Gottesdienste

Aufgrund der Corona-Pandemie gibt es leider auch Beschränkungen bei der Anzahl der Menschen, die in die Kirche können. Selbstverständlich achten wir strikt auf die jeweils geltenden Hygiene- und Abstandsregeln sowie das Lüften. Aktuelle Informationen dazu finden Sie auch auf der Webseite unserer Landeskirche. Die Regeln für unserer Rodenbacher Kirche finden sie hier. Gerne stehen wir natürlich für Fragen zur Vergügung.

Gedanken zum Sonntag

„Lasst euch erneuern“

16. Oktober 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

„Legt eure frühere Lebensweise ab! Ja, legt den ganzen alten Menschen ab, der seinen Begierden folgt! Die betrügen ihn nur und führen ihn ins Verderben. Lasst euch in eurem Denken erneuern durch den Geist, der euch geschenkt ist.“ (Epheser 4,22-23)

So schreibt ein Schüler des Apostels Paulus in seinem Brief an die jungen christlichen Gemeinden in Ephesus und anderswo. Offenbar hatte er allen Grund dazu, denn auch die frühen Christinnen und Christen, die den Schwung des neuen Glaubens noch hautnah spürten, wurden vom Alltag eingeholt. Und in dem gab es neben dem Anspruch des liebevollen Miteinanders auch Misstöne, Neid und Streit. Auch sie waren eben Menschen wie du und ich.

Es war also an der Zeit, sich mit einem Rundbrief einzumischen. Christ sein und so tun, als habe die Lehre Jesu auf die eigene Lebensgestaltung keinerlei Einfluss, das passt nicht zusammen. Wer getauft ist, wer mit dem Geist Jesus Christi beschenkt wurde, der ist berufen, anderen Normen und Werten zu folgen als denen, die nur einem selber Spaß, Vorteil, Ansehen und Macht verheißen. Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe lauten die neuen Maßgaben, und die verlangen beharrliches Einüben – und manchmal eine radikale Änderung des Denkens und des Verhaltens. Es geht um Veränderung im Verhalten untereinander. Weg von Hauen und Stechen gegeneinander und hin zu einem menschlichen, liebevollen, christlichen Umgang miteinander. Und das ist auch eine ganz aktuelle Frage.

Vier Dinge braucht es, wenn die Erneuerung, das Anders-Machen klappen soll: Erstens den Verstand und das Nachdenken. Denn sich darüber klar zu werden, was ist, ist der erste Schritt. „Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung.“ So formuliert es das Sprichwort.

Veränderung ist aber auch Willenssache. Nachdenken und Selbsterkenntnis sind nicht genug. Man muss sich auch anders verhalten wollen. Und dazu muss man manchmal auch schweren Herzens aus seinen alten Bahnen aussteigen.

Zum Dritten gehört aber auch das Herz dazu, das Gefühl. Denn die Gefühle bestimmen uns, ob wir wollen oder nicht. Und wenn wir etwas gegen unser Gefühl, gegen unsere innere Eingebung tun, dann wird es schief und gelingt nicht.

Und schließlich sind wir zur Erneuerung ermutigt durch Gott und seinen Heiligen Geist. Und das ist dem Schreiber des Epheserbriefes ganz wichtig. Denn die Art und Weise, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist, aufgeschlossen, liebevoll, heilend, sollte auch für unser Zusammenleben Maßstab und Ziel sein. Das Vertrauen darauf, dass das Gottes Willen entspricht, kann uns die Kraft und die Ausdauer dazu geben.
Bildquelle: www.pxhere.com 

Mit den besten Wünschen, und bleiben Sie behütet!
Pfarrer Michael Ebersohn

Mittagsgebet

Herr, unser Gott, wir wenden uns an dich mit unseren Bitten für die Welt,
für die Menschen und die Geschöpfe in ihr.
Lass alle Menschen hören, dass du es gut mit uns meinst.

Wende dich den Kranken und den Sterbenden zu:
Schenke ihnen Hoffnung.

Wende dich den Armen, Verlassenen und Verbitterten zu:
Schenke ihnen ein Wort, das sie bereichert.

Wende dich den Regierenden zu,
denen, die Verantwortung tragen und Lasten für die Gemeinschaft:
Schenke ihnen ein Wort der Weisheit.

Wende dich denen zu, die im Dienst an anderen Menschen und Geschöpfen stehen,
die sich einsetzen für Frieden und Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung:
Schenke ihnen ein Wort der Ermutigung.

Wende dich denen zu, die dich verloren haben, die keinen Weg mehr sehen für ihr Leben
oder die sogar schon völlig in die Irre gegangen sind:
Schenke ihnen ein Wort, das sie leitet.

Wende dich uns zu, die wir dich suchen
und die wir mit deinem Wort unser Leben miteinander gestalten müssen:
Lass uns Worte finden, die Gräben überwinden
und Liebe und Versöhnung möglich machen.

Amen

30 Jahre deutsche Wiedervereinigung

9. Oktober 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser,

zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung erinnern wir uns an die mutigen Schritte der Menschen in der ehemaligen DDR. Sie sind für ihre Freiheit und für eine demokratische Gesellschaftsordnung friedlich und mit Erfolg auf die Straße gegangen und haben in den Kirchen gebetet. Ich bin dankbar für diese friedliche Revolution.

