Gottesdienste

Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es leider auch Beschränkungen in unseren Gottesdiensten und Andachten.

Aktuell finden bis zunächst 31. Januar keine Andachten in der Kirche statt.

Gedanken zum Sonntag veröffentlichen wir hier auf unserer Homepage sowie im Rodenbachkurier.

Sie können sie auch als Telefonandachten unter der Telefonnummer 06184-55128 hören, dort wechselt die Andacht immer dienstags, parallel zum Erscheinen des Rodenbachkurieres.

Grundsätzlich gelten folgende Regeln:

  • Wir achten strikt auf die jeweils geltenden Hygiene- und Abstandsregeln sowie das Lüften und bieten die Möglichkeit der Händedesinfektion.
  • Der Mindestabstand von 1,5 Meter zueinander ist einzuhalten.
  • Bei Gottesdiensten und Andachten, bei denen zu erwarten ist, dass viele Menschen kommen, ist eine vorherige Anmeldung nötig.
  • Es ist eine Mund-Nasen-Maske auch am Platz zu tragen.
  • Das gemeinsame Singen ist leider nicht möglich.
  • Personen mit Erkältungssymtomen und solche, die unmittelbaren Kontakt mit einer Person hatten, die mit Covid-19 infiziert ist, können nicht an den Gottesdiensten und Andachten teilnehmen.

Aktuelle Informationen dazu finden Sie auch auf der Webseite unserer Landeskirche. Gerne stehen wir natürlich für Fragen zur Verfügung.

Gedanken zum Sonntag

Schnee

22. Januar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Ich liebe es, wenn es schneit. Mein Heimatort im nordhessischen Bergland wird ein- bis zweimal im Jahr von einer dichten Schneedecke überzogen. Durch Millionen und Milliarden kleiner Schneeflocken, die vom Himmel herabtanzen, wird die Welt vor meinen Augen verwandelt. Alles sieht so rein und sauber, so ordentlich und aufgeräumt aus.

„Rings herum, wie ich mich dreh‘,
nichts als Schnee und lauter Schnee.
Wald und Wiesen, Hof und Hecken,
alles steckt in weißen Decken.
Und im Garten jeder Baum,
jedes Bäumchen voller Flaum!
Auf dem Sims, dem Blumenbrett
liegt er wie ein Federbett.
Auf den Dächern um und um
nichts als Baumwoll‘ rings herum.“

So beschreibt der Dichter Friedrich Güll im 19. Jahrhundert den Zauber des Schnees.

Und noch etwas geschieht, wenn es schneit: Der Schnee verschluckt alle Geräusche. Die Welt wird still.

Am Ende eines Skitages in den Berner Alpen genieße ich es manchmal, zusammen mit einem Freund auf der Bergspitze im Schnee zu sitzen und abzuwarten, bis alle Lifte stillstehen. Diese letzte halbe Stunde, bevor die Sonne hinter der Bergkette verschwindet, ist eine besonders intensive Zeit. Die Lifte haben angehalten. Die Motoren der Pistenraupen und Skibobs sind verstummt. Die Welt um mich herum scheint still zu stehen. Keiner von uns spricht ein Wort. Ich wage kaum zu atmen, so still ist es auf einmal. Und allmählich fange ich an zu lauschen… Zu lauschen, ob ich nicht doch irgendein Geräusch hören kann. Den Schrei eines Vogels in der Ferne. Die Geräusche eines Helikopters aus dem Nachbartal. Irgendein Geräusch. Aber nichts. Kein einziger Mucks ist zu hören. Nach einigen Minuten lasse ich den Schnee unter meinen Skischuhen knirschen, nur um sicher zu gehen, dass es nicht an mir liegt, dass ich nichts höre. Dass ich noch die Fähigkeit habe, hören zu können, wenn es etwas zu hören gibt.

„Wer Ohren hat zu hören, der höre!“ (Lukas 8,8), fordert Jesus seine Jünger auf. Leichter gesagt als getan, möchten wir heute mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaft und der modernen Lernpsychologie sagen. Denn inzwischen haben Wissenschaftler herausgefunden, dass wir nur etwa 20% aller Informationen über unser Gehör aufnehmen. Der auditive Lernkanal ist bei den meisten von uns also gar nicht besonders stark ausgeprägt. Weit mehr Informationen nehmen wir durch Sehen oder durch Sehen, Hören und Tun auf. Mein Bibelkunde-Lehrer sprach gerne von der biblischen HUT-Methode: Es geht um‘s Hören und Tun.

Als ich mich auf meine Ordination als Pfarrerin vorbereitet habe, wurde mir ein Satz aus unserem Ordinationsversprechen besonders wichtig. Er steht gleich zu Beginn, im ersten Absatz und beschreibt den Dienst einer Pfarrerin und eines Pfarrers so: „Unser Dienst besteht darin, zu hören und zu beten“ – und dann folgen all die Tätigkeiten, die sich in Statistiken erfassen und messen lassen: Predigt und Sakramentsverwaltung, Gottesdienste, Seelsorge und Unterricht, Diakonie, Mission und Ökumene. Aber, zu Beginn allen Dienstes steht das Hören und Beten.

„Wer Ohren hat zu hören, der höre“, Jesus meint hier also mehr als nur, ein akustisches Signal zu empfangen. Hören in Jesu Sinne beginnt da, wo wir damit rechnen, dass Gott mit uns reden möchte. Uns etwas zu sagen hat – und zwar etwas, das uns helfen und verändern wird, uns heilen und in eine Aufgabe rufen wird. Das freilich geht nur, wenn wir auch hören wollen, was Gott uns sagen möchte.

