Gottesdienste

In einem Stufenplan öffnen wir unsere Kirche nun wieder in zwei Schritten.

  • Wir öffnen die Kirche zur persönlichen Andacht von Aschermittwoch bis in die Karwoche immer mittwochs von 17-19 Uhr.
  • Seit Sonntag, den 7. März, feiern wir um 10 Uhr Andacht in unserer Kirche sowie am 2. und 4. Sonntag im Monat um 11:30 Uhr in der katholischen Kirche in Oberrodenbach. Dort sind die ersten beiden Andachten wieder am Sonntag, 14. März und an Palmsonntag, 28. März.

Sowohl für die offene Kirche wie auch für die Andachten gelten weiterhin die strikten Abstands- und Hygieneregeln und das Tragen einer medizinischen Maske ist vorgeschrieben. Den Besucherinnen und Besuchern der Andachten stellen wir bei Bedarf eine solche Maske zur Verfügung.

Wir wissen auch, dass nach wie vor viele Menschen mit Recht sehr zurückhaltend in ihren Kontakten sind. Doch auch sie müssen in der Pandemie nicht auf Andachten und Gottesdienste verzichten. Neben den Gottesdiensten im Fernsehen und im Radio bietet unsere Landeskirche auf www.ekkw.de regelmäßig Gottesdienste im Internet an.

Gedanken zum Sonntag veröffentlichen wir hier auf unserer Homepage sowie im Rodenbach Kurier.

Sie können sie auch als Telefonandachten unter der Telefonnummer 06184 55128 hören. Dort wechselt die Andacht immer dienstags, parallel zum Erscheinen des Rodenbach Kuriers.

Grundsätzlich gelten folgende Regeln:

  • Wir achten strikt auf die jeweils geltenden Hygiene- und Abstandsregeln sowie das Lüften und bieten die Möglichkeit der Händedesinfektion.
  • Der Mindestabstand von 1,5 Meter zueinander ist einzuhalten.
  • Bei Gottesdiensten und Andachten, bei denen zu erwarten ist, dass viele Menschen kommen, ist eine vorherige Anmeldung nötig.
  • Es ist eine Mund-Nasen-Maske auch am Platz zu tragen.
  • Das gemeinsame Singen ist leider nicht möglich.
  • Personen mit Erkältungssymptomen und solche, die unmittelbaren Kontakt mit einer Person hatten, die mit Covid-19 infiziert ist, können nicht an den Gottesdiensten und Andachten teilnehmen.

Aktuelle Informationen dazu finden Sie auch auf der Webseite unserer Landeskirche. Gerne stehen wir natürlich für Fragen zur Verfügung.

Gedanken zum Sonntag

Streit und Versöhnung

19. Juni 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Nachbarn, die seit Jahren nicht mehr miteinander reden; Geschwister, die einander ständig die alten Geschichten vorhalten; Eheleute, die sich gegenseitig zu Sündenböcken für alles Misslungene machen… Wie schwer ist es, eine Tür, die im Zorn zugeschmissen wurde, wieder zu öffnen. Die Tür ist zu, ich sitze dahinter und habe natürlich Recht, aber ich bleibe allein. Vom Rechthaben kann man nicht leben, und das Rechthaben schließt die zugeschlagene Tür nicht wieder auf. So alltäglich die Situation, so schwer ist der Ausweg.

Selbst Jesus hatte Zoff mit seiner Familie, die ihn für verrückt erklärte, weil er sich so wenig an das hielt, was als normal und wohlanständig galt. Die Bibel blendet solchen Streit nicht aus. Am kommenden Sonntag geht es auch um solch eine zerrüttete Familie, im 1. Buch Mose, im 50. Kapitel wird davon erzählt.

Da war Josef, der Zweitjüngste von zwölf Brüdern aus einer sehr bunt zusammengewürfelten Patchworkfamilie. Jakob, sein Vater hatte 12 Söhne und mehrere Töchter von vier Frauen. Josef war der absolute Liebling von Papa. Er bekam die ausgefallensten Klamotten und war wohl ziemlich von sich überzeugt.

Kein Wunder, dass die übrigen Brüder sauer auf ihn waren. Sie räumen Josef aus dem Weg. Der wird zum Sklaven in einem fremden Land und erfährt das, was wir heute sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz nennen. Der Unterschied: Sonst trifft es zumeist Frauen, hier mal einen Mann. Aber vielleicht war er auch gar kein richtiger Mann… aber das wäre eine andere Geschichte. Nun denn, auf jeden Fall: Er landet im Knast, aber am Ende macht er doch Karriere und wird sehr mächtig in diesem fremden Land. Vom Knacki zum Millionär.

Auf der anderen Seite steigt seine Familie in der Heimat sozial ab. Eine Hungersnot macht sie zu Wirtschaftsflüchtlingen. Und da kreuzen sich die Wege wieder. Am Ende sind die Brüder von dem abhängig, den sie damals am liebsten tot gesehen hätten. Und nun auch das noch: Der Vater Jakob, der bisher alles noch zusammengehalten hat, der das Bindeglied zwischen Josef und seinen Brüdern war, der stirbt. Kein Wunder, dass die Brüder nun Angst haben, dass jetzt alles den Bach runter geht.

Doch die Rache bleibt aus. „Aber Gott gedachte es gut zu machen“ – heißt es an entscheidender Stelle. Gott – nicht Josef. Im Namen Gottes durchbricht Josef den Teufelskreis aus Schuld und Rache. Die Bibel verschließt nicht die Augen vor der menschlichen Realität. Im Gegenteil! Aber sie spielt nicht mit, sondern stellt ein anderes Verhalten, stellt Gottes Tun dagegen: „Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ (1. Mose 50,20) ist der Kernsatz, der die Wendung bringt.