Auch heute gehen wieder Menschen zu tausenden friedlich für Demokratie und gegen ein diktatorisches Regime auf die Straße, wie gegenwärtig in Belarus oder in Hongkong. Die Sorge um die Menschen in beiden Ländern beschäftigt mich und viele andere seit Tagen und Wochen. Die Zeiten haben sich gewandelt. Dem Protest stehen Staaten entgegen, die bereit scheinen, ihre Macht und ihre Interessen bis aufs Letzte zu verteidigen. Und wir schauen hilflos zu.

Ja, die Zeiten haben sich gewandelt. Ich muss hier nicht über Trump und Putin, die chinesische Führung und ein zerstrittenes Europa schreiben. Wer die Nachrichten verfolgt, weiß um den Zustand der Welt. Es ist so gar nichts mehr von Aufbruch zu spüren, ganz im Gegenteil. Der Tag der Deutschen Einheit macht mir aber Mut, trotzdem an meinem Platz zu schauen, wo kann ich mehr Demokratie leben. Doch mir scheint nicht nur in der Weltpolitik, sondern auch in unserem Alltag kommt dies zu kurz. Dabei gibt es in unserer Gemeinde und meiner Kirche genug zu tun. Aber wie schnell werden Meinungen einfach rausgehauen, Argumente als „Fake News“ und Widerspruch als „Unterdrückung der Meinungsfreiheit“ verleugnet. Dabei lebt Demokratie vom Widerspruch. Nur müssen auch alle den Widerspruch aushalten – auch die, die gerne laut „dagegen“ sind.

All die Schwierigkeiten und Herausforderungen, vor denen wir stehen, lösen wir nur im Miteinander. Dazu gehört der Streit der Argumente, die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und am Ende einen guten Ausgleich der Interessen zu finden. Nur so kommen wir voran. Ich will deshalb diesen 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung als Motivation dafür nehmen, mehr Demokratie zu wagen.
(Foto: Gert Altmann, Pixabay).

Bleiben Sie behütet!
Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Gott, wir danken dir für die Einheit, die in unserem Land gewachsen ist in den letzten 30 Jahren. Was war das für ein Aufbruch damals: Menschen gingen auf die Straße, sie traten ein für Freiheit und Recht, mit Gebeten und Liedern gegen Panzer und Gewehre – und die Mauern fielen.

Jetzt sehen wir solche Bilder aus Belarus. Woche für Woche stehen Tausende auf für ein anderes Leben. Wir bitten dich um ein Ende der Gewalt, um Freiheit für die politischen Gefangenen. Lass die friedliche Veränderung der Gesellschaft gelingen. Erhalte den Mut der Frauen, die das Ende von Unrecht und Diktatur fordern. Stärke die vielen, die für ein freies, gemeinsam und selbst bestimmtes Leben eintreten – in diesem europäischen Land zwischen den Blöcken.

Propst Helmut Wöllenstein

Öffentliches Bekenntnis

2. Oktober 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Wir werden sie jagen!“ Das ist die Haltung, mit der in einer Wettbewerbsdemokratie Politik gemacht wird. Wer sich mit seiner Meinung in die Öffentlichkeit begibt, muss sich warm anziehen. Es lauern außerhalb, aber auch innerhalb einer Partei immer auch solche, die nur auf einen Fehler warten, um ihn zu skandalisieren. Das Vervielfältigungspotential digitaler Medien ist gigantisch.

Der Widersacher – wenn auch kein Löwe, so doch ein böses Tier – hat viele Köpfe und noch mehr Zungen, die einen Shitstorm über dich bringen können. Da braucht es Menschen mit einer klaren Haltung. Nicht taktieren, um zu gefallen. Kein Opportunismus, um die Starken auf seine Seite zu haben. Das ist nicht leicht, aber letztlich überzeugend. Denn man spürt es, ob einer um seiner selbst willen Politik macht, oder weil sein Herz brennt für das Wohlergehen der Vielen. Man spürt es, ob einer mit einer Grundgelassenheit an den Start geht. Einer, der sich lassen kann und sich verlassen kann auf den Gott, der allem Leben Würde und Ehre gibt.

Öffentliches Bekenntnis

Ja, Christen sollten auch Politik machen, gerade in dieser Zeit, da das relative Gut freiheitlicher Demokratie erodiert. Es braucht in unseren Breiten niemand Verfolgung fürchten wegen seines Glaubens. Umso wichtiger ist es, dass Menschen sich öffentlich bekennen. Nicht pausbäckig und naiv, aber doch mit klarer Haltung und sachgemäß, getragen von einem getrösteten Christusglauben. In der digitalen Kommunikation mit multiplen Sendern und Empfängern fallen auch die Glaubensbekenntnisse meist sehr persönlich aus. Sie sind oft überzeugender als offizielle Verlautbarungen der Kirchen, weil sie von individueller Erfahrung gesättigt sind.

Institutionenkritik ist derzeit so en vogue, dass es schon wieder einen charmanten Unterschied macht, wenn der Einzelne sich nicht nur mit seiner Privatmeinung bekennt, sondern seine Internetbotschaft so labelt, dass er auch für die Gemeinschaft der Gläubigen spricht; warum nicht auch für seine Kirchengemeinde in Rodenbach oder seine Landeskirche Kurhessen-Waldeck?

Haltung und Gelassenheit

Mag sein, es wird dafür belächelt oder angefeindet, vielleicht aber auch bewundert. Im besten Fall löst aufrichtige Demut im öffentlichen Bekenntnis zumindest ein Nachdenken darüber aus, was letztlich wirklich wichtig ist.

