5 spricht er: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun“.

Aber was ist das überhaupt für ein Gewächs, das für unseren Glauben eine so große Rolle spielt? Ein Blick auf unseren Weinstock zeigt, was für ein seltsam knorriges Gewächs es ist, verdreht und hässlich, ziemlich unansehnlich. Besonders im Winter ist an einem Weinstock nichts dran, was eines Blickes wert wäre oder seinen wahren Wert erkennen ließe. Schwarz und tot steht er da – krummes Holz.

Aber eben aus diesem krummen Holz sprießen die Rebe, sozusagen seine Äste, aus denen die Blätter hervorgehen und die Blüten, die dann im Laufe des Sommers in den Herbst hinein zu Weintrauben heranwachsen, zu den Früchten des Weinstocks.

Mit einem solch krummen Holz vergleicht sich Jesus: „Ich bin der wahre Weinstock“ und „Ihr seid die Reben“. Hinter diesem Satz steckt gleichermaßen eine unwahrscheinliche Bescheidenheit wie ein unerhörter Anspruch:

Er ist der wahre Weinstock. Er schenkt Leben. Gegen alle anderen, die den Anspruch haben, den Heilsweg zu wissen, stellt er sein Leben: Seht her, hier zeigt sich der Weg zum Leben. Nur ein solches Leben bringt Frucht. Nur aus ihm heraus wachsen wir Reben und tragen Frucht. Ohne ihn sind wir wie dürres Holz, abgebrochene Zweige.

Klingt anmaßend? Religionskritiker*innen wittern die Gefahr der religiösen Intoleranz. Doch Jesus inszeniert sich nicht als autoritärer Führer, der andere niedrig hält, um selbst die Macht zu genießen. Sein Weg führt nicht steil nach oben zur Herrschaft. Ganz im Gegenteil endet sein Leben mit der Hinrichtung am Kreuz von Golgatha. Sein Leben wird abgeschnitten wie dürres Holz.

Das Bild vom Weinstock und den Reben ist eine Zumutung für den Glauben. Paradox, aber so bekommt Leben eine neue Perspektive. Wir müssen uns nicht mehr an das klammern, was uns in dieser Welt vorgeblich Sicherheit gibt: Wohlstand und Wachstum, Jugend, Erfolg und Arbeit.

Wirklich leben heißt: Ja sagen können zum Leben, trotz aller Schwierigkeiten und Probleme. Es heißt auch; nicht vor den Schwierigkeiten davonlaufen. Wenn ich Mist gebaut habe, muss ich keinen Sündenbock suchen, dem ich das alles in die Schuhe schieben kann. Ich kann dafür Verantwortung übernehmen und um Verzeihung bitten. Umgekehrt kann ich einem Freund die Hand reichen, der mich verletzt hat. Geknickte Stellen haben wir alle, aber dies heißt nicht, sich mit Unrecht, Unterdrückung und Gewalt abzufinden. Dort, wo Menschen ihr Recht auf Leben beschnitten wird, kann ich den Mund aufzutun, beten und handeln.

Wirkliches Leben gelingt nicht aus mir selbst heraus. Allein auf mich gestellt habe ich nicht die Kraft dazu. Den Mut für die Zukunft spüre ich nur, wenn mir als Rebe Kraft aus dem Weinstock des Lebens zufließt. Daran erinnert uns der Weinstock, der nun in unserem Kirchgarten hoffentlich einmal Frucht bringt: Verstehen lernen, dass unsere Kraft gegen die Alltäglichkeit zu leben nicht aus uns selbst kommt. Es ist Gottes Kraft – und wir brauchen dazu die Verbindung des Glaubens – wie die Rebe den Weinstock.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Taufe – wie schön!

30. Juni 2021 by ekro Posted in: Aktuelles, Familie & Jugend, Glaube & Leben, Gottesdienst

Viele Anfragen bekommen wir in diesen Wochen von Familien, die ihre Kinder taufen lassen möchten. Nach dem langen „Corona-Winter“ mit all seinen Belastungen und Einschränkungen, blüht jetzt im Sommer das Leben neu auf. Gemeinsame Gottesdienste, Feierlichkeiten in kleinem Rahmen – vieles ist zurzeit wieder möglich. So freuen sich viele, nun auch endlich die Taufe ihres Babys in Angriff nehmen zu können.

Auch aus anderen Kirchengemeinden berichten Kolleginnen, wie hoch die Nachfrage nach Taufgottesdiensten momentan ist. Die Evangelische Kirche in Kassel reagiert mit der Aktion „Kassel tauft draußen“ und bietet verschiedene Tauffeiern an öffentlichen Plätzen in der Stadt an. Dort können gleich mehrere Familien hintereinander ihr Kind zur Taufe bringen.

Wie schön, dass es für viele Eltern noch immer dazugehört, ein neugeborenes Baby taufen zu lassen! Die Aufnahme in die christliche Gemeinschaft hat eine hohe Bedeutung für viele Menschen. Viele Eltern finden Halt darin, ihr Kind durch die Taufe Gott anzuempfehlen. Gottes Segen schenkt Sicherheit. Keine Sicherheit in dem Sinne, dass man durch die Taufe vor allem Bösen geschützt wäre. Aber eine Sicherheit, dass da noch jemand ist, der nach dem Kind schaut und es behütet.

Was bedeutet Ihnen persönlich die Taufe? Welche Rolle spielt es in Ihrem Alltag, getauft zu sein (oder nicht getauft zu sein)?

Für die ersten Christinnen und Christen war die Taufe ein großer Schritt. Denn sie bedeutete, reingewaschen zu werden von allen Sünden. Durch die Taufe wurden die Menschen „in Christus Jesus hineingetaucht“, so beschreibt es der Apostel Paulus. (Römerbrief Kapitel 6, Vers 3) Die Taufe galt als der Beginn eines neuen Lebens. Sie war zum einen das Bekenntnis jedes Einzelnen, zur Gemeinschaft Jesu Christi dazugehören zu wollen. Zum anderen war und ist die Taufe die Zusage Gottes an den jeweiligen Menschen: „Du bist mein liebes Kind! An dir habe ich Freude – so wie du bist!“

Dieses Angenommensein von Gott macht die Taufe zu einer Lebensquelle. Denn je mehr wir verinnerlichen, dass Gott uns liebt, so wie wir sind, umso mehr kommen wir mit uns selbst „ins Reine“. Wir sind wertvoll, weil wir ein Geschöpf Gottes sind – unabhängig davon, wie wir aussehen, was wir können oder welche Verdienste wir haben.

Je mehr wir wiederum in Frieden mit uns selbst kommen, je mehr wir uns selbst annehmen, umso leichter fällt es uns, auch mit anderen gnädig zu sein und sie wertzuschätzen – weil sie Mensch sind und genau wie ich ein Kind Gottes.

Das bedeutet, dass mit der Taufe auch eine Verantwortung einhergeht. So wie Gott uns annimmt, wie wir sind, so können wir uns auch untereinander annehmen. Vielleicht gelingt uns das nicht so umfassend wie Gott selbst. Aber wir können darüber entscheiden, mit wieviel Respekt wir uns selbst und unseren Mitmenschen begegnen.

Frieden mit Gott führt zu Frieden mit mir selbst. Frieden mit mir selbst führt zu Frieden mit anderen Menschen.

Ich freue mich, wenn wir auch an diesem Sonntag wieder ein Baby taufen können – es in die christliche Gemeinschaft aufnehmen und ihm den Segen Gottes zusprechen: „Friede sei mit dir!“

Herzlich grüßt Sie, Ihre Pfarrerin Lisa Henningsen

Streit und Versöhnung

19. Juni 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Nachbarn, die seit Jahren nicht mehr miteinander reden; Geschwister, die einander ständig die alten Geschichten vorhalten; Eheleute, die sich gegenseitig zu Sündenböcken für alles Misslungene machen… Wie schwer ist es, eine Tür, die im Zorn zugeschmissen wurde, wieder zu öffnen. Die Tür ist zu, ich sitze dahinter und habe natürlich Recht, aber ich bleibe allein. Vom Rechthaben kann man nicht leben, und das Rechthaben schließt die zugeschlagene Tür nicht wieder auf. So alltäglich die Situation, so schwer ist der Ausweg.

Selbst Jesus hatte Zoff mit seiner Familie, die ihn für verrückt erklärte, weil er sich so wenig an das hielt, was als normal und wohlanständig galt. Die Bibel blendet solchen Streit nicht aus. Am kommenden Sonntag geht es auch um solch eine zerrüttete Familie, im 1. Buch Mose, im 50. Kapitel wird davon erzählt.

Da war Josef, der Zweitjüngste von zwölf Brüdern aus einer sehr bunt zusammengewürfelten Patchworkfamilie. Jakob, sein Vater hatte 12 Söhne und mehrere Töchter von vier Frauen. Josef war der absolute Liebling von Papa. Er bekam die ausgefallensten Klamotten und war wohl ziemlich von sich überzeugt.

Kein Wunder, dass die übrigen Brüder sauer auf ihn waren. Sie räumen Josef aus dem Weg. Der wird zum Sklaven in einem fremden Land und erfährt das, was wir heute sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nennen. Der Unterschied: Sonst trifft es zumeist Frauen, hier mal einen Mann. Aber vielleicht war er auch gar kein richtiger Mann… aber das wäre eine andere Geschichte. Nun denn, auf jeden Fall: Er landet im Knast, aber am Ende macht er doch Karriere und wird sehr mächtig in diesem fremden Land. Vom Knacki zum Millionär.

Auf der anderen Seite steigt seine Familie in der Heimat sozial ab. Eine Hungersnot macht sie zu Wirtschaftsflüchtlingen. Und da kreuzen sich die Wege wieder. Am Ende sind die Brüder von dem abhängig, den sie damals am liebsten tot gesehen hätten. Und nun auch das noch: Der Vater Jakob, der bisher alles noch zusammengehalten hat, der das Bindeglied zwischen Josef und seinen Brüdern war, der stirbt. Kein Wunder, dass die Brüder nun Angst haben, dass jetzt alles den Bach runter geht.

Doch die Rache bleibt aus. „Aber Gott gedachte es gut zu machen“ – heißt es an entscheidender Stelle. Gott – nicht Josef. Im Namen Gottes durchbricht Josef den Teufelskreis aus Schuld und Rache. Die Bibel verschließt nicht die Augen vor der menschlichen Realität. Im Gegenteil! Aber sie spielt nicht mit, sondern stellt ein anderes Verhalten, stellt Gottes Tun dagegen: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ (1. Mose 50,20) ist der Kernsatz, der die Wendung bringt.

Daraus kann ich Hoffnung schöpfen, dass es auch bei uns Auswege aus dem Streit gibt. Auch wenn wir aus Angst hinter unseren zugeschlagenen Türen sitzen und nicht mehr wissen, wie wir aus der Bitterkeit herauskommen sollen. Es gibt einen Weg der Versöhnung. Geschwister haben die Chance, sich zu vertragen, solang die Eltern noch leben. Wenn der Erbfall eintritt, ist es meist zu spät. Nachbarn können Verständnis füreinander aufbringen und müssen nicht Gerichte bemühen, wenn es um eine Hecke geht, die zu hoch wächst oder die Polizei holen, wenn nun wieder das Grillen am lauen Sommerabend mal zu laut wird. Jede und jeder von uns kann den ersten Schritt tun, der die Wendung bringt, weil Gott uns mit seiner Liebe zur Seite steht. So gelingen Vergebung und Versöhnung, wie am Ender der Josefsgeschichte, wo es heißt: „Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.“

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Schnell empören wir uns über andere,
schnell sind wir fertig mit unseren Urteilen.
Manchmal merken wir,
dass unser Urteil uns selbst trifft.
Du, Gott, bahnt neue Wege an
mit Menschen, die Einsicht haben,
die vorsichtig sind in ihrem Urteil,
die Verständnis aufbringen und
mutig erste Schritte gehen aufeinander zu.
Es tut gut, das zu erleben.
Amen.

Familienkirche am 20. Juni 2021

19. Juni 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Familie & Jugend, Familienkirche, Glaube & Leben, Gottesdienste

Herzliche Einladung zum Familiengottesdienst
am Sonntag, den 20.06.2021 um 10:30 Uhr
in der evangelischen Kirche in Niederrodenbach.

Orientierung

4. Juni 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,
wir suchen nach Orientierung. Und je komplizierter die Zeiten und komplexer die Zusammenhänge, desto größer wird unsere Sehnsucht nach knappen Antworten, klarer Orientierung und einem freien Blick auf das Wesentliche.

Woran sollen wir uns orientieren?, fragen Eltern bei der Erziehung ihres ersten Kindes. An Konsequenz oder Nachsicht oder Einsicht?

Woran sollen wir uns orientieren? Diese Frage beschäftigt auch einen kundigen Mann, der mit Jesus ins Gespräch kommt. Auf seine Frage antwortet Jesus kurz und knapp, worum es in unserem Leben eigentlich geht: Du sollst Gott lieben und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Beide Gebote stehen schon in den fünf Büchern Mose. Sie verbinden uns mit Menschen jüdischen Glaubens. Neu ist die Kombination der beiden Gebote, die Jesus hier schafft. Und genau genommen stecken in der Antwort ja sogar drei Gebote: 1. Gott lieben, 2. meinen Nächsten lieben und 3. mich selbst lieben. Für alle drei Beziehungen gilt nach Jesus: „Du sollst lieben!“ Aber: Kann denn „lieben“ befohlen werden?

„Deus caritas est“, „Gott ist Liebe“ steht als Schriftzug in einem Kirchenfester. „Gott – ist – Liebe“. Drei Worte statt drei Gebote, die alles sagen, worum es in unserem Leben und in unserem Glauben geht. Im 1. Johannesbrief führt der Schreiber dazu aus: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (4,16) und „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“

Aus dem Leben des amerikanischen Erfinders Thomas Alva Edison wird folgende Geschichte erzählt: Eines Tages kam der kleine Thomas Edison von der Schule nach Hause und gab seiner Mutter eine Mitteilung seiner Lehrerin.

Er sagte ihr: „Die Lehrerin hat gesagt, dass ich nur dir diesen Brief geben darf.“

Die Augen seiner Mutter waren von Tränen erfüllt, als sie ihm den Brief laut vorlas:

„Ihr Sohn ist ein Genie. Diese Schule kann ihn nicht entsprechend fördern, da wir nicht genug gute Lehrer haben. Bitte unterrichten sie ihn ab jetzt selbst.“

Viele, viele Jahre später – seine Mutter war längst gestorben und Thomas inzwischen einer der größten Erfinder seines Jahrhunderts – kramte er in alten Familiensachen. Plötzlich sah er in der Ecke einer Schreibtischschublade einen Zettel liegen. Es war der Brief seiner ehemaligen Lehrerin und er las ihn. In dem Brief stand:

„Ihr Sohn ist geistig unterbemittelt und wir möchten ihn nicht mehr an unserer Schule unterrichten.“

Edison weinte daraufhin sehr lange und schrieb in sein Tagebuch:

„Thomas Alva Edison war ein geistig unterbemitteltes Kind und wurde durch die heroische Tat seiner Mutter zu einem der größten Genies dieses Jahrhunderts.“

Manchmal ertappen wir Gottes Liebe auf frischer Tat mitten unter uns. Gottes Liebe sucht nicht das Liebenswerte, sondern sie erschafft es. Unsere Liebe ist ein Echo auf die umfassende Liebe, die uns von Gott entgegenkommt.

Gefüllt mit Gottes Liebe, werden wir anfangen, andere zu füllen, andere barmherzig und wertschätzend in den Blick zu nehmen. Wir werden dies tun, nicht wir sollen dies tun. Wir werden das nicht deshalb tun, weil unser Herz plötzlich vor romantischen Gefühlen zu unseren Mitmenschen überströmt, das ist hier nicht gemeint. Die Liebe, von der hier die Rede ist, ist keine feurige, leidenschaftliche Zuneigung (griech. eros). Es ist auch keine freundschaftliche oder familiäre Verbundenheit (griech. filía). Sondern die Liebe, um die es hier geht, sprengt Landes- und Standesgrenzen, durchbricht Milieu-, Alters- und Interessengruppen. Sie ist gebende Liebe (griech. agápe). Es ist Liebe, die aus Achtung entspringt: aus Achtung vor Gott und aus Achtung voreinander. Sie hat etwas mit Barmherzigkeit zu tun.

Tatsächlich lässt sich Liebe ja schwer messen. Aber Barmherzigkeit ist ein guter Maßstab für unsere Liebe – Barmherzigkeit, nicht Gleichgültigkeit. Lukas schreibt in seinem Evangelium zur Frage der Nächstenliebe: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

Wir werden barmherzig mit uns und unseren Mitmenschen, weil wir innerlich gestaltet werden von Gottes barmherziger Liebe. Weil der Geist von Jesus Christus in uns lebt, der aus Liebe für unsere Schuld gestorben ist – und für die Schuld unserer Mitmenschen. Der Geist Jesu, der sich aus Liebe mit meinem und Ihrem Leben identifiziert – und mit dem Leben unserer Mitmenschen. Der Geist Jesu, dessen erste Frucht in uns die Liebe ist (vgl. Galaterbrief, Kapitel 5, Vers 22).

Liebe Leserin, lieber Leser, woran orientieren wir uns? Es geht noch kürzer – zwei Worte statt drei Worte: „Jesus Christus“. In Jesus Christus sind Gott und Mensch, Gottesliebe und Menschenliebe aufs Engste miteinander verbunden. Gott ist Liebe. Wer in Jesus Christus bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Herzlich grüßt Sie
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Liebe ist nicht nur ein Wort,
Liebe, das sind Worte und Taten.
Als Zeichen der Liebe bist du, Jesus, geboren,
als Zeichen der Liebe für diese Welt.

Freiheit ist nicht nur ein Wort,
Freiheit, das sind Worte und Taten.
Als Zeichen der Freiheit bist du, Jesus, gestorben,
als Zeichen der Freiheit für diese Welt.

Hoffnung ist nicht nur ein Wort,
Hoffnung, das sind Worte und Taten.
Als Zeichen der Hoffnung bist du, Jesus, lebendig,
als Zeichen der Hoffnung für diese Welt.

Amen

(Gebet nach EG 629 Liebe ist nicht nur ein Wort,
Text: Eckart Bücken 1973)

Segensreich

28. Mai 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe oft den Eindruck, viele Menschen leben, als hätten sie ihr Leben selbst in der Hand; als seien Gesundheit, Wohlstand und Zufriedenheit selbstverständlich; als seien sie selbst Initiatoren ihres Glücks; als verstünde sich das alles von selbst und als hätten sie darauf einen Anspruch.

Diese Haltung entlarvt sich jedoch schnell als trügerisch, wenn ihr Leben Grenzen erfährt, wenn Krankheit und Leiden die schöne Lebensplanung plötzlich beenden, wenn Verlust drohen oder Sicherheiten platzen. Dann taucht die Frage auf: Wer hält uns am Leben? Wer steht zu uns, wenn sich alles wendet und viele abwenden?

Wenn ich um Gottes Segen bitte, bekenne ich, dass ich auf Gott angewiesen bin. Ich weiß: Unser Leben ist durch vieles bedroht. Ich glaube aber, Gottes Schutz umgibt mich, auch wenn ich meine, ich käme allein zurecht. Leben versteht sich nun einmal nicht von selbst.

Ich bin davon überzeugt, wer das weiß, lebt bewusster. Wer damit rechnet, lebt nicht vergeblich. Es gibt Situationen im Leben, in denen ich mit meinem Wissen, mit meinen Fähigkeiten und meiner Kraft am Ende bin. Da kann ich nicht mehr geben und gestalten. Da kann ich nur noch empfangen und annehmen. Da hilft mir einzig die Nähe eines Menschen, seine Zuwendung, seine Liebe.

Im Augenblick einer Gefahr sich völlig aus der Hand zu geben, sich loslassen und den Händen anderer anvertrauen, sich fallen lassen – das ist jetzt leichter gesagt als getan.

Es fällt schwer, nicht selbst alles zu besorgen. Es fällt schwer, sich trösten zu lassen. Es fällt schwer, auf eigene Aktivitäten zu verzichten. Welche Reife, wie viel Mut und welches Vertrauen aber gehören dazu, sich in die Hände anderer zu begeben, nicht auf sich selbst zu bestehen und auf jedes Vorhaben zu verzichten. Sich segnen lassen, sich dem Blick des anderen anzuvertrauen, sich der Güte Gottes zu verdanken, sind eine hohe Lebenskunst und Weisheit.

Gibt es erkennbare Spuren des Segens? Meine Mutter segnete mich, als sie mich an ihre Brust legte oder mir die Flasche gab. Mein Vater segnete mich, wenn er NEIN sagte. Meine Geschwister segneten mich, wenn sie mir ermöglichten, anders zu sein als sie. Menschen segneten mich, indem sie Vorbild waren, indem sie mir zeigten, was ich nicht sein wollte. Gott segnet mich, indem er mir zeigt, wie ich sein kann und wie nicht. Vielleicht heißt ein Gesegneter zu sein, einfach ich selbst sein zu können. Ist das nicht überraschend? Es liegt in vielen gewöhnlichen Begebenheiten ein Geschenk. Es liegt Segen auf ihnen, vorausgesetzt, ich erkenne, dass sie für mich bestimmt sind und dass sie meine Entwicklung zum Guten, zum Freundlichen hin beeinflussen wollen. Übrigens, jeder kann zum Segen für andere werden.

Bleiben Sie wohl behütet und gesegnet!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Ich will ein Licht anzünden
im Namen Gottes:
Die Welt hat er hell gemacht
und mir den Lebensatem eingehaucht.
Ich will ein Licht anzünden
im Namen des Sohnes:
Die Welt hat er errettet
und seine Hand nach mir ausgestreckt.
Ich will ein Licht anzünden
im Namen des Heiligen Geistes:
Er umschließt die Welt
und segnet meine Seele mit Sehnsucht.
Gott über uns,
Gott neben uns,
Gott mitten unter uns,
der Anfang,
das Ende und
der, der bleibt.
Amen.

(Aus Schottland)

Vorstellungsgottesdienst der Konfis am 06.06.2021

27. Mai 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Familie & Jugend, Glaube & Leben, Gottesdienste, Konfis, Veranstaltungen

Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden laden Sie zusammen mit Pfarrerin Katharina Bärenfänger herzlich ein, ihren Vorstellungsgottesdienst am Sonntag, den 6. Juni 2021 um 10 Uhr digital mitzufeiern.
Der Gottesdienst findet live über Zoom statt.
Dies sind die Zugangsdaten:

Zoom-Meeting beitreten (Computer, Notebook, Tablet, Smartphone)
Meeting-ID: 941 722 2304

Schnelleinwahl mobil (Handy)
+493056795800,,9417222304# Deutschland

+496938079883,,9417222304# Deutschland

Einwahl nach aktuellem Standort (Telefon)
        +49 30 5679 5800 Deutschland

        +49 69 3807 9883 Deutschland

        +49 695 050 2596 Deutschland

        +49 69 7104 9922 Deutschland

Meeting-ID: 941 722 2304

„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen“

21. Mai 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienst

Zu den schönsten Momenten des Elternseins gehört für mich, mit unserem dreijährigen Sohn Bilderbücher zu lesen. Eine unserer liebsten Geschichten ist die vom kleinen wütenden Elefanten. Dieser hat schlechte Laune. Warum weiß er gar nicht so genau. Ärgerlich kickt er einen Stein aus dem Weg – und trifft damit unglücklicherweise einen vorbeilaufenden Flamingo. „Ein starkes Stück“, denkt dieser, und holt zum Gegenschlag aus. Allerdings bekommt nicht der Elefant, sondern eine Schildkröte den Ärger ab, die sich in unmittelbarer Nähe des Flamingos befindet. So beginnt eine Dynamik des gegenseitigen Beschuldigens, Schimpfens und Verletzens… Bald haben alle Tiere in der Gegend schlechte Laune. Bis auf das kleine Erdmännchen. Es schaut mit einem anderen Blick auf seine Mitlebewesen: „Der Leopard, der mir gerade auf den Fuß getrampelt ist, hat das bestimmt nicht mit Absicht gemacht“, denkt es. Und es schmiegt sich versöhnlich an den Leoparden. Dieser ist davon so überrascht, dass ihm ganz warm ums Herz wird. Sein Ärger weicht der Freude. Jetzt möchte er auch jemandem etwas Gutes tun! Und er hilft wiederum den Ameisen dabei, eine Straße zu bauen. Diese sind natürlich ähnlich überrascht, denn ein Raubtier hat ihnen noch nie geholfen. Also wollen sie ihrerseits nun auch jemandem helfen.

Und so beginnt eine neue Dynamik: Eine Dynamik des sich Freuens, des Zueinander-freundlich-Seins und des Miteinanders. Bald ist die ganze Gegend erfüllt von guter Laune und Herzenswärme. Diese Geschichte zeigt, welche Kraft in unserem Verhalten liegt. Zerstören oder aufbauen, streiten oder versöhnen, abwerten oder wertschätzen – all das ist möglich. Je nachdem, durch welche Brille wir aufeinander schauen und welche Kraft wir in uns walten lassen.

Ich kann meinem Nachbarn neiden, dass er bereits zweifach gegen Corona geimpft ist – oder ich kann mich für ihn freuen, denn ich komme auch noch an die Reihe. Ich kann die schlecht gelaunte Verkäuferin zurück anraunzen – oder ich wünsche ihr einen schönen Tag, denn vielleicht hatte sie den bisher nicht. Ich kann sauer auf meine Freundin sein, weil sie sich lange nicht gemeldet hat – oder ich schicke ihr eine „Ich-denk-an-dich“-Nachricht, denn vielleicht hat sie gerade schlichtweg viel um die Ohren.  Mehr „Erdmännchen“ sein – und mit gnädigen Augen und gütigem Blick aufeinander schauen – das täte unserem Zusammenleben gut!

Jesus Christus hatte uns dazu alles mitgegeben. Durch sein Leben, Reden und Handeln hat er gezeigt, wie groß die Barmherzigkeit Gottes ist. Und wie viel reicher das Leben wird, wenn wir uns von der Liebe Gottes bewegen lassen! Damit wir unser Dasein in Jesu Geist gestalten können, hat Gott uns eine Kraftquelle geschenkt. „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein“, hatte Jesus Christus kurz vor seiner Himmelfahrt den Menschen versprochen. Und siehe da, so geschieht es: Wie ein loderndes Feuer legt sich der Heilige Geist auf die Jüngerinnen und Jünger Jesu. Sie werden erfüllt von der Kraft, die den Gottessohn selbst bewegt und geleitet hatte.

Dieses Ereignis feiern wir an Pfingsten. Gott gibt seinen Heiligen Geist in diese Welt. Dadurch empfangen auch wir die Kraft, friedfertig miteinander umzugehen, in Liebe aufeinander zu schauen und voller Hoffnung dieses Leben zu gestalten – immer wieder aufs Neue!

Frohe Pfingsten wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin Lisa Henningsen

Mittagsgebet

In dieser Mahlzeit sehen wir klar,
wie die ganze Welt und der Himmel
unser Leben möglich machen.
Alle Lebewesen wollen lebendig sein,
viele müssen um ihr Leben kämpfen,
mögen heute alle genug zu essen haben.
Tisch und Teller sind gefüllt,
wir bedenken, dass diese Lebensmittel
einen weiten Weg hinter sich haben;
wir verbinden uns mit denen,
die diese Mahlzeit überhaupt möglich machen.
Wenn wir schmecken, wollen wir achtsam sein.
Wenn wir genießen, denken wir daran,
dass wir Verantwortung tragen für andere.
Wenn wir satt werden,
wollen wir auch unsere Dankbarkeit nähren.
Wenn die Teller leer gegessen sind,
geloben wir, selber gütig zu sein
und dem Wohl dieser Welt zu dienen.
Amen.
(Tischgebet aus Birma)