Daraus kann ich Hoffnung schöpfen, dass es auch bei uns Auswege aus dem Streit gibt. Auch wenn wir aus Angst hinter unseren zugeschlagenen Türen sitzen und nicht mehr wissen, wie wir aus der Bitterkeit herauskommen sollen. Es gibt einen Weg der Versöhnung. Geschwister haben die Chance, sich zu vertragen, solang die Eltern noch leben. Wenn der Erbfall eintritt, ist es meist zu spät. Nachbarn können Verständnis füreinander aufbringen und müssen nicht Gerichte bemühen, wenn es um eine Hecke geht, die zu hoch wächst oder die Polizei holen, wenn nun wieder das Grillen am lauen Sommerabend mal zu laut wird. Jede und jeder von uns kann den ersten Schritt tun, der die Wendung bringt, weil Gott uns mit seiner Liebe zur Seite steht. So gelingen Vergebung und Versöhnung, wie am Ender der Josefsgeschichte, wo es heißt: „Und er tröstete sie und redete freundlich mit ihnen.“

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Schnell empören wir uns über andere,
schnell sind wir fertig mit unseren Urteilen.
Manchmal merken wir,
dass unser Urteil uns selbst trifft.
Du, Gott, bahnt neue Wege an
mit Menschen, die Einsicht haben,
die vorsichtig sind in ihrem Urteil,
die Verständnis aufbringen und
mutig erste Schritte gehen aufeinander zu.
Es tut gut, das zu erleben.
Amen.

Familienkirche am 20. Juni 2021

19. Juni 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Familie & Jugend, Familienkirche, Glaube & Leben, Gottesdienste

Herzliche Einladung zum Familiengottesdienst
am Sonntag, den 20.06.2021 um 10:30 Uhr
in der evangelischen Kirche in Niederrodenbach.

Orientierung

4. Juni 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,
wir suchen nach Orientierung. Und je komplizierter die Zeiten und komplexer die Zusammenhänge, desto größer wird unsere Sehnsucht nach knappen Antworten, klarer Orientierung und einem freien Blick auf das Wesentliche.

Woran sollen wir uns orientieren?, fragen Eltern bei der Erziehung ihres ersten Kindes. An Konsequenz oder Nachsicht oder Einsicht?

Woran sollen wir uns orientieren? Diese Frage beschäftigt auch einen kundigen Mann, der mit Jesus ins Gespräch kommt. Auf seine Frage antwortet Jesus kurz und knapp, worum es in unserem Leben eigentlich geht: Du sollst Gott lieben und du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.

Beide Gebote stehen schon in den fünf Büchern Mose. Sie verbinden uns mit Menschen jüdischen Glaubens. Neu ist die Kombination der beiden Gebote, die Jesus hier schafft. Und genau genommen stecken in der Antwort ja sogar drei Gebote: 1. Gott lieben, 2. meinen Nächsten lieben und 3. mich selbst lieben. Für alle drei Beziehungen gilt nach Jesus: „Du sollst lieben!“ Aber: Kann denn „lieben“ befohlen werden?

„Deus caritas est“, „Gott ist Liebe“ steht als Schriftzug in einem Kirchenfester. „Gott – ist – Liebe“. Drei Worte statt drei Gebote, die alles sagen, worum es in unserem Leben und in unserem Glauben geht. Im 1. Johannesbrief führt der Schreiber dazu aus: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“ (4,16) und „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.“

Aus dem Leben des amerikanischen Erfinders Thomas Alva Edison wird folgende Geschichte erzählt: Eines Tages kam der kleine Thomas Edison von der Schule nach Hause und gab seiner Mutter eine Mitteilung seiner Lehrerin.

Er sagte ihr: „Die Lehrerin hat gesagt, dass ich nur dir diesen Brief geben darf.“

Die Augen seiner Mutter waren von Tränen erfüllt, als sie ihm den Brief laut vorlas:

„Ihr Sohn ist ein Genie. Diese Schule kann ihn nicht entsprechend fördern, da wir nicht genug gute Lehrer haben. Bitte unterrichten sie ihn ab jetzt selbst.“

Viele, viele Jahre später – seine Mutter war längst gestorben und Thomas inzwischen einer der größten Erfinder seines Jahrhunderts – kramte er in alten Familiensachen. Plötzlich sah er in der Ecke einer Schreibtischschublade einen Zettel liegen. Es war der Brief seiner ehemaligen Lehrerin und er las ihn. In dem Brief stand:

„Ihr Sohn ist geistig unterbemittelt und wir möchten ihn nicht mehr an unserer Schule unterrichten.“

Edison weinte daraufhin sehr lange und schrieb in sein Tagebuch:

„Thomas Alva Edison war ein geistig unterbemitteltes Kind und wurde durch die heroische Tat seiner Mutter zu einem der größten Genies dieses Jahrhunderts.“

Manchmal ertappen wir Gottes Liebe auf frischer Tat mitten unter uns. Gottes Liebe sucht nicht das Liebenswerte, sondern sie erschafft es. Unsere Liebe ist ein Echo auf die umfassende Liebe, die uns von Gott entgegenkommt.

Gefüllt mit Gottes Liebe, werden wir anfangen, andere zu füllen, andere barmherzig und wertschätzend in den Blick zu nehmen. Wir werden dies tun, nicht wir sollen dies tun. Wir werden das nicht deshalb tun, weil unser Herz plötzlich vor romantischen Gefühlen zu unseren Mitmenschen überströmt, das ist hier nicht gemeint. Die Liebe, von der hier die Rede ist, ist keine feurige, leidenschaftliche Zuneigung (griech. eros). Es ist auch keine freundschaftliche oder familiäre Verbundenheit (griech. filía). Sondern die Liebe, um die es hier geht, sprengt Landes- und Standesgrenzen, durchbricht Milieu-, Alters- und Interessengruppen. Sie ist gebende Liebe (griech. agápe). Es ist Liebe, die aus Achtung entspringt: aus Achtung vor Gott und aus Achtung voreinander. Sie hat etwas mit Barmherzigkeit zu tun.