Wo Halt im Leben und Sterben zu finden ist, und Glück und Zufriedenheit, unabhängig davon, ob es mir gut geht oder nicht. Glaube und Demokratie haben eins gemeinsam: Sie lassen sich nicht mehr von oben her verordnen. Sie haben Teil an einem Selbstverständnisprozess in der Gesellschaft. Die Bedrohung in unseren Tagen geht weniger von einem brüllenden Löwen aus; eher sind es die schwarzen Löcher von Ignoranz und Gleichgültigkeit, die zur Bedrohung werden. Es ist ein gottvergessener Hochmut. Den zu widerstehen, nicht mit Aktionismus, sondern mit Gelassenheit und Haltung.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Ich glaube an Gott, der Liebe ist,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Ich glaube an Jesus,
sein menschgewordenes Wort,
den Messias der Bedrängten und Unterdrückten,
der das Reich Gottes verkündet hat und gekreuzigt wurde,
ausgeliefert wie wir der Macht des Todes,
aber am dritten Tag auferstanden,
um weiterzuwirken für unsere Befreiung,
bis dass Gott alles in allem sein wird.

Ich glaube an den Heiligen Geist,
der uns zu Mitstreitern des Auferstandenen macht,
zu Brüdern und Schwestern derer,
die für Gerechtigkeit kämpfen und leiden.

Ich glaube an die Gemeinschaft der weltweiten Kirche,
an die Vergebung der Sünden,
an den Frieden auf Erden,
für den zu arbeiten Sinn hat,
und an eine Erfüllung des Lebens
über unser Leben hinaus.

Amen.

(Kurt Marti)

Danken kommt von Denken

25. September 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Die Zeit der Kartoffelernte. Sie war für mich als Kind immer eine besonders schöne Zeit. Mit meiner Oma zusammen auf dem Gartenland. Meter um Meter wurde gehackt und geerntet. Manche Kartoffel so dick wie gleich drei auf einmal. Und dann wieder winzig kleine Babykartoffeln. Spätere „Butterkartöffelchen“ aus der Pfanne. Die mochte ich besonders gerne. Jede Kartoffel wurde einem der vier großen Haufen zugeordnet: Salzkartoffeln – Pellkartoffeln – Butterkartöffelchen – und ein Haufen mit besonders prachtvollen Kartoffelexemplaren. Immer wieder verglich ich meine Kartoffelfunde mit den unterschiedlichen Größen und fragte mich, ob ich nun gerade eine Salzkartoffel oder eine Pellkartoffel ausgebuddelt hatte.

„Vorsichtig musst du mit der Hacke sein“, mahnte meine Oma mich. „Wenn du die Kartoffeln spaltest oder verletzt, lassen sie sich nicht mehr einlagern“. Ich kam damals aus dem Staunen nicht mehr heraus: Wie konnte es sein, einfach so Kartoffel, um Kartoffel aus dem Erdreich auszubuddeln zu können? Ich konnte mir schier nicht erklären, wie aus unseren Pflanzkartoffeln vom Frühjahr nun solche Schätze im Erdreich hatten wachsen können.

Der krönende Abschluss des Erntetages war dann das Kartoffelfeuer – und die erste frisch gegarte Kartoffel aus dem Feuer. So gut schmeckten die Kartoffeln nur an diesem Tag!

Nach und nach wurde ich älter. Die Kartoffelernte immer mehr zu einer eben notwendigen Arbeit. Auch, weil es mir selbstverständlicher wurde, dass unser Kartoffelland im Herbst eben schöne dicke Kartoffeln hergab. Es war halt die Zeit dafür. Es war der Lauf der Natur. Ich gewöhnte mich. Und hörte auf zu staunen. Fast wurde es mir ein bisschen schwer, mich über unsere Ernteerträge tatsächlich noch von Herzen zu freuen. Was war passiert?

Ich höre meine Großmutter noch sagen: „Hm, dieses Mal ist aber viel Kleines dabei.“ Und: „Dieses Mal kommen wir mit unseren Kartoffeln wohl nicht hin. Da werden wir noch zukaufen müssen. Naja, ich will mal sehen…“. Und ohne es zu merken, ist mit dem Älterwerden dieser Blick wohl auch ein bisschen zu meinem Blick geworden: Der Blick des Messens und Vergleichens. Und der Gedanke: „Naja, ein bisschen mehr hätte es schon sein dürfen“.

Zu danken wird auf einmal mühsam. Weil das kindliche Staunen fehlt. Weil die intuitive Freude über das fehlt, was ich da in meinen Händen halte – und doch mit meinen Händen niemals hätte schaffen können. Nein, es braucht so viel mehr als Pflanzkartoffeln und fruchtbare Erde. So viel mehr als anhäufeln, auflockern und dann ernten. Es brauchte die rechte Mischung aus Regen und Sonne. Aus Wärme und Kühle. Es braucht gute Böden und Mikroorganismen, die ihre Arbeit tun. Es brauchte Wachstumsprozesse.

In dieser Woche feiern wir Erntedank. Wie also kommen wir auch als Erwachsene dahin, dankbar zu sein?

„Danken“ kommt von „denken“. Wer nachdenkt, fängt an zu danken. Und wer Gott dankt, denkt weiter. Und denkt nicht nur weiter, sondern sieht auch weiter. Und schärfer. Und bekommt die Menschen in den Blick, durch die Gott uns versorgt und am Leben erhält. Zu einem: „Gott sei Dank!“ gehört deswegen immer auch ein: „Mensch sei Dank!“

Ihre Pfarrerin
Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

Lobe den Herrn, meine Seele!
Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich;
du bist schön und prächtig geschmückt.
Licht ist dein Kleid, das du anhast.

Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich;
der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden,
dass es bleibt immer und ewiglich.
Du feuchtest die Berge von oben her,
du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.

Du lässest Gras wachsen für das Vieh
und Saat zu Nutz den Menschen,
dass du Brot aus der Erde hervorbringst,
dass der Wein erfreue des Menschen Herz
und sein Antlitz schön werde vom Öl,
und das Brot des Menschen Herz stärke.

Herr, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet,
und die Erde ist voll deiner Güter.

Es warten alle auf dich,
dass du ihnen Speise gebest zur rechten Zeit.
Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie;
wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.

Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie;
nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden
wieder Staub.
Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen,
und du machst neu die Gestalt der Erde.

Die Herrlichkeit des Herrn bleibe ewiglich,
der Herr freue sich seiner Werke!
Ich will dem Herrn singen mein Leben lang
und meinen Gott loben, solange ich bin.

Lobe den Herrn, meine Seele!
Halleluja!

Verbindung halten

18. September 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser,

am Sonntag feiern wir Konfirmation anders als sonst. Am Samstag und Sonntag werden 27 der 33 Jugendlichen, die seit Sommer letzten Jahres den Konfirmandenunterricht besucht haben, eingesegnet. Sechs Jugendliche verschieben die Konfirmation auf einen späteren Zeitpunkt. Damit wir in Corona-Zeiten die nötige Vorsicht einhalten, feiern wir sechs Gottesdiensten und aus jeder Familie dürfen nur sechs Menschen an der Konfirmation teilnehmen. Um niemanden zu gefährden, müssen wir umdenken. Wie schnell sich das Virus auf einem Fest und durch einen Gottesdienst verbreiten kann, mussten wir in den vergangenen Monaten leider lernen.

Deshalb experimentieren wir damit, wie wir gleichzeitig die innere Verbindung zueinander und den körperlichen Abstand voneinander halten können. Dass dies geht, haben wir schon mit unserem digitalen Vorstellungsgottesdienst erlebt. Von zuhause aus haben die Jugendliche sich zusammengeschaltet und gemeinsam mit ihren Familien ganz anders aber eindrucksvoll Gottesdienst gefeiert.

Das Internet, Smartphones, Tabletts und Computer helfen miteinander in Verbindung zu bleiben. Darin sind die jungen Leute wirklich gut. Ganz schnell werden per WhatsApp, Instagram & Co untereinander Bilder, Videos und Nachrichten getauscht. (Bild von Gerd Altmann auf Pixabay): Die Lösung für die Mathe-Hausaufgaben oder ein komisches Video genauso wie Liebesbotschaften. Herzchen, Smilies und viele andere Emojis drücken dabei Gefühle aus. Manchmal ist gar ein Hilferuf dabei. Hoffentlich schickt dann jemand etwas Tröstendes und Helfendes zurück und es gerät nicht in falsche Hände.

Das Internet hilft uns in Verbindung zu bleiben. Das ist gut so. Aber manchmal reißt auch die Verbindung ab. Nicht immer ist ein Funkloch oder ein leerer Akku dran schuld. In jedem Leben gibt es Krisenzeiten, in der die Verbindung gestört ist: Ärger in der Familie, Liebeskummer, Stress in Schule und Beruf, Krankheit und Abschied. In den letzten Monaten mussten viele spüren, wie schwer es werden kann, auf sich allein gestellt zu sein.

Gut, wenn dann einer trotzdem Acht hat und sich um Verbindung bemüht. Das muss nicht das Klingeln des Handys sein. Ein liebes Wort, ein freundlicher Blick, eine Umarmung auch mal mit Maske – und ich merke: Ich bin nicht allein und abgeschnitten. Es geht weiter. Vertrauen baut sich auf. Die Verbindung, die so entsteht, ist nicht die, der High-Tech-Welt mit Flatrate und Highspeed-Internet und auch nicht die Sicherheit eines Lebens mit Erfolg, Karriere, hohem Lebensstandard und immerwährendem Fortschritt.

Das Vertrauen, das sich aufbaut, hat etwas mit Liebe und der Erfahrung des Glaubens zu tun. Es gibt eine Verbindung, die auch in Krisen trägt, weil ich ein Gotteskind bin – geliebt, nicht weil ich so klug, erfolgreich und schön bin, sondern einfach, weil Gott mich liebt. Gott hält Verbindung, auch wenn mein Akku mal leer ist und ich nichts mehr in der Tasche habe, um meine Karte aufzuladen.

Gott hält Empfang, auch wenn wir es gar nicht erwarten. Da kann ich ehrlich sein. Ich kann lieben – mit all meinen Stärken und Schwächen. Ich kann fröhlich und traurig sein – und werde geliebt. Wenn wir dies den jungen Menschen mit auf den Weg geben, dann brauchen wir uns, um sie keine Sorgen zu machen, denn die Verbindung hält – auch mit Abstand. Und für die Gäste, die nicht an den Konfirmationen teilnehmen können, übertragen wir die Gottesdienste digital, so halten auch sie ein Stück Verbindung.

Bleibt behütet!
Ihr und Euer Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Niemand kann von sich aus so leben, wie es uns mit dem Glauben zugemutet ist. Die Konfirmanden und Konfirmandinnen, ihre Eltern und Paten und wir alle brauchen dazu Ermutigung und Hilfe. Gott, unser Vater, wir bitten für die Jungen und Mädchen, die du uns anvertraut hast:

Gib ihnen deine Gnade, Schutz und Schirm vor allen Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten, dass sie bewahrt werden zum ewigen Leben, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Bruder.