„Samuel, Samuel“, ruft Gottes Stimme den zukünftigen Propheten Israels. Samuels Antwort wurde seither zur Antwort vieler Menschen, die Gottes Stimme in ihrem Leben hören wollten. Samuel antwortet: „Rede, denn dein Knecht hört!“ (1 Samuel 3,10). Um Gottes Wort zu hören, braucht es ein „aufrichtiges und bereitwilliges Herz“ (Lukas 8,15, Neue Genfer Bibel). Es braucht das offene Herz einer Maria, von der es bei Lukas heißt: „Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen.“ Es braucht das tatkräftige Herz eines Josef, von dem Matthäus erzählt: „Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Matthäus 1,24) Es braucht das veränderungsfähige Herz eines Paulus, der sich durch Jesu Stimme von seinem Weg und seinen Plänen abbringen lässt und es zulässt, in der Tiefe seines Herzens erneuert zu werden – aus Saulus wird Paulus, aus dem Christenverfolger einer, der Jesus bezeugen und einmal als Zeuge sein Leben für Jesus lassen wird. Um Gottes Wort zu hören, braucht es ein „aufrichtiges und bereitwilliges Herz“ (Lukas 8,15, Neue Genfer Bibel).

Ich wünsche uns zu Beginn dieses Jahres
wieder neu ein hörendes Herz!
Ihre Pfarrerin
Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Du weckst mich alle Morgen,
du weckst mir selbst das Ohr.
Du hältst dich nicht verborgen,
führst mir den Tag empor,
dass ich mit deinem Worte
begrüß das neue Licht.
Schon an der Dämmrung Pforte
bist du mir nah und sprichst.

Du sprichst wie an dem Tage,
da du die Welt erschufst.
Da schweigen Angst und Klage;
nichts gilt mehr als dein Ruf.
Das Wort der ewgen Treue,
die du uns Menschen schwörst,
erfahre ich aufs neue
so, wie ein Jünger hört.

Du willst mich früh umhüllen
mit deinem Wort und Licht,
verheißen und erfüllen,
damit mir nichts gebricht;
willst vollen Lohn mir zahlen,
fragst nicht, ob ich versag.
Dein Wort will helle strahlen,
wie dunkel auch der Tag.

(Gebet nach Nr. 452 im Evangelischen Gesangbuch „Er weckt mich alle Morgen“)

Wasser zu Wein

15. Januar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Eltern können voll peinlich sein. Besonders wenn sie cool sein wollen. Oder mit ihren Kindern angeben. Da waren Jesus und seine Freunde auf eine Hochzeit eingeladen. Seine Mutter auch. Dem Hochzeitspaar geht der Wein aus. Die Gäste sitzen auf dem Trockenen. Wirklich blöd. Aber eigentlich nicht Jesus Problem. Doch seine Mutter stupst ihn an: „Sie haben keinen Wein mehr!“ – sprich: Mach was dagegen! Nur gut, dass Jesus da keine 14 mehr ist. Aber gefallen hat es ihm nicht, dass seine Mutter so mit ihm angibt. „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Auf gut Deutsch: Lass mich in Ruhe, Mutter! Aber wie brave Söhne so sind. Er tut ihr den Gefallen. Und außerdem wär’s ja wirklich schade um die Stimmung, wenn es nichts mehr zu trinken gäbe.

Ein kleiner Familienkonflikt auf einer Party. Der Sohn gibt nach und zeigt widerwillig, was in ihm steckt. Eine Alltagsgeschichte, doch mit einem starken Ende: Wasser wird zu Wein. Ja, die Geschichte beeindruckt. Wenn Sie irgendwelche Leute auf der Straße nach den Wundern Jesu fragen, dann kann ich Ihnen fast garantieren, dass dieses Wunder auf der Hochzeit zu Kana zuerst genannt wird. Jesus hat Wasser in Wein verwandelt. Und er ist über’s Wasser gelaufen. Das sind die Wunder, die sich tief ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben, wenn es um Jesus geht.

Ich weiß nicht, warum gerade diese Wunder so bekannt sind – vielleicht, weil man sie vom Gottessohn am Wenigsten erwarten würde. Nicht mit der Heilung von Kranken oder der Auferweckung von Toten beginnt im 2. Kapitel des Johannesevangeliums das öffentliche Wirken Jesu, sondern mit diesem Wein-Wunder. Vielleicht steckt hinter der Geschichte doch mehr als ein kleiner Familienkonflikt mit feucht-fröhlichem Ausgang.

Wein ist etwas für Friedens- und Freudenzeiten. Weinstöcke brauchen intensive Pflege. In Kriegs- und Notzeiten ist Weinbau schwer möglich. Brot ist das Grundnahrungsmittel und Wein das Festgetränk. Bei Wasser und Brot sitzt man sprichwörtlich im Gefängnis ein. Um fröhlich zu feiern, braucht es den Wein. Ein starker Auftakt: Mit Jesus wird das Leben zum Fest.

Und noch etwas: Für sein Wein-Wunder lässt Jesus die Reinigungskrüge mit Wasser füllen – sicher nicht nur, weil sie als große Gefäße so praktisch waren. Das Wasser in diesen Tonkrügen wurde nicht einfach zur Körperpflege verwendet, sondern zur rituellen Reinigung, zur Abwaschung von Sünden. Jesus befreit. Von Krankheit, von Sünde und Tod. Das ist von Anfang an die Botschaft des Evangeliums.

Jesus kommt genau zu denen, die nichts zu lachen haben. Aber das ist kein Argument gegen das Lachen. Und dass er den Armen hilft, ist kein Plädoyer für die Armut. Mit Jesus feiern wir das Fest des Lebens. Gerade weil wir um die Grenze dieses Lebens wissen. Um Leid und Tod. Um Ungerechtigkeit und Gewalt. Um Krieg und Terror. Mit Jesus bricht sich eine neue Qualität des Lebens Bahn. Das gilt es zu feiern.