Tatsächlich lässt sich Liebe ja schwer messen. Aber Barmherzigkeit ist ein guter Maßstab für unsere Liebe – Barmherzigkeit, nicht Gleichgültigkeit. Lukas schreibt in seinem Evangelium zur Frage der Nächstenliebe: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

Wir werden barmherzig mit uns und unseren Mitmenschen, weil wir innerlich gestaltet werden von Gottes barmherziger Liebe. Weil der Geist von Jesus Christus in uns lebt, der aus Liebe für unsere Schuld gestorben ist – und für die Schuld unserer Mitmenschen. Der Geist Jesu, der sich aus Liebe mit meinem und Ihrem Leben identifiziert – und mit dem Leben unserer Mitmenschen. Der Geist Jesu, dessen erste Frucht in uns die Liebe ist (vgl. Galaterbrief, Kapitel 5, Vers 22).

Liebe Leserin, lieber Leser, woran orientieren wir uns? Es geht noch kürzer – zwei Worte statt drei Worte: „Jesus Christus“. In Jesus Christus sind Gott und Mensch, Gottesliebe und Menschenliebe aufs Engste miteinander verbunden. Gott ist Liebe. Wer in Jesus Christus bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

Herzlich grüßt Sie
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Liebe ist nicht nur ein Wort,
Liebe, das sind Worte und Taten.
Als Zeichen der Liebe bist du, Jesus, geboren,
als Zeichen der Liebe für diese Welt.

Freiheit ist nicht nur ein Wort,
Freiheit, das sind Worte und Taten.
Als Zeichen der Freiheit bist du, Jesus, gestorben,
als Zeichen der Freiheit für diese Welt.

Hoffnung ist nicht nur ein Wort,
Hoffnung, das sind Worte und Taten.
Als Zeichen der Hoffnung bist du, Jesus, lebendig,
als Zeichen der Hoffnung für diese Welt.

Amen

(Gebet nach EG 629 Liebe ist nicht nur ein Wort,
Text: Eckart Bücken 1973)

Segensreich

28. Mai 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

ich habe oft den Eindruck, viele Menschen leben, als hätten sie ihr Leben selbst in der Hand; als seien Gesundheit, Wohlstand und Zufriedenheit selbstverständlich; als seien sie selbst Initiatoren ihres Glücks; als verstünde sich das alles von selbst und als hätten sie darauf einen Anspruch.

Diese Haltung entlarvt sich jedoch schnell als trügerisch, wenn ihr Leben Grenzen erfährt, wenn Krankheit und Leiden die schöne Lebensplanung plötzlich beenden, wenn Verlust drohen oder Sicherheiten platzen. Dann taucht die Frage auf: Wer hält uns am Leben? Wer steht zu uns, wenn sich alles wendet und viele abwenden?

Wenn ich um Gottes Segen bitte, bekenne ich, dass ich auf Gott angewiesen bin. Ich weiß: Unser Leben ist durch vieles bedroht. Ich glaube aber, Gottes Schutz umgibt mich, auch wenn ich meine, ich käme allein zurecht. Leben versteht sich nun einmal nicht von selbst.

Ich bin davon überzeugt, wer das weiß, lebt bewusster. Wer damit rechnet, lebt nicht vergeblich. Es gibt Situationen im Leben, in denen ich mit meinem Wissen, mit meinen Fähigkeiten und meiner Kraft am Ende bin. Da kann ich nicht mehr geben und gestalten. Da kann ich nur noch empfangen und annehmen. Da hilft mir einzig die Nähe eines Menschen, seine Zuwendung, seine Liebe.

Im Augenblick einer Gefahr sich völlig aus der Hand zu geben, sich loslassen und den Händen anderer anvertrauen, sich fallen lassen – das ist jetzt leichter gesagt als getan.

Es fällt schwer, nicht selbst alles zu besorgen. Es fällt schwer, sich trösten zu lassen. Es fällt schwer, auf eigene Aktivitäten zu verzichten. Welche Reife, wie viel Mut und welches Vertrauen aber gehören dazu, sich in die Hände anderer zu begeben, nicht auf sich selbst zu bestehen und auf jedes Vorhaben zu verzichten. Sich segnen lassen, sich dem Blick des anderen anzuvertrauen, sich der Güte Gottes zu verdanken, sind eine hohe Lebenskunst und Weisheit.

Gibt es erkennbare Spuren des Segens? Meine Mutter segnete mich, als sie mich an ihre Brust legte oder mir die Flasche gab. Mein Vater segnete mich, wenn er NEIN sagte. Meine Geschwister segneten mich, wenn sie mir ermöglichten, anders zu sein als sie. Menschen segneten mich, indem sie Vorbild waren, indem sie mir zeigten, was ich nicht sein wollte. Gott segnet mich, indem er mir zeigt, wie ich sein kann und wie nicht. Vielleicht heißt ein Gesegneter zu sein, einfach ich selbst sein zu können. Ist das nicht überraschend? Es liegt in vielen gewöhnlichen Begebenheiten ein Geschenk. Es liegt Segen auf ihnen, vorausgesetzt, ich erkenne, dass sie für mich bestimmt sind und dass sie meine Entwicklung zum Guten, zum Freundlichen hin beeinflussen wollen. Übrigens, jeder kann zum Segen für andere werden.

Bleiben Sie wohl behütet und gesegnet!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Ich will ein Licht anzünden
im Namen Gottes:
Die Welt hat er hell gemacht
und mir den Lebensatem eingehaucht.
Ich will ein Licht anzünden
im Namen des Sohnes:
Die Welt hat er errettet
und seine Hand nach mir ausgestreckt.
Ich will ein Licht anzünden
im Namen des Heiligen Geistes:
Er umschließt die Welt
und segnet meine Seele mit Sehnsucht.
Gott über uns,
Gott neben uns,
Gott mitten unter uns,
der Anfang,
das Ende und
der, der bleibt.
Amen.

(Aus Schottland)

Vorstellungsgottesdienst der Konfis am 06.06.2021

27. Mai 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Familie & Jugend, Glaube & Leben, Gottesdienste, Konfis, Veranstaltungen

Unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden laden Sie zusammen mit Pfarrerin Katharina Bärenfänger herzlich ein, ihren Vorstellungsgottesdienst am Sonntag, den 6. Juni 2021 um 10 Uhr digital mitzufeiern.
Der Gottesdienst findet live über Zoom statt.
Dies sind die Zugangsdaten:

Zoom-Meeting beitreten (Computer, Notebook, Tablet, Smartphone)
Meeting-ID: 941 722 2304

Schnelleinwahl mobil (Handy)
+493056795800,,9417222304# Deutschland

+496938079883,,9417222304# Deutschland

Einwahl nach aktuellem Standort (Telefon)
        +49 30 5679 5800 Deutschland

        +49 69 3807 9883 Deutschland

        +49 695 050 2596 Deutschland

        +49 69 7104 9922 Deutschland

Meeting-ID: 941 722 2304

Heiliger Sonntag

7. Mai 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Eine kleine Rätselfrage: In wieviel Tagen hat Gott die Welt erschaffen? In sechs oder in sieben? Denn am siebten Tag „ruhte Gott aus von all seinen Werken, die er geschaffen und gemacht hatte.“, lesen wir im 1. Buch Mose, Kapitel 2, Vers 2. Mit Konfis hatte ich da immer wieder heiße Diskussionen: Ob denn das Ausruhen zum Arbeiten dazu gehört? Da sind die Jugendliche sehr unterschiedlicher Meinung.

Und wie sieht es aus mit dem Gebot „Du sollst den Feiertag heiligen?“ Wir überlegen dann, wer am Sonntag arbeitet. Was ist nötig, was nicht? Polizei, Krankenhaus, Feuerwehr – die brauchen wir 24/7 – rund um die Uhr. Das ist noch unstrittig. Aber wie sieht es aus mit Tankstellen, die sich zu kleinen Supermärkten entwickelt haben? Oder mit den verkaufsoffenen Sonntagen. Und wir sehnen uns doch danach, dass endlich wieder die Restaurants, Kinos und Theater öffnen, natürlich auch am Sonntag.

Was meint „Sonntagsheiligung“ eigentlich? Was unterscheidet den Werktag vom Feiertag? Dass wir nicht arbeiten müssen, ist die Antwort, die am meisten fällt. Aber was noch? Zeit für die Familie vielleicht? Bei wenigen nur – vornehmlich Älteren – höre ich: Ohne den Kirchgang wäre der Sonntag kein Sonntag. Also: Was unterscheidet den Werktag vom Feiertag? Erst recht in dieser Pandemie-Zeit, von der auch der sonntägliche Gottesdienst massiv betroffen ist.

Meine Gedanken gehen zurück in meine Kindheit. Der Sonntag wurde schon am Samstag eingeläutet. Vormittags Straße kehren und Schuhe putzen, am Nachmittag dann einer nach dem anderen in die Badewanne. Da musste nicht mit dem Wasser gespart werden. Wir hatten schon einen Gas-Durchlauferhitzer. So gab es für jeden und jede in der Familie eine volle Wanne mit heißem Wasser. Nach dem Baden die Sportschau, das gemeinsame Abendessen und anschließend vielleicht Kulenkampff. Er wäre übrigens dieser Tage 100 Jahre alt geworden.

Am Sonntag traf sich die Familie zum Spaziergang zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken mit Verwandten und Freunden. Der Kirchgang stand übrigens nicht auf dem Programm. Wir waren keine sonderlich religiöse Familie, oder noch nicht in dem „Kirchgang-Alter“, wie mein Neffe als Kind einmal beschrieben hat, wie es ist, wenn wir alt werden.

Ich will nicht zurück in die „gute, alte Zeit“. Die festgefügten Wochenend-Rituale hatten auch etwas Zwanghaftes. Aber ein Gespür für diesen Wechsel zwischen Arbeit und Ruhe, ein Gefühl für das Besondere und Schöne eines Feiertags lernen wir wohl nur von klein auf, in der Familie.

„Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe, von ihm kommt mir Hilfe.“ heißt es im 62. Psalm, Vers 2. Diese Geborgenheit, dieses Vertrauen, das sich hier ausspricht, kann wohl wirklich nur zuallererst in der Familie erfahren und weitergegeben werden. Und wenn es dort nicht beginnt, dann hilft kein öffentliches Lamentieren über den Verfall der Sonntagskultur.

Das Gespür für so etwas wie „Sonntagsheiligung“ können wir nur ganz elementar lernen. Ich weiß hier kein Patentrezept, wie wir das wieder neu erfahren können. Aber vielleicht müssen wir uns als Kirchengemeinde auch immer wieder kritisch prüfen, wie wir mit dem Sonntag umgehen. Erreichen unsere Gottesdienste die Menschen, die noch lange nicht im „Kirchgang-Alter“ sind – junge Familien zum Beispiel oder auch Jugendliche auch nach der Konfirmation? Unsere Familienkirche mit Bille und Fridulin ist sicher ein guter Anfang.

Ich will zumindest meine Kinder und Enkel ermutigen, ganz bewusst diesen Rhythmus zwischen Werktag und Sonntag zu erleben. Es muss kein sonntägliches Kaffeetrinken bei Oma und Opa sein, so sehr wir dies genießen würden. Es wird auch kein regelmäßiger Kirchgang werden, da bleibe ich Realist. Aber vielleicht gelingt es uns, unsere Kinder und Enkel neugierig auf den Zauber des Sonntags zu machen, wenn wir ihn selbst leben.