Amen

Himmelszeichen

11. September 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserin, lieber Leser,

Im Psalm 86 steht eine sehr menschliche Bitte: „Tu ein Zeichen an mir, dass du es gut mit mir meinst.“ Diese Bitte richtet sich an Gott, sie ist ein Gebet: „Tu ein Zeichen an mir, dass du, Gott, es gut mit mir meinst.“ Kennen Sie auch diesen Wunsch nach einem Zeichen?

Freundschaftszeichen

Manche Jugendliche tragen ein Freundschaftsbändchen. Also etwas, das man sehen und fühlen und nicht wegreden kann. Solch ein Freundschaftsbändchen ist das Zeichen dafür, dass da ein Freund ist, der es gut mit mir meint, der zu mir hält, den ich vertrauen kann.

Erwachsene tragen für eine Beziehung eher einen Ring. Er ist das Zeichen für jemanden, der sein Leben mit mir teilt, der mir zutiefst verbunden ist und für den ich da bin.

Ja, Zeichen können vielfältig sein. Entscheidend aber ist: Sie sind unübersehbar. Natürlich könnte ich auch denken: Eigentlich ist der Wunsch nach einem Zeichen doch Ausdruck von mangelndem Ausdruck, vielleicht sogar Misstrauen. Aber: Unser Herz, das doch einfach nur menschlich ist, verlangt danach.

Himmelszeichen

Am Anfang der Bibel erfahren wir auch von einem Zeichen, dass Gott es gut mit seiner Schöpfung meint: „Und Gott sprach: Das ist das Zeichen des Bundes, den ich geschlossen habe zwischen mir und euch und allem lebendigen Getier bei euch auf ewig. Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken.“ Dieser Bund, für den der Regenbogen ein Zeichen ist, enthält eine Selbstverpflichtung Gottes gegenüber uns Menschen und gegenüber der ganzen Schöpfung. „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Die Erde soll nicht verflucht, sie soll gesegnet sein. Der Regenbogen ist also ein Zeichen des Friedens. Und zugleich ein Zeichen für Gott selbst.

In dem großartigen Song „What A Wonderful World“ singt Louis Amstrong die Zeile:  „The colors of  the rainbow so pretty in the sky.“ Betrachten wir einmal die sieben Farben des Regenbogens ein wenig genauer.

Rot – die Farbe der Liebe. Gott ist Liebe. Und Gott schenkt und zeigt uns seine Liebe
Orange – Rot vermischt mit Gelb. Gottes Liebe ist leuchtend und warm und wärmt unsere Herzen
Gelb – die Farbe der Sonne. Gott ist Licht und in ihm ist keine Finsternis, Licht voller Kraft
Grün – die Farbe des Lebens, des Wachsens. Der lebendige Gott ist ein Gott des Lebens. Er schenkt und erhält Leben
Blau – die Farbe der Klarheit und Weite des Himmels und der Tiefe des Meeres. Blau bringt Gottes Weite, Gottes Tiefe und Gottes Klarheit zum Ausdruck
Indigo – ein dunkles Blauviolett, die Farbe des Dunkeln, Rätselhaften. Auch das Unbegreifliche, Unbennbare ist aufgehoben bei Gott
Violett – Rot vermischt sich mit Blau. Gottes Weite, Gottes Tiefe. Gottes Klarheit ist die Weite, die Tiefe und Klarheit seiner Liebe

Der Regenbogen ist Gottes wundervolles Zeichen für sein großes Versprechen: „Solange die Erde besteht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“

Saat und Ernte

Das zutiefst Elementare von Säen und Ernten lässt auch heute noch niemanden unberührt. Der Mutterboden von Acker und Garten wird bestellt und der Samen im Schoß der Erde verborgen. Geheimnisvoll keimt der Samen, ein Spross durchbricht die Ackerkrume, eine Pflanze wächst. Sie bringt Frucht, die in der Erde eingebracht wird. Gewiss, Säen und Ernten sind mit Mühe und Arbeit verbunden, doch eine köstliche Arbeit. Sie ist Mithilfe an einem Wunder. Und Ernte bringt Brot und Wein, Freude und Leben.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Bernd Schminke
Prädikant und Vorsitzender des Kirchenvorstandes

Mittagsgebet

Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.
Ein Tag sagt’s dem andern,
und eine Nacht tut’s kund der anderen,
ohne Sprache und ohne Worte;
unhörbar ist ihre Stimme.

Ihr Schall geht aus in alle Lande
und ihr Reden bis an die Enden der Welt.
Er hat der Sonne ein Zelt am Himmel gemacht;
sie geht heraus wie ein Bräutigam aus seiner Kammer
und freut sich wie ein Held, zu laufen die Bahn.

Sie geht auf an einem Ende des Himmels
und läuft um bis wieder an sein Ende,
und nichts bleibt vor ihrer Glut verborgen.
Das Gesetz des HERRN ist vollkommen.

Das Zeugnis des HERRN ist gewiss
und macht die Unverständigen weise.
Die Befehle des HERRN sind lauter
und erleuchten die Augen.
Die Furcht des HERRN bleibt ewiglich.

Die Rechte des HERRN sind wahrhaftig allesamt gerecht.
Sie sind köstlicher als Gold und viel feines Gold,
sie sind süßer als Honig und Honigseim.

Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes
und das Gespräch meines Herzens vor dir,
HERR, mein Fels und mein Erlöser.

(Psalm 19)

Vor dem Virus sind alle Menschen gleich

4. September 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Es ist heute nicht mehr egal, ob in China ein Sack Reis umfällt. Dies ist für mich eine der wichtigsten Lehren aus der Corona-Pandemie. Natürlich wissen wir schon längst, dass wir in einer globalisierten Welt leben, in der vom Kartoffelschäler bis zu den Handys vieles „Made in China“ ist, was wir tagtäglich benutzen. Die Pandemie zeigt mir aber auf erschreckende Weise, wie schnell nicht nur Waren, sondern auch die Viren und der Tod heute um die Welt gehen. Das wird wohl der Preis sein, den wir für Fortschritt und Wohlstand zahlen müssen, oder zumindest für das, was wir für Fortschritt und Wohlstand halten, meinen viele. Oder der Preis dafür, dass wir wieder raus können, fort von zuhause, hinaus in die Welt.

Dabei lerne ich aber langsam noch ein Zweites: Vor dem Virus sind alle Menschen gleich, aber die Kosten der Pandemie sind sehr ungleich verteilt. Die Krankheit verbreitet sich besonders schnell und stark unter Menschen aus, die unter miesen Bedingungen arbeiten und auf engsten Raum zusammenleben müssen. Und der Lockdown, der von einem wie mir vor allem Geduld gefordert hat, bringt andere an den Rand des Ruins, wenn die Aufträge wegbrechen und die Kunden zuhause bleiben. Aber es geht nicht allein um den wirtschaftlichen Schaden. Auch den seelischen Preis der Pandemie zahlen wieder die Kleinen, die Alten, die Armen. Im Kanzleramt gab es keinen „Kindergipfel“, in denen Alleinerziehende, Eltern, Erzieherinnen und Praktiker aus der Schule beraten hätten, wie Homeschooling und Homeoffice in einer Drei-Zimmer-Wohnung bei einem Einkommen zusammen gehen. Ob sich in den Schlachthäusern und der industriellen Landwirtschaft etwas ändert, bleibt abzuwarten. Und dass der „Pflegebonus“ den Pflegenotstand nicht behebt, wissen wir alle. Gerade die Menschen in den Pflege- und Seniorenheimen bleiben weiter von massiven Einschränkungen betroffen, mehr noch als die Kinder. Schön, wenn jetzt mit Voranmeldung drei 45-minütige Besuche pro Woche wieder möglich sind. Aber ich wage zu bezweifeln, dass dies reicht.

Wenn im Main-Kinzig-Kreis die Zahl der Infizierten wieder massiv steigt, halten die Vernünftigen Abstand. Sie ziehen ihre Masken beim Einkaufen und in den Bussen und Bahnen richtig über Mund und Nase und tragen mit ihrer Vorsicht ihren Teil zur Eindämmung des Virus bei. Das dies hilft, haben die vergangenen Monate gezeigt. Die wenigen Unvernünftigen, die endlich wieder Party machen wollen oder alles für eine Verschwörung halten, müssen wir sicherlich in die Schranken weisen.

Aber vor allem dürfen wir die nicht aus dem Blick verlieren, die im Stillen leiden – ohne Lobby und ohne Facebook-Seite. Margarete Stokowski schrieb jüngst in ihrer Kolumne auf spiegel.de: „Die Kritik der Rücksichtslosen und Ignoranten kann nur maximal die Hälfte dessen sein, was zu tun ist. Der Rest ist Kümmern und Bestärken und Aufpassen, dass niemand vergessen wird – auch die Leisen nicht.“ Behüten wir gerade jetzt die besonders gefährdeten Menschen, aber schließen wir sie nicht aus und weg. Das wird Zeit und Geld und viele Testkapazitäten kosten. Aber so zeigen wir dem Virus eine klare Kante: Auch für uns sind alle Menschen gleich wichtig – auch die Kleinen, die Alten, die Armen.

Bleiben Sie behütet.
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

Guter Gott, die Corona-Krise macht uns Angst. Solch eine Situation hatten wir noch nie. Auf der ganzen Welt werden Menschen deswegen krank. Und noch viel mehr bleiben zu Hause oder auf Abstand zueinander, um sich nicht anzustecken mit dem neuen Virus.

Ich bitte dich: Steh uns bei in dieser Situation. Sei bei den Kranken und den Risikopatienten und bei allen, die sich um sie kümmern. Hilf uns, gelassen zu bleiben. Hilf uns, Solidarität zu zeigen mit denjenigen, die wir jetzt besonders schützen müssen. Gerade für unsere Kinder und für die alten Menschen lass uns einstehen. Lass uns niemanden vergessen.

Guter Gott, gib uns einen langen Atem beim Umgang mit dieser Krankheit. Und schenke uns jetzt Mut und Zuversicht. Amen.

(nach Beate Hirt)

Ich bin ein Gast auf Erden

24. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Es ist Sommerzeit. Urlaubszeit. Noch vor wenigen Wochen war an Urlaubsfahrten nicht zu denken, doch nun bin ich tatsächlich zu Gast in meinem geliebten Urlaubsort an der Ostsee. So, wie schon viele Sommerwochen meines Lebens von Kindesbeinen an. Es ist für mich immer ein bisschen auch „nach Hause kommen“. In der Ferne sein und trotzdem zuhause – gerade darin besteht für mich ein Reiz. Insgeheim danke ich den Menschen in Schleswig-Holstein, dass sie sich auch in diesem Jahr, auch unter den veränderten Umständen, auf uns als Feriengäste einlassen, uns willkommen heißen. Was werden wir ihnen bringen? Hoffentlich ein bisschen Normalität und Lebensfreude zurück in ihren Alltag, hoffentlich einige herzliche Begegnungen und ein paar Geschichten aus unserer Heimat – und hoffentlich natürlich auch einige Einnahmen für die kleineren Geschäfte und Hofläden hier an der Küste. Hoffentlich werden wir ihnen keine Gefahr, keine steigenden Fallzahlen bringen und vor allem keine Sorge vor einem erneuten, regionalen Lockdown. Chancen und Risiken – beides gehört zum Gastsein und zum Gastgebersein mit dazu. Neben mir auf dem großen Parkplatz hinter dem Deich parkt ein Auto mit dem Kennzeichen „GÖ“ für Göttingen und eines mit „GT“ für Gütersloh – merkwürdig, auf was ich in diesem Jahr so achte, denke ich intuitiv.

Im Strandkorb lese ich den Bibeltext für den Sonntag nach meinen Ferien, an dem ich wieder predigen werde: „Bleibt fest in der brüderlichen Liebe“, lese ich dort im 13. Kapitel des Hebräerbriefes. „Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Eine Dimension von Gastfreundschaft erlebe ich gerade hier in meinem Urlaubsort. Bis in welche Dimensionen dieser Bibelvers aber tatsächlich hineinreicht, wird mir durch meine Urlaubslektüre bewusst. Ich lese das Buch „Aschenblüte“, die Erzählung einer jungen Frau aus Ruanda, die 1994 den Völkermord der Hutu an den Tutsi überlebt. Die Sicherheitslage spitzt sich auch in ihrem kleinen Heimatdorf Mataba im Westen Ruandas dramatisch zu. Kurz bevor ihr Vater, ihre Mutter und ihre beiden Brüder zusammen mit den übrigen Dorfbewohnern dem grausamen Gemetzel ihrer Killer zum Opfer fallen, schickt ihr Vater seine Tochter zu einem – nun feindlichen – Hutu-Pastor in dem Vertrauen: „Geh zu Pastor Murinzi. Ich bin sicher, er wird dich verstecken, […].“

Ohne seine eigene Familie einzuweihen, gewährt der Pastor unter Lebensgefahr zuerst sechs, später acht Tutsi-Frauen und -Kindern Zuflucht in einem winzigen Toilettenraum in seinem Haus, dessen Eingang von einem großen Schrank verdeckt wird. Alle paar Tage rückt der Pastor nachts den großen Schrank zur Seite, um die Versteckten mit Essensresten und Wasser zu versorgen. Nahezu bewegungslos aufeinander gestapelt harren die acht Frauen und Kinder in diesem winzigen Toilettenraum aus – für die Dauer von 3 Monaten! Der Pastor selbst ist mehrfacher Vater. Immer wieder überfallen ihn schreckliche Zweifel an dem, was er tut. Der feindseligen Propaganda der Medien, die mit Verschwörungstheorien versuchen, die Hutu gegen ihre Tutsi-Nachbarn aufzuwiegeln und zu einem der weltweit größten und grausamsten Völkermorde anzustacheln – dem Einfluss dieser Propaganda kann auch er sich nicht gänzlich entziehen. Beherbergt er am Ende Kinder von Rebellen? Ehefrauen von Feinden? Aber inmitten seiner Zweifel, seiner eigenen ideologischen Verwirrung, bleibt er bei dem schlichten Grundsatz der Bibel: „Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt“ (Hebräer 13, 2). Und er bleibt bei den Worten von Jesus: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,40).

Immaculée Ilibagiza, die junge Frau aus Ruanda, überlebte dank der Gastfreundschaft des Hutu-Pastors Murinzi die Monate des Mordens. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in den USA und arbeitet bei den Vereinten Nationen. Der von ihr gegründete Charitable Fund LEFT TO TELL, „Übrig, um zu erzählen“, kümmert sich um verwaiste Kinder aus afrikanischen Kriegsgebieten.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Labyrinth: Kein Irrgarten

17. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser!

Ich lade sie heute zu einer kleinen Reise durch ein Labyrinth ein. Es findet sich auf dem Boden der Kathedrale von Chartre in Frankreich. Im Original misst es mehr als 12 Meter im Durchmesser. Heute reicht ein Stift, um sich auf die Reise zu begeben. Machen wir uns also auf den Weg! Der Eingang ist unten.

Wir gehen hinein und schon nach nur einer Schleife sind wir ganz nahe daran an der Mitte. Vielleicht so, wie die Kinder am Beginn ihres Lebensweges. Es lebt noch ganz aus der eigenen Mitte, spürt alle seine Bedürfnisse und äußert sie auch sofort, getragen von dem Vertrauen versorgt zu werden. Ein Kind zeigt seine Gefühle unverstellt. Es bringt Zuneigung zum Ausdruck, lässt aber auch sehen, wenn es jemanden nicht mag – was für uns Erwachsene manchmal gar nicht so einfach ist.

Aber je älter wir werden, je länger wir auf unserem Lebensweg unterwegs sind, um so weiter entfernen wir uns wieder von der Mitte. Wir kommen auf Wegstrecken, wo wir nicht mehr weiter wissen, wo wir zweifeln, weil wir das Ziel aus den Augen verloren haben. Das sind Zeiten, in denen wir kein Land mehr sehen und Angst haben, dass wir nie mehr froh werden. Zeiten, in denen wir daran zweifeln, dass das alles einen Sinn hat.

Aber die Mitte ist da, auch wenn wir sie nicht sehen können. Und weiter gehen wir und kommen auf Wege, wo wir mühelos und gelassen ausschreiten. Wir sind zufrieden mit dem Leben. Wir freuen uns an Kleinigkeiten und lassen uns nicht verrückt machen – weder vom üblichen Kleinklein der Alltagssorgen noch von großen Herausforderungen. Nein, ohne tiefschürfende Gedanken freuen uns einfach unseres Lebens und leben im Hier und Jetzt.

Nach der nächsten Biegung kann es schon wieder anders aussehen – leider. Unterwegs im Labyrinth wissen wir meist nicht, wo wir sind. Ob das Ziel nahe ist oder noch fern. Aber kurz, bevor wir in der Mitte an-kommen, müssen wir erst noch einmal ganz an den äußeren Rand. Der Weg hin zur Mitte ist kein geradliniger.

Wenn Sie den Weg des Labyrinths bis hierhin nachgezeichnet haben, werde Sie feststellen, dass es nur einen einzigen Weg hin zur Mitte gibt, auch wenn sie bei all den Windungen uns manchmal aus dem Blick gerät. Aber letztlich führt das Labyrinth zum Ziel. Auch auf unübersichtlichen Strecken brauchen wir uns nicht in Hoffnungslosigkeit zu verlieren. Wer hier unterwegs bleibt und Schritt für Schritt weitergeht, kann seine Mitte nicht verfehlen.

Das Labyrinth als Deutung unseres Lebenswegs lädt ein zur Einkehr und zur Heimkehr in die eigene Mitte. Heimzukommen zu uns selbst, eins zu werden mit uns selbst und unserem Körper, eins zu werden mit der Mitte, die uns hält und trägt. Darauf vertraut der Glaube. Leben ist kein Irrgarten, der uns in Sackgassen führt, sondern auf verschlungenen Pfaden kreisen wir doch um unsere Mitte, bis wir sie am Ende erreichen.

Bleiben Sie behütet auf der Reise zu Ihrer Mitte!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Der Fischzug des Petrus – zu Lukas 5,1-11

10. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Gedanken zum Sonntag

Zwei Boote liegen am Ufer des großen Sees. Die Fischer haben eigentlich schon den Arbeitstag beendet, sind am Saubermachen, da steigt Jesus in das eine Boot und bittet den Fischer, hinauszufahren und die Netze auszuwerfen. Der protestiert zwar, weil er sich die ganze Nacht abgemüht, aber nichts gefangen hat. Es erscheint ihm sinnlos, es noch einmal zu probieren. Außerdem ist er müde. Trotzdem fährt er noch einmal hinaus, weil Jesus es wünscht, und siehe da – die Netze werden so voll, dass sie fast zerreißen.

Bild: www.pexels.com

Simon heißt dieser Fischer, ein einfacher Mann am See Genezareth, der mit seiner Familie vom Fischfang lebt. Wir kennen ihn mit seinem griechischen Namen Petrus, und ihm eilt der Ruf voraus, der erste Jünger Jesu gewesen zu sein. Später war er dann der wichtigste, eine Art Stellvertreter. Deshalb steht für die katholische Kirche der Papst in seiner Nachfolge.

„Hab keine Angst!“, sagt Jesus. „Von jetzt an wirst du Menschen fischen!“ Dieser Satz ist wie eine Berufung in dieses Amt. Petrus soll den Geist Jesu und seine Botschaft von Gottes Liebe und Güte weitertragen. Er soll derjenige sein, um den herum sich die zu gründende Gemeinde schart. Und das tat sie nach Jesu Tod ja auch.

Wir wissen heute nicht mehr, ob und inwieweit Petrus dies gelang, Menschen zu fischen. In der Bibel erscheint er oft eher blass, manchmal gar als Hasenfuß, der Jesus verleugnet, als es ernst wird. Und doch sind immer wieder Menschen in die Straßen und auf die Plätze gegangen, um Menschen für den neuen Glauben zu gewinnen. Sie haben diesen Satz Jesu, der an Petrus gerichtet war, sich auch selbst zur Aufgabe gemacht.

Menschen zu fischen ist natürlich schwierig. Man muss sie interessieren, überzeugen, für die Sache Gottes gewinnen. Aber dazu müssen sie erst einmal zuhören, müssen das spannend finden, was die Kirche zu sagen hat. Für Jesus selbst war das einfach. Er hat sich auch von einem Fischerboot aus an die Menschenmenge gewandt und ihnen gepredigt, doch da war er schon ziemlich bekannt im Volk und ein Prediger von Gottes Liebe und Güte, von dem man sich erzählte. Die Leute waren wegen ihm zusammengekommen.

Wir müssen andere Wege finden, damit Menschen uns zuhören. Allein von Gott zu erzählen, reicht meistens nicht aus. Da ist Kreativität gefragt, Offenheit und viel Geduld, denn oft sind auch wir frustriert, weil sich die Menschen nicht so einfach fischen lassen. Petrus jedoch hatte Jesus vertraut, ist trotzdem hinausgefahren – und war nachher überglücklich, dass seine Netze voll waren.

Deshalb sollten auch wir immer wieder in unsere Welt hinausgehen, zu den Menschen, dorthin, wo sie leben. Und vielleicht erleben auch wir, dass sich weit mehr Menschen finden lassen, als wir uns geträumt hatten. Das Zutrauen in Jesus kann uns den Mut dazu geben. Und die Geschichte vom Fischzug des Petrus auch.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn