Gedanken zum Sonntag

Liebe Leserinnen und Leser,

fast 4.000 Quadratmeter hatte der Pfarrgarten, der zu dem ersten Pfarrhaus gehörte, in das ich vor über 30 Jahre einzog, riesig war er. Wir haben immer wieder versucht, Ordnung hineinzubringen. Doch es war vergeblich. Wir kamen dem Unkraut, den wilden Brombeeren und den Brennnesseln nicht hinterher. Manch einer kennt das vielleicht. Mit Brombeerranken muss man fast kämpfen. Längst vertrocknet stechen sie immer noch. Und es ist nicht damit getan, die Ranken abzuschneiden. Wer nicht mit Hacke und Spaten die Wurzeln tief aus dem Boden holt, erlebt, dass sie im nächsten Jahr wieder austreiben und die ganze Plackerei von vorne los geht. Der Garten zeigte mir, wie viele Mühe im Leben vergeblich sein kann.

Bild: Peter Freitag / pixelio.de

Sinnlose Plackerei, der Garten, das Leben? Nein, trotzdem ist er der Mühe wert. Der Garten. Ich erlebe das Unkraut, die Früchte, das Wachsen und Vergehen, den Frühling und alle anderen Jahreszeiten. Endlose Gleichnisse von Sterben und Wiederauferstehen; Insekten und Vögel wohnen darin, Kleingetier, Eidechsen und Frösche.

Die Fülle des Lebens spiegelt sich im Garten wider. Die Bibel erzählt vom Garten Eden. Adam und Eva hatten ihn zu hegen und zu pflegen. Ernährten sich von den Früchten, blieben am Leben, weil es diesen Garten gab. Aber sie wurden daraus vertrieben, durch ihre Schuld, wie die Bibel berichtet. Symbolisch zeigt uns diese Geschichte, wie wir in diese Welt mit Ordnung und Chaos hineingekommen sind.

Der Garten Gethsemane erzählt diese Geschichte weiter: Dort rang Jesus nach Fassung, kämpfte er mit sich selber, wurde er verraten und gefangengenommen. Wieder wurde ein Mensch aus einem Garten herausgeholt und verschleppt. Durch die Schuld anderer Menschen.

Doch am Ende stehen nicht der Verrat, das Böse, auch nicht der Tod. Mit der Auferstehung Jesu sagt Gott ein für alle Mal „Ja“ zum Leben, zu diesem schönen, schweren, bunten und vielfältigen Leben mit den süßen Früchten und den Dornenranken. Wenn ich das nächste Mal über die Mühe fluche, die der Garten macht, will ich daran denken.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

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