Wenn wir jetzt in unseren Corona-Einschränkungen zuhause sitzen und uns so gar nicht zum Feiern zumute ist, macht mir diese Geschichte Mut. Es gibt auch in der Krise überraschende Wendungen zum Leben und zur Zuversicht. Klar, wir sind nicht Jesus. Wir vollbringen keine großen Wunder. Aber mit etwas Fantasie und Kreativität schaffen wir auch im Lockdown kleine Wunder der Lebensfreude und lassen die nicht allein, die besonders von dieser Krise getroffen sind. Manchmal brauchen wir nur jemand, der uns anstupst – es muss auch gar nicht die Mutter sein!

Bleiben Sie behütet und zuversichtlich!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Diese Andacht können Sie auch hier anhören.

Mittagsgebet

Unser Leben sei ein Fest, / Jesu Geist in unserer Mitte, / Jesu Werk in unseren Händen. / Jesu Geist in unseren Werken. / Unser Leben sei ein Fest / an diesem Morgen (Abend) und jeden Tag.

Unser Leben sei ein Fest, / Brot und Wein für unsere Freiheit. / Jesu Wort für unsere Wege, / Jesu Weg für unser Leben. / Unser Leben sei ein Fest / an diesem Morgen (Abend) und jeden Tag.

(Evangelisches Gesangbuch Nr. 555)

Gedanken zum neuen Jahr

9. Januar 2021 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Traditionell endet die Zeit des Wartens, die sogenannte Adventszeit, am Heiligen Abend vor der Christvesper und der anschließenden Bescherung. Oft haben wir sonst nach Vergleichen gesucht, was denn „Warten“ eigentlich bedeutet:

Warten… Wie Kinder gespannt auf die Bescherung warten.

Warten… Wie die Landwirtin nach der Aussaat auf das Wachsen und Gedeihen der Saat wartet – und doch den Wachstumsprozess nicht beschleunigen kann.

In diesem Jahr müssen wir gar nicht nach Vergleichen suchen, was „warten“ denn bedeutet. Dieses Jahr befinden wir uns auch nach der Bescherung an Heiligabend noch im Warte-Modus. Wir sind Wartende – und das schon seit fast 9 Monaten und nicht erst seit Beginn der Adventszeit.

Auf was warten wir?

Wir warten

…auf die Herstellung und gerechte Verteilung eines Impfstoffes

…auf das wiedergewonnene Gefühl von Sicherheit.

…auf eine Rückkehr unserer Bewegungs-, Besuchs- und Reisefreiheit.

…auf ein Ende der Hiobsbotschaften aus den europäischen Nachbarländern und aus unserem eigenen Gesundheitssystem

Wie wird dieses Jahr 2020 also in die Geschichtsbücher eingehen?

Als ein Jahr hoher Infektions- und Todeszahlen im Zusammenhang mit Covid-19? Ein Jahr der Beschränkungen und Entbehrungen. Der Verordnungen und Allgemeinverfügungen.

Als ein Jahr fremdenfeindlicher Übergriffe? – „Black lives matter“.

Als ein Jahr der Querdenker und Straßenprotestler? Der wirtschaftlichen Zusammenbrüche. Der abgeriegelten Seniorenheime und überfüllten Gemeinschaftsunterkünfte. Als ein Jahr häuslicher Gewalt und zunehmender Chancenungleichheit für Unterprivilegierte im Bildungsbereich.

Ja, es stimmt, auf die Verteilung eines Impfstoffes an alle, die auf eine schützende Impfung hoffen, warten wir noch. Aber für vieles andere, was nicht zuletzt auch durch die Covid-19-Pandemie neu ans Licht der Öffentlichkeit und in unser Bewusstsein gerückt ist, haben wir bereits ein Mittel. Stoff für Querdenker. Ein uraltes Haus– und Heilmittel. Unerschöpflich in seiner Verfügbarkeit. Gut bekömmlich, wenn auch nicht ohne Folgen. Das Mittel ist erhältlich unter dem uralten Namen Barmherzigkeit. Und unsere Jahreslosung für 2021 formuliert das so: Jesus Christus spricht:

„Seid barmherzig,
wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6,36)

Um seinen Jüngern zu veranschaulichen, was er damit meint, erzählt Jesus Geschichten: Die Geschichte des barmherzigen Samariters (Lukas 10), die Geschichte des barmherzigen Vaters(Lukas 15).

Und konkret erklärt Jesus: „Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben.“ (Lukas 6,37)

Barmherzigkeit ist nach dem Neuen Testament nicht eine natürliche Eigenschaft von uns, sondern eine Eigenschaft von Gott (misericordia Dei). Aus freien Stücken öffnet Gott sein Herz für unsere Not und nimmt sich unserer Sorgen an – nicht abwartend, sondern überaus aktiv.

Solche Barmherzigkeit ist eine Haltung, die uns geschenkt wird. Die uns Gott zur Verfügung stellt, um damit unser menschliches Miteinander zu gestalten — individuell und strukturell, familiär und gesellschaftlich.

Denn die Haltung der Barmherzigkeit ist kein Einzelkind — sie tritt immer zusammen mit ihrer Schwester auf, der Gerechtigkeit. Wo Barmherzigkeit als Haltung unter uns einkehrt, da wird auch Gerechtigkeit folgen. Wo wir uns übereinander erbarmen, ein herzliches Erbarmen empfinden angesichts der Nöte von Menschen in unserem Land und weltweit, da werden wir auch leidenschaftlich dafür eintreten, dass sich ihre Situation durch gerechtere Strukturen, gerechtere Arbeitsbedingungen und gerechtere Bildungschancen zum Besseren wendet.