Ach ja, am Ende zurück zur Rätselfrage. Natürlich hat Gott die Welt in sieben Tagen erschaffen. Seine Schöpfung ist erst mit dem Tag der Ruhe vollendet. Arbeit allein ist nicht alles. Der Sonntag gehört dazu. Ohne Ausruhen und Gott danken für seine Schöpfung ist die Woche nicht vollständig.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Aus der Unruhe meines Lebens,
der Hektik und den Anforderungen der Arbeit,
komme ich, Gott, zu dir.
Ich danke dir für den Sonntag,
für die Festtage und für die Zeit,
in denen Leib und Seele zur Ruhe kommen.
Ich kann mein Leben nicht in die Grenzen
und das Tempo der Arbeitsstunden zwängen.
Ich brauche Zeit für eine Liebe ohne Hast und Eile,
Lass uns darin aufatmen in deinem Frieden
und neue Kraft schöpfen für den Alltag.

Amen.

Singen

30. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Wo Menschen sich vergessen,
die Wege verlassen,

und neu beginnen, ganz neu
da begegnen sich Himmel und Erde,
dass Friede werde unter uns …

Liebe Leserinnen und Leser,

das Singen fehlt mir. Gerade summe ich mit: „Wo Menschen sich verschenken, die Liebe bedenken …“ Ich bin kein begnadeter Sänger und kein Chor-Mitglied, aber mir fehlt das Singen, besonders am Sonntagmorgen in der Kirche. Mir gefällt die schöne Orgelmusik oder ein bewegender Sologesang, trotzdem fehlt etwas.

Predigt und miteinander einstimmen in neue und alte Lieder sind für mich die Kernpunkte des evangelischen Gottesdienstes. Drum feiern wir jetzt Andacht, solange wir nur hören können. Wir sind still, mit unseren Gedanken bei uns. Die Gemeinschaft kommt zu kurz, wie so oft in dieser Pandemie.

Am 2. Mai feiern wir den Sonntag „Kantate“, da wird mir die Lücke besonders bewusst. „Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.“ So beginnt der 98. Psalm, der diesem 4. Sonntag nach Ostern den Namen gibt.

Vielleicht denke ich aber zu kurz mit meiner Sehnsucht nach dem gemeinsamen Gesang. Singen ist mehr. Eine Skulptur von Ernst Barlach hat mich ins Grübeln gebracht. „Der singende Mann“, eine Bronze-Figur aus dem Jahr 1928 (Foto: Rufus46, wikimedia.org). Da sitzt ein Mann auf dem Boden, sein linkes Bein untergeschlagen. Er trägt ein weit fallendes Gewand. Mit beiden Händen umfasst er das rechte mit dem aufragenden Knie und hält sich so im Gleichgewicht. Alle Körperlinien streben zum Kopf.

Die Augen geschlossen, den Mund zum Singen geöffnet, ist er in sich versunken, lauscht in sich hinein. Es sind dieses für Barlachs Figuren typischen Gesichtszüge, die den Singenden völlig gelöst und konzentriert erscheinen lassen. Hingegeben an den Gesang, öffnet dieser Mensch sein Innerstes. Die befreiende Wirkung der Musik schafft Gelassenheit und Freude. Hier ist jemand ganz bei sich und zugleich ganz wo anders. Wir haben Teil an einer zutiefst berührenden „menschlichen Situation in ihrer Blöße zwischen Himmel und Erde“, wie es Ernst Barlach selbst formuliert hat.

Es braucht weder den kunstvollen, vielstimmigen Chor, noch die Gänsehautmomente einer gemeinsamen Hymne, um von der Musik ergriffen zu werden. Dieser Mensch singt nach innen. Und wenn ich ihn ansehe, singe ich innerlich mit. Wer so singt, muss sich keine Gedanken um Ansteckung und Aerosole machen. Barlachs Figur lehrt mich, diesen Gesang nach innen wertzuschätzen.

Welches Lied er singt, welche Erinnerungen ihn leiten, welche Melodie ihn trägt, weiß ich nicht. Aber ich spüre: Wie er dasitzt, erlebt er eine Gottesstunde. Es geht jetzt nicht um Soll und Haben, nicht um Mühe und Arbeit, nicht um Haschen nach Wind. Jetzt, jetzt ist er ganz bei sich und so ganz bei Gott. Losgelöst und konzentriert zugleich, hingegeben an sich und den nahen Gott.

Ernst Barlachs Werk ist eine Einladung, die Freude zu entdecken. Für mich verschmelzen hier Lebensfreude und Gottesfreude zu einem inneren Lobgesang. Diese Erfahrung möchte ich mitnehmen in unsere Andachten am Sonntag und mit Ihnen teilen. Lassen sie uns miteinander nach innen singen.

Bis dahin: Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Wo Menschen sich vergessen,
die Wege verlassen,
und neu beginnen, ganz neu …

Wo Menschen sich verschenken,
die Liebe bedenken,
und neu beginnen, ganz neu …

Wo Mensch sich verbünden,
den Hass überwinden,
und neu beginnen, ganz neu …

… da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns,

da berühren sich Himmel und Erde,
dass Frieden werde unter uns.

Thomas Laubach

Angebote

24. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser,

Joghurt ohne Ende: Fettarm oder mit Sahne, pur oder in den abgefahrensten Geschmacksrichtungen, laktosefrei oder proteinreich. Groß, bunt und vielfältig ist das Angebot in den Supermarktregalen. Ebenso groß, bunt und vielfältig sind Angebote an Lebenssinn. Da geht es nicht nur um evangelisch oder katholisch, christlich oder muslimisch.

Der Markt der religiösen Möglichkeiten bietet alles, was das Herz begehrt: Von indischen Gurus über buddhistische Meditation bis hin zu militantem Atheismus ist alles dabei. Bachblüten-Therapie, Tai-Chi und Feng-Shui stehen auf dem Programm jeder besseren Volkshochschule. Gerne melden wir uns mal bei einem Yoga-Kurs an, lesen etwas vom Dalai Lama oder stellen uns einen Schutzengel ins Wohnzimmer. Das passt schon alles – irgendwie.

Einige genießen die Freiheit, auch religiös nach Belieben shoppen zu können. Andere finden sich nicht mehr zurecht und klagen über eine religiöse Beliebigkeit. Manchen ist das schlicht egal. Sie haben ihren Gott gefunden: Im runden Ball, auf vier Rädern, mit dem Blick nach Mekka oder am Kreuz. Schwierig wird’s, wenn nur einer rechthaben darf.

Wer meint, das sei ein Phänomen der modernen Welt, liegt falsch. Auch die ersten christlichen Gemeinden waren nur ein kleiner, bunter Haufen in dem großen religiösen Mix der Antike. Der EINE Gott war einer unter vielen. Wer da auffallen wollte, musste sich schon was Besonderes einfallen lassen. In seiner Apostelgeschichte erzählt der Evangelist Lukas, wie der Apostel Paulus dies auf dem Marktplatz von Athen versucht – mitten im Zentrum, der Fußgängerzone sozusagen.

Athen war damals die kulturelle Hauptstadt Europas, Schmelztiegel der Ideen. Namen wie Sokrates, Plato, Aristoteles, Homer sind mit dieser Stadt verbunden. Hier drängten sich die Menschen, hier war etwas los – auch geistig, kulturell und religiös. Alles was der Zeitgeist hergab, war hier vertreten. Und damit auch ja niemand vergessen wird, gab‘s sogar Altäre für die „unbekannten Götter“. Das ist für Paulus der Anknüpfungspunkt, vom Evangelium von Jesus und von der Auferstehung zu reden.

Seht, Gott ist schon hier, sagt Paulus. „In ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts.“ Seine gute Nachricht: Keinem von uns ist dieser unbekannte Gott fern.

Damals die gleichen Reaktionen wie heute: Einige sind begeistert, manche spotten, andere gehen achtlos vorüber. Was ich von Paulus lerne: Ausschau zu halten, nach dem „Altar für den unbekannten Gott“. Anknüpfungspunkte zu suchen im Leben der Menschen um mich herum.

Wie ist Kirche hautnah bei den Menschen, Jesus auf der Straße, in den Büros, Fabriken und Einkaufszentren, Krankenhäusern und Kindergärten? Offen, freundlich, einladend? Was wir dabei anzubieten haben, ist keine Wohlfühl-Religion, bei der nur Jugend, Schönheit, Macht und Geld zählen. Das Evangelium von Jesus ist keine Anleitung zur Selbstoptimierung.

„In Gott leben und weben und sind wir“, sagt Paulus. Gott umgreift uns ganz, mit Leib und Seele, Gefühl und Verstand. „Ganzheitlich“ nennen wir das heute. Das Evangelium von Jesus und seiner Auferstehung blendet auch Scheitern, Schwäche, Krankheit, selbst den Tod nicht aus. Gott ist auch nah, wenn es in mir dunkel wird. Selbst der Tod hat seine letzte Macht verloren. Niemand kann tiefer fallen als in Gottes Hand.

Diese Erfahrung des Glaubens will ich anbieten auf dem Markt der religiösen Möglichkeiten. Ich brauche mich dabei nicht zu verstecken. „Keinem von uns ist Gott fern“, diese Erfahrung will nicht nur sonntags gepredigt, sondern mitten im Alltag gelebt werden. Gott passiert, wenn ich mich öffne, auf andere zugehe, wir miteinander Glück teilen und Kummer gemeinsam tragen.

Dabei kann auch mal Yoga helfen, oder schlicht mal die kranke Nachbarin fragen, ob ich ihr was aus dem Supermarkt mitbringen kann – das was sie zum Leben braucht und ein Joghurt vielleicht.

Bild: Veit Kern, pixelio.de

Und bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Frei und unabhängig möchten wir sein.
frei von Ängsten und Zwängen,
von allem, was uns zu Boden drückt,
was unsere Freude lähmt,
und die guten Einfälle unserer Liebe erstickt.

Von Jesus geht eine befreiende Kraft aus.
Wir suchen sie für uns selbst
und im Zusammenleben mit anderen
und freuen uns, wenn wir sie finden.
Dann begreifen wir: Keinem von uns ist Gott fern.

Amen.

Hirtensonntag

16. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

Schafe sind unglaublich hilfsbedürftige, wehrlose Tiere. Wie erstaunlich, dass Gott ausgerechnet das „Schafsprinzip“ wählt, um mit uns als Schaf-Jesu-Leuten sein Reich zu bauen.

„Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer mitten unter die Wölfe“, so Jesus zu seinen Jüngern in Lukas 10,3. Und dann weiter: „Tragt keinen Geldbeutel bei euch, keine Tasche und keine Schuhe, und grüßt niemanden unterwegs.“

Ganz schön unfreundlich, diese Schafe, die da im Namen von Jesus unterwegs sind, oder? Jesus, meinst du das ernst? – Kein „Hi, Hallo, Tag, Guude, Salut, Grüß Gott“ oder ähnliches?

Nun, in der orientalischen Kultur „jemanden zu grüßen“, besteht aus mehr Worten als nur einer abgehackten Kurzformel wie bei uns: „Guude“ für „Ich wünsche dir einen guten Tag“ oder „Grüß Gott“ für „Gegrüßt seist Du bei dem lebendigen Gott“. In der afrikanischen Kultur etwa jemanden höflich zu grüßen, bedeutet zu fragen: „Wie geht es dir?“ Und dann auch weiter zu fragen: „Und wie geht es deinen Eltern?“ – „Und Deinen Großeltern?“ – „Wie geht es deinen Geschwistern?“ – „Und Deiner Tante?“ – „Und Deinem Onkel?“ Jemanden zu grüßen kann also gut gerne schon einmal 1-2 Stunden Zeit in Anspruch nehmen.

Wenn Jesus seinen Jüngern aufträgt, während ihres Auftrags niemanden zu grüßen, dann meint er damit: Verzettelt euch nicht! Vertut die Zeit nicht mit Plauderei, sondern nutzt die Zeit, um das zu sagen, was wirklich wesentlich ist. Eure Botschaft lautet: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen!“

Unter den Schafen sind die Lämmer ein besonders gefundener Leckerbissen für Wölfe. Hilfloser geht es nicht, als wenn Jesus seine Leute wie Lämmer unter die Wölfe schickt. Gibt es irgendeine Strategie?

Die Ausrüstung ist es wohl nicht. Wie geschorene Lämmer ziehen die Schaf-Jesu-Leute los. Ein Wollkleid schützt sie nicht. Mit einem Stock zur Verteidigung können sie nicht umgehen. Taschen für Geld haben sie nicht. Jesus macht seinen Jüngern klar: Euer Auftrag hängt nicht von eurem Finanzstatus ab. Nicht von eurer Vorsorge und nicht von euren Fähigkeiten. Euer Auftrag hängt einzig und allein von eurer Verbindung zum Hirten ab: nach dem Hirten zu schreien wie Lämmer und auf die Stimme des Hirten zu hören und dann loszugehen und sein Wort auszurichten – das ist euer Auftrag.

So nackt und mittellos Schaf-Jesu-Leute auch sind, sie bringen doch das Größte mit sich: Gottes lebendiges Wort zum Segen oder zum Gericht. Die Botschaft bleibt immer dieselbe. Sie lautet: „Das Reich Gottes ist nahe herbeigekommen.“ Diese Botschaft wird nicht verändert oder angepasst. Ihr Inhalt steht nicht in Frage; er wird eintreffen, ob die Botschaft nun Hörerinnen und Hörer findet oder nicht.

„Dein Reich komme, dein Wille geschehe“, beten wir auch im Vaterunser. Die Frage ist nicht, so Martin Luther, ob das Reich Gottes tatsächlich kommt oder nicht. Das Reich Gottes kommt auf jeden Fall – auch ohne unser Gebet. Aber indem wir beten, bitten wir Gott, dass sein Reich auch zu uns kommen möge. Dass sein Wille auch in unserem Leben Raum nehmen möge.

Der Evangelist Lukas berichtet von der großen Euphorie, mit der die Jünger aus ihrem Dienst zurückkommen und schier übersprudeln: „Die Zweiundsiebzig aber kamen zurück voll Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister sind uns untertan in deinem Namen.“ Wie hilflose Schafe waren sie in ihre Aufgabe losgezogen, und nun diese Erfahrung: In der Kraft ihres Hirten konnten sie sogar Dämonen austreiben und sichtbare Zeichen tun. Was für eine Freude!

Jesus bestätigt, was die Jünger ihm erzählen. Und doch, so Jesus, gibt es noch eine größere Freude: Nicht, dass wir erleben, wie Gott durch uns wirkt, sondern, dass wir erleben, wie Gott an uns wirkt! Wie er uns in Jesus zu Schaf-Jesu-Leuten macht. Zu Lämmern seiner Herde, zu seinen geliebten Kindern. Uns einzeichnet in seine Hände, unsere Namen in sein Buch des Lebens schreibt. „Freut euch nicht“, sagt Jesus, „dass euch die Geister untertan sind. Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind“. Was für eine Freude!

Zuallererst sind wir immer selbst Gerettete! Und dann Leute, die auf den Retter hinweisen. Das macht bescheiden – und sehr glücklich!
Amen

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Eines wünsch ich mir vor allem andern,
eine Stärkung früh und spät,
um getrost durchs finstre Tal zu wandern,
dass dies eine mit uns geht:
unbeirrt auf jenen Mann zu schauen,
der mit Zittern und mit Todesgrauen
auf sein Antlitz niedersank
und den Kelch des Vaters trank.
Ja, mein Jesus, lass mich nie vergessen
meine Schuld und deine Huld.
Als ich in der Finsternis gesessen,
trugest du mit mir Geduld.
Wie ein Hirt nach seinem Schaf schon trachtet,
längst bevor es seinen Ruf beachtet,
hast du schon vor meiner Zeit
mir den Weg zu Gott befreit.
Ich bin dein, sprich du darauf ein Amen,
treuer Jesus, du bist mein.
Schreibe deinen lieben Jesusnamen
bleibend in mein Herz hinein.
Mit dir alles tun und alles lassen,
deine Hand im Tod und Leben fassen,
das sei meines Glaubens Grund,
dein Vermächtnis, unser Bund.

(Gebet nach Lied: Eines wünsch ich mir vor allem andern; Text: nach Albert Knapp 1829 Detlev Block 1991)

Gedanken zum Sonntag

10. April 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Am Karfreitag waren mit Jesus all ihre Hoffnungen ans Kreuz genagelt worden. In der tiefsten Krise ihres Lebens kehren die Jünger Jesu zurück an den See Genezareth. Sie tun das, was Menschen oft Halt in schlimmen Zeiten gibt: Sie arbeiten. Sie tun, was sie gelernt haben, sie werfen die Netze aus und wollen fischen. Aber vergebens, die Netze bleiben leer. Wieder erleben sie das Scheitern.

