Aktuelles

Sind wir nicht zu fade?

31. Juli 2020 by ekro Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben

„Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus in seiner Bergpredigt (Matthäus 5; Bild: LoggaWiggler/ pixabay.com). Wir fühlen uns damit schnell überfordert. Sind wir nicht zu fade? Bei wem springt schon der Funke der Begeisterung über? Vielleicht liegt dieser Selbstzweifel daran, dass wir zu viel Salz und zu viel Licht haben? Salz ist überall: In den Fertiggerichten, der Wurst, auf den Pommes. Salzarm – das ist für uns heute eine Diät bei Bluthochdruck. Nicht viel anders beim Licht. Alles wird angestrahlt, selbst unsere Kirche. Die Erde ist nachts vielerorts so hell geworden, dass wir die Sterne kaum mehr leuchten sehen. Lichtverschmutzung nennen das die Astronomen.

Zuviel Salz, Zuviel Licht. Wir sind überfüttert damit. Wir sehen und schmecken nicht mehr das Wertvolle dran. Keine Dämmerstunden mehr und keinen feinen Geschmacksunterschied mehr auf der Zunge. Mit dem Zuviel gehen die Zwischentöne im Leben verloren. Nicht nur beim Essen und Sehen.

Zur Zeit Jesu war das anders. Salz war wertvoll, zeitweise sogar Zahlungsmittel. Und in der Nacht brannte nur das kleine Licht der Öllampen. Immer war die Sorge da, dass das Öl nicht reichen könnte. Salz und Licht – damals knapp und wertvoll.

Unser Zuviel täuscht die Sinne. Und so kommt es auch, dass wir uns nicht so recht wohl dabei fühlen, wenn wir als Salz der Erde und Licht der Welt bezeichnet werden. Wir kleinen Körnchen, wir kleinen Lichter – Salz der Erde? Licht der Welt? Wir hören diese Frage als Anfrage: Sind wir zu fade? Stellen wir unser Licht unter den Scheffel? Wir hören Kritik heraus, Mahnung besser zu werden, engagierter, frommer, überzeugender.

Aber kann denn Salz fade werden, fragt Jesus dann weiter? Nein! Salz wird nicht fade. Und jeder Funke hat das Potential zur Flamme. Jesus stärkt uns, wenn er uns mit Salz und Licht vergleicht. Erst mit unserer Kleingläubigkeit und dem immerwährenden Lamento, werden wir fade und unser Licht wird schwach.

Jesus sieht uns so, wie wir von Gott gewollt sind. Er sieht uns mit unseren Möglichkeiten und Begabungen. Er will uns nicht klein machen. Nein, er möchte, dass wir wachsen. Was in uns steckt, soll sich entfalten. Es ist nicht nötig, scharf wie ein Zentner Salz zu werden und als gleißende Sonne verbrennen wir anderen nur die Augen. Es reicht das Körnchen zu sein, dass den richtigen Geschmack bringt und das Fünkchen, dass die Glut neu anfacht.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrer Heinrich Schwarz

Mittagsgebet

29. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles

Wie Salz, das kraftlos geworden, wie Licht, das dem Verlöschen nahe ist, so fühlen wir Christen uns oft: entmutigt und hilflos.
Weil viele nichts von uns erwarten, trauen wir uns selbst nichts zu, lassen unsere Gaben und Kräfte verderben.
Aber Jesus traut uns viel zu: mit seiner Liebe die Erde verwandeln, so wie Salz die Speisen würzt;
mit seiner Wahrheit die Welt erhellen, so wie Licht die Finsternis durchbricht.
Weil er uns erleuchtet, können wir Licht sein für andere.
Amen.

Ich bin ein Gast auf Erden

24. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Es ist Sommerzeit. Urlaubszeit. Noch vor wenigen Wochen war an Urlaubsfahrten nicht zu denken, doch nun bin ich tatsächlich zu Gast in meinem geliebten Urlaubsort an der Ostsee. So, wie schon viele Sommerwochen meines Lebens von Kindesbeinen an. Es ist für mich immer ein bisschen auch „nach Hause kommen“. In der Ferne sein und trotzdem zuhause – gerade darin besteht für mich ein Reiz. Insgeheim danke ich den Menschen in Schleswig-Holstein, dass sie sich auch in diesem Jahr, auch unter den veränderten Umständen, auf uns als Feriengäste einlassen, uns willkommen heißen. Was werden wir ihnen bringen? Hoffentlich ein bisschen Normalität und Lebensfreude zurück in ihren Alltag, hoffentlich einige herzliche Begegnungen und ein paar Geschichten aus unserer Heimat – und hoffentlich natürlich auch einige Einnahmen für die kleineren Geschäfte und Hofläden hier an der Küste. Hoffentlich werden wir ihnen keine Gefahr, keine steigenden Fallzahlen bringen und vor allem keine Sorge vor einem erneuten, regionalen Lockdown. Chancen und Risiken – beides gehört zum Gastsein und zum Gastgebersein mit dazu. Neben mir auf dem großen Parkplatz hinter dem Deich parkt ein Auto mit dem Kennzeichen „GÖ“ für Göttingen und eines mit „GT“ für Gütersloh – merkwürdig, auf was ich in diesem Jahr so achte, denke ich intuitiv.

Im Strandkorb lese ich den Bibeltext für den Sonntag nach meinen Ferien, an dem ich wieder predigen werde: „Bleibt fest in der brüderlichen Liebe“, lese ich dort im 13. Kapitel des Hebräerbriefes. „Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.“ Eine Dimension von Gastfreundschaft erlebe ich gerade hier in meinem Urlaubsort. Bis in welche Dimensionen dieser Bibelvers aber tatsächlich hineinreicht, wird mir durch meine Urlaubslektüre bewusst. Ich lese das Buch „Aschenblüte“, die Erzählung einer jungen Frau aus Ruanda, die 1994 den Völkermord der Hutu an den Tutsi überlebt. Die Sicherheitslage spitzt sich auch in ihrem kleinen Heimatdorf Mataba im Westen Ruandas dramatisch zu. Kurz bevor ihr Vater, ihre Mutter und ihre beiden Brüder zusammen mit den übrigen Dorfbewohnern dem grausamen Gemetzel ihrer Killer zum Opfer fallen, schickt ihr Vater seine Tochter zu einem – nun feindlichen – Hutu-Pastor in dem Vertrauen: „Geh zu Pastor Murinzi. Ich bin sicher, er wird dich verstecken, […].“

Ohne seine eigene Familie einzuweihen, gewährt der Pastor unter Lebensgefahr zuerst sechs, später acht Tutsi-Frauen und -Kindern Zuflucht in einem winzigen Toilettenraum in seinem Haus, dessen Eingang von einem großen Schrank verdeckt wird. Alle paar Tage rückt der Pastor nachts den großen Schrank zur Seite, um die Versteckten mit Essensresten und Wasser zu versorgen. Nahezu bewegungslos aufeinander gestapelt harren die acht Frauen und Kinder in diesem winzigen Toilettenraum aus – für die Dauer von 3 Monaten! Der Pastor selbst ist mehrfacher Vater. Immer wieder überfallen ihn schreckliche Zweifel an dem, was er tut. Der feindseligen Propaganda der Medien, die mit Verschwörungstheorien versuchen, die Hutu gegen ihre Tutsi-Nachbarn aufzuwiegeln und zu einem der weltweit größten und grausamsten Völkermorde anzustacheln – dem Einfluss dieser Propaganda kann auch er sich nicht gänzlich entziehen. Beherbergt er am Ende Kinder von Rebellen? Ehefrauen von Feinden? Aber inmitten seiner Zweifel, seiner eigenen ideologischen Verwirrung, bleibt er bei dem schlichten Grundsatz der Bibel: „Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt“ (Hebräer 13, 2). Und er bleibt bei den Worten von Jesus: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,40).

Immaculée Ilibagiza, die junge Frau aus Ruanda, überlebte dank der Gastfreundschaft des Hutu-Pastors Murinzi die Monate des Mordens. Heute lebt sie zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in den USA und arbeitet bei den Vereinten Nationen. Der von ihr gegründete Charitable Fund LEFT TO TELL, „Übrig, um zu erzählen“, kümmert sich um verwaiste Kinder aus afrikanischen Kriegsgebieten.

Bleiben Sie behütet!
Ihre Pfarrerin Katharina Bärenfänger

Mittagsgebet

21. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles

Ich bin ein Gast auf Erden
und hab hier keinen Stand;
der Himmel soll mir werden,
da ist mein Vaterland.
Hier reis ich bis zum Grabe;
dort in der ewgen Ruh
ist Gottes Gnadengabe,
die schließt all Arbeit zu.

Mein Heimat ist dort droben,
da aller Engel Schar
den großen Herrscher loben,
der alles ganz und gar
in seinen Händen träget
und für und für erhält,
auch alles hebt und leget,
wie es ihm wohlgefällt.

Da will ich immer wohnen
– und nicht nur als ein Gast –
bei denen, die mit Kronen
du ausgeschmücket hast;
da will ich herrlich singen
von deinem großen Tun
und frei von schnöden Dingen
in meinem Erbteil ruhn.

Amen

(Paul Gerhardt: Ich bin ein Gast auf Erden, EG 529)

Labyrinth: Kein Irrgarten

17. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Liebe Leserinnen und Leser!

Ich lade sie heute zu einer kleinen Reise durch ein Labyrinth ein. Es findet sich auf dem Boden der Kathedrale von Chartre in Frankreich. Im Original misst es mehr als 12 Meter im Durchmesser. Heute reicht ein Stift, um sich auf die Reise zu begeben. Machen wir uns also auf den Weg! Der Eingang ist unten.

Wir gehen hinein und schon nach nur einer Schleife sind wir ganz nahe daran an der Mitte. Vielleicht so, wie die Kinder am Beginn ihres Lebensweges. Es lebt noch ganz aus der eigenen Mitte, spürt alle seine Bedürfnisse und äußert sie auch sofort, getragen von dem Vertrauen versorgt zu werden. Ein Kind zeigt seine Gefühle unverstellt. Es bringt Zuneigung zum Ausdruck, lässt aber auch sehen, wenn es jemanden nicht mag – was für uns Erwachsene manchmal gar nicht so einfach ist.

Aber je älter wir werden, je länger wir auf unserem Lebensweg unterwegs sind, um so weiter entfernen wir uns wieder von der Mitte. Wir kommen auf Wegstrecken, wo wir nicht mehr weiter wissen, wo wir zweifeln, weil wir das Ziel aus den Augen verloren haben. Das sind Zeiten, in denen wir kein Land mehr sehen und Angst haben, dass wir nie mehr froh werden. Zeiten, in denen wir daran zweifeln, dass das alles einen Sinn hat.

Aber die Mitte ist da, auch wenn wir sie nicht sehen können. Und weiter gehen wir und kommen auf Wege, wo wir mühelos und gelassen ausschreiten. Wir sind zufrieden mit dem Leben. Wir freuen uns an Kleinigkeiten und lassen uns nicht verrückt machen – weder vom üblichen Kleinklein der Alltagssorgen noch von großen Herausforderungen. Nein, ohne tiefschürfende Gedanken freuen uns einfach unseres Lebens und leben im Hier und Jetzt.

Nach der nächsten Biegung kann es schon wieder anders aussehen – leider. Unterwegs im Labyrinth wissen wir meist nicht, wo wir sind. Ob das Ziel nahe ist oder noch fern. Aber kurz, bevor wir in der Mitte an-kommen, müssen wir erst noch einmal ganz an den äußeren Rand. Der Weg hin zur Mitte ist kein geradliniger.

Wenn Sie den Weg des Labyrinths bis hierhin nachgezeichnet haben, werde Sie feststellen, dass es nur einen einzigen Weg hin zur Mitte gibt, auch wenn sie bei all den Windungen uns manchmal aus dem Blick gerät. Aber letztlich führt das Labyrinth zum Ziel. Auch auf unübersichtlichen Strecken brauchen wir uns nicht in Hoffnungslosigkeit zu verlieren. Wer hier unterwegs bleibt und Schritt für Schritt weitergeht, kann seine Mitte nicht verfehlen.

Das Labyrinth als Deutung unseres Lebenswegs lädt ein zur Einkehr und zur Heimkehr in die eigene Mitte. Heimzukommen zu uns selbst, eins zu werden mit uns selbst und unserem Körper, eins zu werden mit der Mitte, die uns hält und trägt. Darauf vertraut der Glaube. Leben ist kein Irrgarten, der uns in Sackgassen führt, sondern auf verschlungenen Pfaden kreisen wir doch um unsere Mitte, bis wir sie am Ende erreichen.

Bleiben Sie behütet auf der Reise zu Ihrer Mitte!
Ihr Pfarrer Heinrich Schwarz

Café Sahnehäubchen „to go“ am 26.07.

15. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Erwachsene, Frauenhilfe, Veranstaltungen

Wer einmal das Café Sahnehäubchen im Evangelischen Gemeindezentrum in der Buchbergstraße besucht hat, schwärmt noch heute von den leckeren selbstgebackenen Torten und Kuchen. Die Bäckerinnen der Frauenhilfe und der „Junge Kirchenvorstand“ lassen das Café Sahnehäubchen wiederaufleben.

Am Sonntag, den 26. Juli, öffnet von 13 bis 16 Uhr ein Café Sahnehäubchen „to go“ im Evangelischen Gemeindehaus Gartenstraße 2 seine Pforten.

Nehmen Sie die leckeren selbstgebackenen Torten und Kuchen mit nach Hause und genießen Sie sie im Garten, auf der Terrasse oder im Wohnzimmer zusammen im vernünftigen Rahmen mit Familie oder Freunden.
Wir nehmen auch gerne telefonische Bestellungen an und liefern aus. Tel. 0176 40447051.

Mittagsgebet

14. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles

Guter Gott, wie ein Labyrinth ist der Lebensweg des Menschen. Dieser Weg ist nicht gradlinig. Erführt zu einem Ziel, zur Mitte Und wieder zurück. Diese Wege kennen anfängliche Begeisterung, die bis an die Mitte führt. Doch dann geht es nicht mehr weiter, wie man es sich vorgestellt hat. Umkehren, sich neu orientieren … Das sind oft dunkle Stellen im Leben.

Ein Labyrinth erschließt seinen Sinn im Nachgehen, im Nach-Zeichnen des Weges. Die Hoffnung, an ein Ziel zu gelangen, kann Mut machen, auch dort weiterzugehen, wo man weit weg von der Mitte, vom Ziel ist. Leben braucht solche Hinwege, aber auch den Rückweg, immer wieder den Weg zur Mitte, zu sich selber, zu den eigenen Quellen, zurück ins eigene Leben. Das Labyrinth ist eine Einladung, den eigenen Lebensweg nachzugehen.

Wohin möchte ich in meinem Leben gehen?
Welche Sackgassen, Irrwege, Mauern umgeben mich?
Wo möchte ich einsteigen, außen oder in der Mitte?
Was wünsche ich mir, um meine Wege gehen zu können?
Gott, gib uns Kraft für diese Weg. Amen.

www.labyrinthprojekt-hildesheim.de

Der Fischzug des Petrus – zu Lukas 5,1-11

10. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Gedanken zum Sonntag

Zwei Boote liegen am Ufer des großen Sees. Die Fischer haben eigentlich schon den Arbeitstag beendet, sind am Saubermachen, da steigt Jesus in das eine Boot und bittet den Fischer, hinauszufahren und die Netze auszuwerfen. Der protestiert zwar, weil er sich die ganze Nacht abgemüht, aber nichts gefangen hat. Es erscheint ihm sinnlos, es noch einmal zu probieren. Außerdem ist er müde. Trotzdem fährt er noch einmal hinaus, weil Jesus es wünscht, und siehe da – die Netze werden so voll, dass sie fast zerreißen.

Bild: www.pexels.com

Simon heißt dieser Fischer, ein einfacher Mann am See Genezareth, der mit seiner Familie vom Fischfang lebt. Wir kennen ihn mit seinem griechischen Namen Petrus, und ihm eilt der Ruf voraus, der erste Jünger Jesu gewesen zu sein. Später war er dann der wichtigste, eine Art Stellvertreter. Deshalb steht für die katholische Kirche der Papst in seiner Nachfolge.

„Hab keine Angst!“, sagt Jesus. „Von jetzt an wirst du Menschen fischen!“ Dieser Satz ist wie eine Berufung in dieses Amt. Petrus soll den Geist Jesu und seine Botschaft von Gottes Liebe und Güte weitertragen. Er soll derjenige sein, um den herum sich die zu gründende Gemeinde schart. Und das tat sie nach Jesu Tod ja auch.

Wir wissen heute nicht mehr, ob und inwieweit Petrus dies gelang, Menschen zu fischen. In der Bibel erscheint er oft eher blass, manchmal gar als Hasenfuß, der Jesus verleugnet, als es ernst wird. Und doch sind immer wieder Menschen in die Straßen und auf die Plätze gegangen, um Menschen für den neuen Glauben zu gewinnen. Sie haben diesen Satz Jesu, der an Petrus gerichtet war, sich auch selbst zur Aufgabe gemacht.

Menschen zu fischen ist natürlich schwierig. Man muss sie interessieren, überzeugen, für die Sache Gottes gewinnen. Aber dazu müssen sie erst einmal zuhören, müssen das spannend finden, was die Kirche zu sagen hat. Für Jesus selbst war das einfach. Er hat sich auch von einem Fischerboot aus an die Menschenmenge gewandt und ihnen gepredigt, doch da war er schon ziemlich bekannt im Volk und ein Prediger von Gottes Liebe und Güte, von dem man sich erzählte. Die Leute waren wegen ihm zusammengekommen.

Wir müssen andere Wege finden, damit Menschen uns zuhören. Allein von Gott zu erzählen, reicht meistens nicht aus. Da ist Kreativität gefragt, Offenheit und viel Geduld, denn oft sind auch wir frustriert, weil sich die Menschen nicht so einfach fischen lassen. Petrus jedoch hatte Jesus vertraut, ist trotzdem hinausgefahren – und war nachher überglücklich, dass seine Netze voll waren.

Deshalb sollten auch wir immer wieder in unsere Welt hinausgehen, zu den Menschen, dorthin, wo sie leben. Und vielleicht erleben auch wir, dass sich weit mehr Menschen finden lassen, als wir uns geträumt hatten. Das Zutrauen in Jesus kann uns den Mut dazu geben. Und die Geschichte vom Fischzug des Petrus auch.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn

Mittagsgebet

7. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles

Herr Jesus Christus, du schenkst uns großes Vertrauen:
Dein Wort willst du durch unser Wort weitersagen;
deine Liebe willst du durch unsere Liebe weiterschenken.
Wir danken dir, dass du uns so viel zutraust.

Wir bitten dich:
Vergib uns, wenn wir anderen Menschen immer wieder im Weg stehen.
Vergib uns, wenn wir dich nicht beachten. Mach uns empfänglich für deine Güte.
Mache uns bereit, dass wir im Wort des anderen dich hören.

Herr, gib uns deinen Heiligen Geist:
er schärft uns den Blick;
er öffnet uns für dich
und für die Menschen, zu denen du uns sendest.
Für sie beten wir.

Herr Jesus Christus,
lass uns leben von dir
mit unseren Worten und Taten.

Amen.

Die Kraft der Liebe

3. Juli 2020 by Pia Härtel Posted in: Aktuelles, Glaube & Leben, Gottesdienste

Gedanken zum Sonntag

„Einer trage des andern Last“, das fordert der Apostel Paulus von den Menschen in den Gemeinden, die er selbst gegründet hat. Es geht also um gegenseitige Unterstützung, um Nächstenliebe, darum, dass man sich nicht allein durchs Leben schlägt, sondern mit anderen gemeinsam die Dinge meistert, die einem das Leben schwer machen können. Dies ist, so Paulus, das „Gesetz Christi“, also sein Wille und das, was er uns vorgelebt hat.

Für Paulus und seine Gemeinden war das lebenswichtig. Die Christinnen und Christen jener Zeit waren ja keine anerkannte und rechtlich abgesicherte Religionsgemeinschaft mit eigenen Gebäuden und steuerlichen Vorteilen. Sie bildeten kleine versprengte Gemeinden, die von ihrer Umwelt argwöhnisch betrachtet wurden und manchmal sogar Verfolgungen durch den römischen Staat zu erleiden hatten. Da war es wichtig, nach innen eine funktionierende Gemeinschaft zu bilden, sich im eigenen Kreis einig zu sein, sich gegenseitig zu unterstützen und, wenn es sein muss, auch zu tragen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass die kleinen Gemeinden untergehen und die einzelnen Glieder dieser Gemeinden sich allein in der wenig freundlichen Umwelt bewähren müssen. Aber die Gemeinden haben überlebt, sind im Laufe der Zeit sogar gewachsen. Immerhin ist ja eine weltweite Kirche daraus geworden. Die Gläubigen damals waren sich sicher, dass das „Gesetz Christi“ eine tragfähige Richtschnur ist, mit der das Zusammenleben in Frieden, Freude und gegenseitiger Liebe gelingen kann – und auch gelingt. Immerhin hat ihr Herr Jesus Christus ihnen ja vorgelebt, wie das gehen kann: mit Anteilnahme am anderen, mit Barmherzigkeit gegenüber dem Bedürftigen, mit Vergebungsbereitschaft gegenüber Angriffen, aber auch mit Klarheit und wenn nötig Kritik an den herrschenden Verhältnissen. Damit haben sie kleine Gemeinden gegründet, in denen das Leben anders war als in der manchmal bedrohlichen Umwelt: enger, friedlicher, liebevoller und wahrscheinlich auch lebenswerter.

Kirche ist anders, das sagen wir auch heute noch manchmal. Die Kirchengemeinden funktionieren ja auch ein wenig anders als andere Gemeinschaften, auch wenn die Kirche im Laufe der Jahrhunderte viel von ihrer früheren Frische verloren hat, seit sie zu einer anerkannten gesellschaftlichen Organisation geworden ist. Aber die Besinnung auf das „Gesetz Christi“, auf die Ursprünge der ersten Gemeinden und deren Glauben kann helfen, auch heute noch anders zu sein: friedlicher, liebevoller, barmherziger und mit mehr Vertrauen auf unseren Herrn Jesus Christus.

Bleiben Sie behütet!
Ihr Pfarrer Michael Ebersohn