Wenn wir mit einer neuen Haltung der Barmherzigkeit, mit einer neuen Sehnsucht nach Gerechtigkeit aus diesem Jahr in ein neues Jahr starten, dann hat sich unser Warten doch gelohnt. Dann ist Entscheidendes doch schon bei uns angekommen — eine Haltung der Barmherzigkeit, wirksam in den vielfältigen Nöten unserer Zeit.

Ein frohes und gesegnetes neues Jahr
unter Gottes Schutz und Segen wünscht Ihnen
Ihre Pfarrerin
Katharina Bärenfänger

Diese Gedanken zum neuen Jahr können Sie auch hier anhören:

Mittagsgebet

Ich will dich erheben, mein Gott, du König,
und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Der Herr ist groß und sehr zu loben,
und seine Größe ist unausforschlich.
Kindeskinder werden deine Werke preisen
und deine gewaltigen Taten verkündigen.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

Dein Reich ist ein ewiges Reich,
und deine Herrschaft währet für und für.
Der Herr ist getreu in all seinen Worten
und gnädig in allen seinen Werken.
Der Herr hält alle, die da fallen,
und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

Aller Augen warten auf dich,
und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit.
Du tust deine Hand auf
und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen,
allen, die ihn ernstlich anrufen.
Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren,
und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

Gnädig und barmherzig ist der Herr,
geduldig und von großer Güte.

(Psalm 145, Evangelisches Gesangbuch Nr. 756)

Familienkirche im Weihnachtsvideo

19. Dezember 2020 by ekro Posted in: Aktuelles, Familie & Jugend, Familienkirche, Glaube & Leben, Gottesdienste

Wir hätten so gerne mit euch am 4. Advent, 20. Dezember 2020, Familienkirche in unserer Kirche gefeiert. Aber im Corona-Lockdown ist es besser, wir bleiben zuhause. Deshalb feiern Bille und Fridulin mit Lisa & Jasmina in einem Video mit euch Familienkirche.

Wir wünschen allen Kindern mit ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes, gesegnetes neues Jahr 2021. Hoffentlich können wir am 21. Februar 2021 wieder mit euch allen Familienkirche in unserer Evangelischen Kirche feiern.
Bleibt behütet!
Eure Kirchenmaus Bille mit Fridulin,
dem ganzen Team der Familienkirche
& Pfarrerin Lisa Henningsen

Freuet euch in dem Herrn allewege

18. Dezember 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

„Soweit nichts anderes verordnet, nehmen Erwachsene 3-mal täglich 1 Tablette“, lese ich in der Packungsbeilage. Das mag helfen, um körperlich gesund zu werden. Um seelisch gesund zu bleiben, gibt Paulus den Menschen in Philippi ein uraltes Haus- und Heilmittel weiter und schreibt: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! (…) Der Herr ist nahe!“ Und weiter schreibt er: „Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!“

Freude, bittendes Gebet und Dankbarkeit empfiehlt Paulus seinen Mitmenschen – und diese drei Dinge jeden Tag durchaus hoch dosiert. Also: unablässig, immerzu und in jeder Lebenslage.

Aber, wer von uns ist schon immer fröhlich? Wer ständig am Beten? Und wer für alles dankbar? Gerade in dieser Advents- und Weihnachtszeit. Unsere Weihnachtsmärkte mit ihren bunten Lichtern, ihren fröhlichen Liedern und Kinderkarussells, dem Geruch von gebrannten Mandeln und Glühwein bleiben dieses Jahr geschlossen. Weihnachtskonzerte wurden abgesagt. Das Weihnachtsoratorium von Bach wird allenfalls digital erklingen. Viele von uns erleben Beeinträchtigungen – beruflich, schulisch, familiär, sozial und gesundheitlich. Vielleicht ist diese Advents- und Weihnachtszeit einfach nicht die richtige Zeit für einen Vers wie „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ Oder gerade?

Was Paulus meint, ist wohl: Konzentriert euch immer wieder auf Gottes Heil! Auf seine brennende Liebe, die er uns gezeigt hat, als er in Jesus zur Welt kam. Mitten hinein in unsere Welt, mitten hinein in unser Leben mit all seinen Schwankungen, Verordnungen und Unsicherheiten. Eine Notunterkunft, eine Volkszählung, eine Flucht als Kernfamilie ins Ausland und später ein ungerechter Prozess mit Todesurteil – all das gehört zu Gottes Lebensgeschichte in dieser Welt. Nicht durch Zufall, sondern weil Gott mit uns sein will. In allem, was uns beschäftigt und unser Leben bestimmt. Koste es ihn, was es wolle. Koste es ihn seine Herrlichkeit, ja sogar sein Leben. So sehr liebt uns Gott. So sehr liebt Gott mich.

Wenn ich glaube, dass Gott für mich in diese Welt gekommen ist. Wenn ich darauf vertraue, dass er mir als Heilbringer auch meine schwerste Schuld vergibt und mein Leben in sein heilendes Licht stellt, dann kann ich nicht anders: Ich jubele vor Freude. Und stimme ein in die Worte der Engel auf den Feldern von Bethlehem und sage anderen weiter: Fürchtet euch nicht! Ich verkündige euch große Freude (…), denn euch ist heute der Heiland geboren.

Wenn ich bemerke, wie Gott mich Tag für Tag in allen Widrigkeiten meines Lebens versorgt, mich sieht, mich versteht und mir gibt, was ich zum Leben brauche, dann kann ich nicht anders: Ich muss ihm einfach von Herzen „Danke!“ sagen.