Plötzlich steht da ein Fremder am Ufer. „Werft eure Netze noch einmal aus; und zwar auf der rechten Seite!“, ruft er ihnen zu. Wie verrückt ist das denn? Jedes Kind weiß doch, dass man am Tag keine Fische fängt. Doch in der tiefsten Not klammert man sich an jeden Strohhalm. Noch fahren sie hinaus auf den See. Und sie haben Erfolg, die Netze sind voll. 153 Fische zählt der Evangelist. (Johannes 21,1-14).

Genau diesen Moment hat Hilde Ferber in ihrem letzten Bild des Osterzyklus in den Glasfenstern unserer Kirche festgehalten. Das Boot legt ans Ufer an. Während zwei der Fischer den Fang sichern, steht der rechte einfach nur da. Er scheint die Hände gefaltet zu haben. Betet er, oder ist er einfach nur starr vor Schreck? Der linke der Vier, es ist Petrus, springt aus dem Boot, auf den Fremden zu. Er ist der einzige, bei dem ich Gefühle spüren kann. Typisch für Hilde Ferber, die Personen auf ihren Bildern wirken oft ernst, die Mundwinkel nach unten, in sich verschlossen – wie hier, den Blick oft nach unten oder die Augen verschlossen.

Drei verschiedene Reaktionen auf diese Begegnung, die noch einmal, schon wieder, ihr Leben verändert. Der eine steht wie angewurzelt da, weiß nicht, wie es vor und zurück geht. Bloß nicht bewegen, weil die Angst da ist, ins Bodenlose zu fallen, zu ertrinken im Meer der Angst. Die beiden anderen konzentrieren sich auf das, was den Alltag ausmacht. Aus Angst zu kentern, halten sie geschäftig an dem fest, was sie gelernt haben. Gut, dass es etwas zu tun gibt, womit sie ihr Lebensboot in der Balance halten können.

Doch einer springt auf, als er das Neue erkennt. Petrus blickt nach oben, mit weit offenen Augen. Staunend? Flehend? Die Hände sind schon offen, wollen begreifen, was er sieht. Doch er wagt es nicht, den Fremden zu berühren. Trotz der offenen Hände bleiben die Arme angewinkelt, an den Körper gepresst. Der Schritt heraus aus der relativen Sicherheit eines schwankenden Lebensboots geschieht nicht mit ausgelassener Begeisterung, nicht mit fröhlicher Zuversicht, sondern immer noch mit Unsicherheit und Angst.

Trotzdem ist es genau diese Erfahrung, die der Glaube immer neu machen kann: Am Ufer meines Sees, am Ufer meiner tiefen Enttäuschung, Verletzung und Trauer, trifft mich ein Fremder. In größter Seelennot begegnet mir ein Mensch und reißt mich heraus. Ich wage etwas völlig verrücktes und spüre eine neue Lebensenergie in mir. Mir gelingt ein „schöpferischer Sprung“, wie es die Schweizer Psychologin Verena Kast es einmal genannt hat, ein Vorschein von Auferstehung.

Ja, der Auferstandene begegnet den Jüngern am See Tiberias. Den vier Jüngern gegenüber steht Jesus, zu seinen Füßen Brot und Fische. Jesus sorgt für ein volles Netz, aber er ist nicht auf ihren Fang angewiesen. Das Frühstück nach durchwachter Nacht ist schon vorbereitet. Jesus braucht unsere Erfolge nicht, um uns zu sättigen. Er lädt die Jünger ein zu Fisch und Brot: „Kommt her und esst!“. Wir können seinen Weg mitgehen. Er gibt uns Würde dabei zu sein, in seinen Auftrag hineinzuwachsen.

Am Ende sind es vielleicht gerade diese Begegnungen, die uns Kraft und Hoffnung geben: Keine Ahnung, wer vor uns steht, aber wir spüren, dass Gott nah ist. Die wesentlichen Augenblicke unseres Lebens sind oft ein Geschenk, ein Geschenk vom Himmel her, weil es Augenblicke sind, die in uns etwas aufbrechen. Wir dürfen etwas von dem spüren, was Himmel und Erde verbindet.

Am Ende sind die Jünger mit ihrem Leben versöhnt. Ja, das Leben geht weiter. „Es muss gearbeitet und gegessen werden. Enttäuschungen, Zweifel und auch Verzweiflung werden nicht aufhören, aber durch die Auferstehung werden sie überwunden und in das Licht der Liebe Gottes gerückt.“ (Christoph C. Noack).

153 Fische zählen die Jünger bei ihrem Fang. Eine merkwürdige Zahl. Vielleicht ein Hinweis auf die damals bekannte Zahl von Fischarten. Ein Zeichen dafür, dass die ganze Schöpfung umfasst ist. Niemand kann aus ihr herausfallen. Damit bekommt auch das Tun der beiden Jünger in der Mitte noch einmal eine neue Perspektive. Das himmlische Blau ihrer Gewänder bekommt einen neuen Sinn: Sie stehen dafür, dass niemand aus Gottes Hand fallen kann. Arbeiten und Beten, beides ist nicht vergeblich.

Gut, wenn wir uns immer wieder bewusst machen, wie wendungsreich und zwiespältig dieser Weg verlaufen kann. Glaube ist keine Wundermedizin, die uns unverwundbar macht. Glaube ist das immer neue Ringen um Orientierung und Vertrauen in das Leben. Selbst wenn mein Lebensboot zu kentern droht, ist einer da, der trotzdem Halt gibt.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Frei von Angst und Zweifel
möchten wir glauben und leben können.
Doch stoßen wir schnell an die Grenzen unseres Vertrauens.
Manchmal bleiben uns nur unsere Tränen.
Doch auch die können wir zu dir bringen, Gott.
Und mitten in dem Leid geschieht das Unmögliche.
Gott, du gibst uns neue Hoffnung, wo wir Trauer tragen,
unverhofftes Vertrauen, wo wir noch ängstlich sind.
Mit Jesus lässt du uns auferstehen.
Wir danken dir durch ihn, der unser Leben ist.
Amen.