Wenn ich mit Gott rede und erlebe, wie er mir zuhört, mich tröstet und mir sogar durch sein Wort in der Bibel antwortet, dann kann ich nicht anders: Ich werde immer wieder mit ihm reden. Immerzu. Unablässig. Und in jeder Lebenslage.

Wie förderlich für unsere seelische und körperliche Gesundheit echte Freude ist, wissen wir nicht erst seit Eckhart von Hirschhausen Devise „Lach dich gesund“. Schon Paulus wusste, wie kostbar und wohltuend Freude ist. Und er hat uns gleich einen Hinweis dazu gegeben, wo wir dieses kostbare Heilmittel finden. „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“ Es ist wohl doch ein Vers für diese Advents- und Weihnachtszeit. Gerade für diese.

Ihre Pfarrerin
Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

O komm, o komm, du Morgenstern,
lass uns dich schauen, unsern Herrn.
Vertreib das Dunkel unsrer Nacht
durch deines klaren Lichtes Pracht.
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.

O komm, du Sohn aus Davids Stamm,
du Friedensbringer, Osterlamm.
Von Schuld und Knechtschaft mach uns frei
und von des Bösen Tyrannei.
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.

O komm, o Herr, bleib bis ans End,
bis dass uns nichts mehr von dir trennt,
bis dich, wie es dein Wort verheißt,
der Freien Lied ohn Ende preist.
Freut euch, freut euch, der Herr ist nah.
Freut euch und singt Halleluja.

Amen

(Evangelisches Gesangbuch Nr. 19)

Der Lobgesang des Zacharias

11. Dezember 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Zacharias, der Vater von Johannes, dem Täufer, singt ein Lied, einen Hymnus. Wir kennen die Melodie nicht und können weder Rhythmus noch Tempo erahnen, aber wir können versuchen, ein klein wenig nachzuspüren, was Zacharias bewegte.

Ein Wunder war geschehen. Er, der alte Tempelpriester, und seine Frau Elisabeth, kaum weniger Jahre alt, hatten ein Kind bekommen, den ersehnten Sohn. Keiner hatte mehr damit gerechnet, am allerwenigsten Zacharias selbst. Er hatte die Hoffnung aufgegeben gehabt und war dementsprechend ungläubig und skeptisch gewesen, als ein Engel Gottes ihm weissagte, dass seine Frau doch noch einen Sohn bekommen würde. Deshalb war er stumm geblieben von dem Moment dieser Weissagung an und konnte neun lange Monate lang nicht mehr sprechen – bis das Kind geboren war. Erst dann löste sich der Fluch, und Zacharias fand wieder Worte. Und was für welche! Es ist geradezu ein Jubelruf.

Welchen Grund haben wir zu jubeln? Uns ist so ein Wunder nicht geschehen – mir nicht, und Ihnen wahrscheinlich auch nicht. Wir haben kein Kind bekommen im hohen Alter und gegen alle medizinische Erfahrung. Und doch spielt auch für uns in dieser Zeit ein Kind eine Rolle. „Uns ist ein Kindlein geboren“ lautet die Botschaft, die wir an Weihnachten hören werden. Wir feiern in der Adventszeit die Erwartung des Kindes, das nicht nur das Leben von Zacharias und Elisabeth radikal verändern wird. Ihr Kind, Johannes, soll „ein Prophet des Höchsten heißen“ und „dem Herrn vorangehen“. Er soll den Weg bereiten für den, der nach ihm kommt und den er taufen wird: Jesus.

Wir denken in der Adventszeit an das Wunder, das noch viel größer ist als das, das Zacharias und Elisabeth geschehen ist. Wir denken an das Wunder, dass Jesus auf die Welt gekommen ist – und in ihm Gott selbst Mensch wurde. Wie viel mehr Grund hätten wir da zu jubeln als Zacharias!

Aber dieses weihnachtliche Wunder liegt für uns meistens im Verborgenen. Es ist verborgen hinter den langen Jahren, die seit Jesu Geburt vergangen sind. Es ist verborgen in unserem rationalen Denken, das uns fragen lässt, wie das denn geschehen konnte, dass Gott Mensch geworden ist. Es ist verborgen in unserem Unglauben, der aus Überlegungen kommt, die wir „vernünftig“ nennen – wir glauben eben nur, was wir sehen. Es ist verborgen auch in der Angst vor dem Virus, das derzeit unser ganzes Leben bestimmt.

Und doch klammern wir uns an dieses Wunder und sagen eher unbewusst „Ja“ zu ihm, wenn wir jeden Sonntag ein Licht mehr anzünden, bis an Weihnachten der ganze Weihnachtsbaum im hellen Licht erstrahlt – auch in diesem Jahr. Irgendwie passiert in der Adventszeit ja doch etwas mit uns, trotz aller Ängste und Klagen über die Pandemie und die Einschränkungen unseres gewohnten Lebens.

Offenbar öffnet das Licht, das jetzt von Sonntag zu Sonntag zunimmt und heller wird, nicht nur eine Schneise in die Dunkelheit der langen Abende, sondern auch in die Dunkelheit unseres Lebens und in die Tiefen unseres Herzens. Die Geburt Jesu hat die Welt und die Menschen verändert. Wenn wir genau hinsehen, stellen wir das jedes Jahr auch bei uns fest. Wir können dankbar sein für diese Möglichkeit, die uns die Adventszeit mit ihrer Vorfreude immer wieder bietet.

Wir haben Grund einzustimmen in den Jubel des Zacharias über seinen Sohn Johannes – und viel mehr noch in den Jubel über den, dem Johannes den Weg bereitete: Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern.

Bild: commons.wikipedia.org (St Botolph’s Church, Boston)

Mit adventlichen Wünschen,
und bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn

Mittagsgebet (Der Lobgesang des Zacharias, Lukas 1, 68-79)

Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! 
Denn er hat besucht und erlöst sein Volk
und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils 
im Hause seines Dieners David
– wie er vorzeiten geredet hat 
durch den Mund seiner heiligen Propheten –,
dass er uns errettete von unsern Feinden 
und aus der Hand aller, die uns hassen,
und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern 
und gedächte an seinen heiligen Bund
und an den Eid, den er geschworen hat unserm Vater Abraham, 
uns zu geben,
dass wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde,
ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang 
in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten heißen. 
Denn du wirst dem Herrn vorangehen, dass du seinen Weg bereitest,
und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk 
in der Vergebung ihrer Sünden,
durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, 
durch die uns besuchen wird das aufgehende Licht aus der Höhe,
damit es erscheine denen, die sitzen in Finsternis und Schatten des Todes, 
und richte unsere Füße auf den Weg des Friedens.

Amen.

Aus Schokolade und innen hohl?

4. Dezember 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Da stehen sie wieder, die Nikoläuse, in Reih und Glied, in den Regalen der Supermärkte und warten darauf, dass wir sie nach Hause tragen. Aus Schokolade und innen hohl, in buntes Alu verpackt, gibt es sie in allen Größen und Formen.

Bei manchen Kindern kommt der Nikolaus auch noch nach Hause, mit tiefer Stimme und einem langen, weißem Bart. Für die braven Kinder hat er einen Sack voller Geschenke dabei und eine Rute für die bösen Kinder. Gott sei Dank gibt’s heutzutage nur brave Kinder am 6. Dezember, dem Nikolaustag, und ich muss hier nicht darauf hinweisen, dass Kinder nicht geschlagen werden. Das wäre dem echten Nikolaus sowieso nie in den Sinn gekommen. Denn der war einer, der Kindern geholfen hat, so erzählen es die vielen Legenden, die sich um diesen Pfarrer und späteren Bischof Nikolaus ranken. Wahrscheinlich hat er im 4. Jahrhundert in der Küstenstadt Myra in der heutigen Türkei gelebt. Seine historische Gestalt ist irgendwo im Nebel der Geschichte verschwunden. Doch historisch genaue Daten sind nicht die einzige Wirklichkeit. In den vielen Legenden spiegelt sich ein ungewöhnlich menschenfreundlicher Kirchenmann, der gegen die Not – gerade von Kindern – anging.

So erzählt eine Legende von einem Mann, der seine drei Töchter in die Prostitution zwingen wollte, um die Familie aus der Armut zu holen. Seine Töchter hatten keine Aussicht auf eine Heirat, denn eine ordentliche Aussteuer konnte der Vater ihnen nicht mitgeben. So schien es nur noch diesen einen Ausweg zu geben, dass die jungen Frauen ihren Körper verkauften. Bischof Nikolaus erfuhr von dieser schlimmen Not. Eines Nachts warf er in das offene Fenster der Hütte, in der die Töchter schliefen, drei goldene Kugeln. Damit war eine gute Aussteuer für jede der Drei gesichert. Er tat es nachts, damit ihn niemand sah. Denn nicht er, sondern die Hilfe aus der Not, sollte im Mittelpunkt stehen.

Mit dieser Haltung steht der Nikolaus quer zu dem, was ihm heute Marketing-Strategen empfehlen würden. Denn heute gilt: „Tue Gutes und rede darüber!“. Nikolaus ist aber eben auch nicht der gemütliche Dicke, der mit seinen Rentieren am Nordpol wohnt. Diesen Santa Claus hat wohl ein amerikanischer Grafiker im 19. Jahrhundert erfunden. Coca-Cola hat ihn dann auf die Firmenfarben Rot und Weiß getrimmt und zu einem süßen, aber hohlen Objekt der Konsumwelt gemacht.

Nikolaus ist der Typ des gerechten und mitfühlenden Menschen, der nicht mit ansehen kann, wie andere Not leiden. Er greift ein, damit Kinder die Chance auf eine gute Zukunft haben. Der ursprüngliche Nikolaus steht in der Nachfolge Jesu, der den Kampf aufgenommen hat gegen alles Kleinmachen von Menschen. In der Nachfolge Jesu sind wir alle berufen, Heilige zu sein und uns für andere einzusetzen. Der Nikolaustag erinnert mich daran, dass wir diese Heiligenlegenden nicht nur hören, sondern sie selbst tun. Werden wir wie der „echte“ Nikolaus, und nicht nur alberne Imitate mit Zipfelmütze und Rauschebart.

(Bild von iKlicK auf Pixabay)

Einen gesegneten Nikolaustag wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Barmherziger Gott, du hast viele Boten auf dieser Welt.
Sie erzählen von deiner Menschenliebe, so wie Bischof Nikolaus.
Durch ihn können wir uns vorstellen, wie du zu uns Menschen bist.
Du kennst uns beim Namen, du weißt unsere Not und wenn wir in Gefahr sind, rettest du uns.
Hab Dank dafür, du Gott. Du hast das Gute auch in uns hineingelegt.
So klein wir sind, dürfen wir deine Boten sein.
Auch wir können anderen helfen, sie trösten und beschützen.
Zeige uns, wo du uns brauchst.
Amen.

Gedanken zum 1.Advent

27. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

in unserer kirchlichen Tradition ist die Adventszeit – die Vorbereitungszeit auf das Weihnachtsfest – eine Fastenzeit, eine Bußzeit. Bußzeiten sind Zeiten zum Nachdenken. Sie bieten Gelegenheit, über das eigene Leben, über Verhaltensweisen und Meinungen, die zur Gewohnheit geworden sind, aber der Korrektur bedürfen, nachzudenken.  Advent heißt Ankunft. Die Botschaft von Advent und Weihnachten lautet: Gott ist in Jesus auf die Erde gekommen, um hier bei den Menschen Wohnung zu nehmen.

An diesem ersten Adventssonntag beginnt ein neues Kirchenjahr. Ein neues Stück Zeit und Land liegt vor uns. Wie heimatlich es uns wird, hängt auch davon ab, ob wir selbst bereit sind, aus gar zu bequemen, aber schändlichen Umständen aufzubrechen und Neues zu suchen.

Ob wir uns zu Hause fühlen, hängt auch davon ab, inwiefern wir bewahren können, was uns kostbar ist.  Aber: Die angestammten Rechte sind es nicht, in denen wir einfach verharren müssten.

Die überkommenden Werte nicht verleugnen, aber sie in den Herausforderungen der Gegenwart angemessen interpretieren und leben. Daraus entsteht das Gefühl der inneren Stärke und eines Zuhause-Seins im Fluss der Veränderungen. Ich glaube, mancher wird sich besinnen müssen und zurückkehren, um zu Hause in sich selbst zu sein. Ein anderer wird aufbrechen müssen und abschütteln, was schon lange schmerzt und kränkt, und neue Heimat suchen.

Wer wird Menschen gerecht, die in der Fremde leben? Gute Regierungen schaffen Sozialpläne und sorgen für die Chance zur Integration und zu Verwurzelung auch in einem für sie fremden Land. Die Ursache für die Vertreibung oder Flucht sind unterschiedlich. Manche müssen umsiedeln, andere gehen vermeintlich freiwillig. Damals wie heute. Die einen fliehen vor Krieg, weil sie um Leib und Leben für ihre Kinder bangen. Die anderen müssen die Heimat verlassen, weil andere Herrschaftsverhältnisse geschaffen wurden. Wie wird man entwurzelten Menschen gerecht? Wie kann man ihnen helfen?

Adventszeit ist immer auch eine kritische Zeit Es ist nicht nur dunkel. Es möge auf ein Licht zugehen. Menschen suchen Heimat, denn Weihnachten ist man zu Hause. Aber wo bin ich zu Hause, wenn ich hier eigentlich nicht hingehöre?

Flüchtlinge sind in unserem Land. Andere Bedingungen heute als damals. Wir denken noch großräumiger, in einer globalisierten Welt, aber die Ursachen sind vergleichbar. Und das Gefühl der Fremde bleibt und die Aufgabe der Verständigung.

Die Adventszeit ist immer auch eine Zeit der Veränderungen, eine Zeit der Umkehr oder auch eine Zeit der Flucht nach vorn. Beharren ist keine Tugend, die in der biblischen Botschaft weite Verbreitung gefunden hätte. Die Suche nach einem gerechten Leben für alle und nach Lebensumständen, die mir gerecht werden können, das ist die Lebenshaltung, was die Propheten im Alten Testament verheißen. Siehe, es kommt eine Zeit. Ein gerechter Sproß wird erwachsen. Lichtgeschmückt kündet er von verlorener und neugefundener Heimat. Und er kündet in aller Vorläufigkeit vom ewigen Zuhause bei Gott. Kein Ort dieser Welt gibt es, der uns nicht zur Heimat werden kann.

Warum? Weil Gott selbst diese Welt als Heimat gewählt hat und vom Himmel auf die Erde kommt will.

Bleiben Sie behütet!
Uns allen eine besinnliche Adventszeit!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Du, Gott, Ewiger, der du deine unsere Welt nicht sich selbst überlässt, wir danken dir für diese Zeit des Advents.
Du machst dich auf, und wir werden besucht. Wir möchten wach sein, bereit, dich zu empfangen, dass du in uns und durch uns zur Welt kommst.
Dank sei Dir: Wir brauchen nicht schwarz zu sehen. Aber da ist Dunkel genug.
Wir bitten dich für die Menschen in unserem Dorf Rodenbach und anderswo, denen Armut, Ausgrenzung oder Hoffnungslosigkeit das Licht ausgeknipst haben. Vielleicht sind ihre Pläne und Hoffnungen zerbrochen, vielleicht haben sie schwere Verluste hinnehmen müssen.
Wir beten für uns, die wir durch die Corona-Pandemie auf uns selbst zurückgeworfen sind, dass wir innehalten, zur Besinnung kommen, in uns gehen und dir begegnen.
Amen.

Ein Licht entzünden

20. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Am kommenden Sonntag ist Totensonntag. Ewigkeitssonntag wird er auch genannt. In unseren Gottesdiensten und Andachten nennen wir an diesem Sonntag nochmal die Namen der Menschen, die wir seit dem letzten Totensonntag begraben mussten. Wir zünden eine Kerze für sie an, als Zeichen der Erinnerung. Auch auf vielen Gräbern leuchten in diesen Tagen wieder Lichter.

Wer vor dem Grab eines geliebten Menschen steht, blickt oft in Gedanken zurück, hält manchmal innere Zwiesprache mit dem Toten. Wer kann ermessen, welche Trauer, welcher Dank, welche Zweifel und welche Hoffnung mitschwingt, wenn dann ein Grablicht entzündet wird? Dieses kleine Licht auf dem Grab des verstorbenen Menschen leuchtet auch hinein in die eigene Seele. Es ist ein äußeres Zeichen der inneren Verbundenheit.

Zugleich sind die Lichter auf den Gräbern ein Zeichen des Glaubens und der Hoffnung. Mit dem Tod gehen wir nicht auf ein finsteres Nichts zu, sondern auf Gott, der dem Dunkel des Todes ein Ende setzt wie der Morgen der Nacht. Der Glaube vertraut auf das Licht der Liebe Gottes, das auch den Toten leuchtet, um die wir trauern. Gottes Liebe reicht weiter als alle Gräber dieser Welt.

Die Lichter auf den Gräbern sind zutiefst menschliche, und darum auch kleine und verletzliche Symbole unserer Hoffnung. So wie die Flamme verlöschen wird, wenn das Öl aufgebraucht ist, das ihr Nahrung gibt, so ist auch unsere Zeit hier endlich. Aber Glaube vertraut darauf, dass unser Leben nicht nur zu einem irdischen Ende kommt, sondern bei Gott ein Ziel hat.

Bei aller Trauer halten wir mit jeder Kerze, die wir zum Leuchten bringen, an diesem Vertrauen fest. Darum feiern wir am Sonntag nicht nur Toten- sondern zugleich Ewigkeitssonntag. Der Tag stellt sich trotzig gegen die Macht des Todes.

Wenn wir an den Gräbern stehen, uns erinnern und beten, wenn wir die Namen der Menschen nennen, die wir geliebt haben und die nicht mehr sind – so setzen wir unsere Hoffnung, unsere Erwartung auf Gott. Dass sein Licht unser Leben erleuchtet. Dass seine Grundmelodie der Liebe unser Leben begleitet. Gott ist die Zukunft, sein Heil, seine Liebe gilt uns auch wenn es manchmal nicht danach aussieht, wenn wir es nicht spüren und wir auch keinen Beweis für diesen Glauben antreten können. Hoffnung kann gewiss nicht alle Fragen beantworten. Und doch ist Hoffnung wie eine brennende Kerze in dunkler Nacht.

Diese Hoffnung ist eine Kraft zum Leben, zum Weitergehen. Diese Kraft gilt es zu stärken, sie braucht Raum in unserem Leben, und sie wird uns tragen, uns neue Lebensaussichten eröffnen. Darum ist es gut, den kleinen Schein der Grablichter auch in unsere Seele hinein zu lassen. In diesem Licht können wir unsere Trauer betrachten, uns auch den Fragen und Zweifeln stellen. Und der Blick zurück hilft dem Blick nach vorne auf die Beine. Das kleine Licht lässt so Wege sichtbar werden für einen getrösteten Weg in das Leben.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Gott, unsere Gedanken gehen zurück zu den Menschen, die gestorben sind. Uns bleibt die Erinnerung und die Hoffnung, dass sie aufgehoben sind in deiner Liebe. Wir sehnen uns nach Leben, gerade, wenn Tod und Trauer uns drücken. Zu dir wenden wir uns, Gott.

Wieviel Traurigkeit ist da, wenn wir an unsere Verstorbenen denken, viele Tränen, viele zerstörte Hoffnungen, Fragen, die keiner beantworten kann, und Leid, das die Kräfte lähmt. Und daneben Dankbarkeit für gemeinsam Erlebtes, für empfangene Liebe und glückliche Tage. Manchmal auch Erleichterung nach überstandenen Qualen.

Komm, Geist des Lebens, guter Gott allen Trostes, in deine Liebe geben wir unsere Verstorbenen. Tröste die Trauernden und stärke alle, die wieder Fuß fassen wollen im Leben.
Amen.

Buß- und Bettag 2020

17. November 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Corona-Pandemie gibt diesem Buß- und Bettag ein besonderes Gesicht. Gottesdienst zuhause vor dem Bildschirm oder mit Maske in einer nur locker besetzten Kirche, steigende Infektionszahlen, wachsende Nervosität, Sorge um Menschen, die uns nahe stehen, um Arbeitsplätze und wirtschaftliche Existenzen, um das, was unser Zusammenleben prägt. Corona hat schon viel Kraft, auch viel Kreativität von uns gefordert und uns die Grenzen unseres Lebens und unserer Handlungsmacht deutlich vor Augen geführt.

Inmitten all der Sorgen und der Hektik dieser Wochen, inmitten aber auch von wachsender Einsamkeit und Traurigkeit ist der Buß- und Bettag eine Einladung, innezuhalten und sich auf das zu besinnen, was uns trägt in dieser schwierigen Zeit. Die Pandemie verschärft viele soziale Probleme. Auch darum ist Corona ein Ruf zur Buße. Buße meint ja: innehalten, nachdenken, das bisherige Leben überprüfen und über neue Wege im Lichte des Wortes Gottes nachdenken. Das hilft, die Ungewissheit und Unsicherheit auszuhalten, die die Pandemie mit sich bringt.

Ein christlicher Umgang mit der Pandemie ist nicht von Angst und Resignation geprägt, sondern von ehrlichem Hinschauen auf das, was Mühe und Angst macht und anstrengt, und von verantwortlichem Handeln und geduldigem Durchhalten. Gott geht mit uns durch diese Zeit. Unser Vertrauen auf Gott kann darum wie ein Geländer bei einer Wanderung durch unsicheres Gebiet sein. Die große Herausforderung ist, diesen Weg mit Mut und Phantasie, mit Entschlossenheit und der gebotenen Vorsicht zu gehen. Es gibt viele Gründe, traurig zu sein, müde zu werden und den Mut zu verlieren. Aber es gibt keinen Grund, zu verzagen. Gott ist da und begleitet uns. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Dieser Geist Gottes hält unsere Zukunft offen.

Ihre Beate Hofmann
Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck